Fr. Jun 14th, 2024

Mit dem eigenen Crypto Valley gilt die Schweiz schon seit langem als ein den Kryptowährungen sehr aufgeschlossenes Land. Da im Grunde alles eine eigene Kryptowährung haben kann, dauerte es auch nicht lange, bis einige Coins und Tokens „Swiss Made“ auftauchten. Doch was genau steckt dahinter und kann man diesen Projekten vertrauen?

Was genau sind Schweizer Kryptowährungen?

Wohl gemerkt: Hierbei handelt es sich nicht um CBDC’s, um von der Schweizerischen Nationalbank offiziell emittierten und anerkannten digitalen Währungen. Stattdessen sind es Kryptowährungen, die in der Schweiz entstanden sind, eine Art Bezug zum Land, zu bestimmten Regionen oder Städten haben oder zumindest „Swiss“ im Namen tragen. Dabei stellt sich die Frage, wieso ein im Internet beheimatetes digitales Gut einen lokalen Bezug braucht. Schliesslich lassen sich in der Schweiz alle erdenklichen Kryptowährungen kaufen. Welche Zwecke und Ziele verfolgen diese Kryptowährungen oder besser gesagt, deren Schöpfer?

Die Gründe, warum jemand in eine Kryptowährung aus der Schweiz investieren wollen sollte, können so unterschiedlich sein wie die Schweizer selbst: aus Lokalpatriotismus, als Kuriosität, weil man Produkten aus der Schweiz mehr vertraut oder glaubt, sie erfüllen einen auf die Schweiz bezogenen Zweck. Allerdings ist Vorsicht geboten. Interessierte sollten sich immer vor einer Investition umfassend informieren.

Giracoin

Giracoin ist eine Kryptowährung der Gira Financial Group und wirbt mit dem Slogan „die Schweizer Kryptowährung“. Auf der eigenen Webseite wird sie vollmundig als „der neue Stern unter den Kryptowährungen“ beschrieben. Dabei gibt es Giracoin schon seit 2016. Die eigenen Ziele, den weltweiten Währungs- und Warenhandel zu revolutionieren, dürfte das Unternehmen bislang nicht erreicht haben. Wie auf so vielen Scam-Seiten werden hier seriöse Webseiten aufgereiht, auf denen angeblich Giracoin bereits erschienen ist. Allerdings ergeben nicht alle Suchen einen Treffer. Nur ein Interview mit dem Cointelegraph lässt sich finden. Hier gibt „Raja“, der damalige CTO der Gira Financial Group AG, zu, dass die Blockchain nicht open source entwickelt wird und für das Marketing auf die Community setzt, welche dafür belohnt wird. Also ein klassisches Pyramiden-Schema?

Die Verantwortlichen behaupten, Teil der Schweizer Selbstregulierungsorganisation (SRO) PolyReg in Zürich zu sein und damit eine Berechtigung zur Durchführung von Dienstleistungen zu besitzen. Die Kryptowährung lässt sich in Tokenpaketen erwerben, angefangen mit 50 Euro bis hin zu 1200 Euro. Auf CoinMarketCap ist die Giracoin nicht gelistet, daher lässt sich der Preis und seine Entwicklung nicht einschätzen. Über die genauen Tokenomics, die Umlaufmenge, Emission und wie genau das Mining funktioniert, erfährt man hier nichts. AGB und Impressum verlaufen ebenfalls ins Leere.

Swisscoin (SIC) und Swisscoin Classic (SICC)

Was genau die Swisscoin (SIC) mit der Schweiz zu tun hat, erfährt man auf der eigenen Webseite nicht. Das Swisscoin-Projekt hat laut eigenen Angaben seinen Sitz in Grossbritannien und bietet hier Finanzdienstleistungen an. Interessierte können in Pakete investieren und erhalten dadurch auf irgendeine Weise Profite. So soll das Team hinter der Swisscoin Kryptowährungen oder den Gold Ira handeln. Wozu es dafür die SIC Kryptowährung braucht, das bleibt unklar. Zwar ist die Swisscoin auf CoinMarketCap gelistet, jedoch wird kein Preis festgestellt und es gibt keine genaueren Informationen zu den Tokenomics.

Weiterhin gibt es ein Projekt namens Swisscoin Classic (SICC). Auch hier bietet sich ein ähnliches Bild. Zwar verfügt das Logo der Webseite über das Schweizerkreuz, was die Kryptowährung nun genau mit der Schweiz zu tun hat, bleibt weiterhin unklar. Angeblich steht dem Unternehmen, „basierend auf der Bitcoin-Blockchain“ ein Handelsvolumen von 5 Milliarden Coins zur Verfügung. So soll das Unternehmen verschiedene Handelsservices anbieten. Die Swisscoin lässt sich auf der eigenen Offline Wallet staken. Ein Versuch, sich die Wallet herunterzuladen, misslingt. Um eine richtige „Offline-Wallet“ kann es sich sowieso nicht handeln, denn offline lassen sich Kryptowährungen nur auf Hardware-Wallets wie von Ledger, Trezor oder auf der BitBox aufbewahren.

Digital Swiss Franc (DSFR)

Über den Digital Swiss Franc (DSFR) gibt es noch weniger Informationen. Vertrieben wird die Kryptowährung von der DSFR GmbH mit Sitz in Zug, von wo aus es Krypto-Services und Kredite anbietet. Durch diese Coin sollen Kryptowährung stärker in die Mitte des Lebens dringen, indem sie etwa von Online-Shops und lokalen Geschäften genutzt werden. Seit dem Token Sale, gestartet im November 2020, hat die Kryptowährung massiv an Wert verloren und notiert aktuell bei 0,002 US-Dollar.

Der Lugano-Token (LVGA)

Nicht alle hier vorgestellten Kryptowährungen müssen notwendigerweise Scams sein. Im September 2022 startete Lugano ihr eigenes Krypto-Projekt mit dem LVGA-Token. Hierbei handelt es sich um eine Kryptowährung mit echtem Lokalbezug. Mithilfe dieses Tokens und der MyLugano App lassen sich damit Steuern, Parktickets, öffentliche Dienstleistungen und Studiengebühren bezahlen. Unterstützt wird das Vorhaben von Polygon sowie Tether. Der LVGA-Token ist eine Stablecoin. 100 LVGA entsprechen 1 Schweizer Franken.

Als Investition sind sie nicht geeignet, unter anderem weil sie als Stablecoin nicht weiter an Wert zulegen können. Zudem haben die Tokens ein Verfallsdatum. Die LVGA-Tokens lassen sich auch mittels eines Treueprogramms verdienen. Zudem entwickelte die Stadt eine eigene Blockchain, die 3Achain, auf der Grundlage des Proof of Authority Konsensmechanismus. Damit bemüht sich Lugano, Kryptowährungen zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen sowie Krypto-Startups und Unternehmen anzulocken.

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