Zu Beginn wurde das Bitcoin-Netzwerk nur von ganz wenigen betrieben: Im ersten Jahr lassen sich mehr als die Hälfte der frisch geminten Bitcoins einem Account von Satoshi Nakamoto – dem unbekannten Bitcoin-Erfinder(kollektiv) – zuordnen. Erst mit der Zeit fingen weitere Enthusiasten an, Bitcoin Nodes zu betreiben und Bitcoins zu minen. Sie glaubten an diese digitale Währung und so oft sie konnten, liessen sie ihre Notebooks und Computer laufen.

Sechs Jahre später haben sich die Zeiten komplett geändert. Heute kann man wohl kaum gewinnbringend neue Bitcoins minen: Einerseits sind die Stromkosten in einigen Ländern schlicht zu hoch, als man dies mit dem Verkauf der frischen Bitcoins wieder verdienen würde. Andererseits reicht ein normaler Desktop-Computer fürs Mining nicht mehr. Selbst mit leistungsstarken Grafikkarten kommt man nicht weit. Fürs Mining von Bitcoins braucht man heutzutage spezielle Computer-Chips, sogenannte ASIC Miner.

Diese Chips können nur von wenigen Firmen hergestellt werden und das ganze Bitcoin Mining konzentriert sich auf wenige, dafür hochspezialisierte Firmen. Da fragt man sich natürlich schon, wer hat im Bitcoin-Netzwerk die Macht? Und was sind die Risiken fürs Bitcoin-Netzwerk?

Folgende Teilnehmer haben ein bestimmtes Mass an Einfluss im Bitcoin-Netzwerk:

Miner

Die Miner prozessieren Transaktionen und versiegeln die Blocks. Eine hohe Anzahl an Minern und eine dezentrale, redundante Verteilung sichern das Bitcoin-Netzwerk und machen es robust. Als Entlöhnung erhalten die Miner die Transaktionsgebühren der User und frische Bitcoins. Wieviel Macht haben die Miner im Bitcoin-Universum? Können Miner gar zur Gefahr für den Bitcoin werden?

Gibt es einmal zu wenig Miner oder übernimmt ein Mining Pool mehr als die Hälfte der ganzen Rechenpower im Bitcoin-Netzwerk, könnte dieser Betreiber möglicherweise Transaktionen manipulieren. Diese Schwachstelle, die bis anhin nicht behoben wurde, nennt man in der Bitcoin-Szene die „51%-Attacke“. In der Praxis kam diese Attacke noch nie zustande und es ist auch nicht bewiesen, dass diese erfolgreich verlaufen würde. Theoretisch ist es denkbar, dass jemand eine derartige Attacke gegen das Bitcoin-Netzwerk fahren könnte. Man müsste lediglich ausreichend Miner kaufen oder erschaffen. Es wird angenommen, dass eine derartige Attackeim Moment so ungefähr 2 Milliarden Dollar kosten würde, ohne Erfolgsgarantie.

Miner haben immer die Möglichkeit, einzelne Transaktionen auszuschliessen, rsp. Transaktionen nicht in die Blocks aufzunehmen. Schliesst ein Miner eine Transaktion aus, wird diese mit grosser Wahrscheinlichkeit später von einem anderen Miner in einen der darauffolgenden Blocks aufgenommen. Ein solches „Blacklisting“ von Transaktionen hat also lediglich aufschiebende Wirkung. In der Tat passiert dies oft. Je nach Auslastung des System kann es vorkommen, dass einige Transaktionen etwas länger brauchen, bis sie in die Blockchain aufgenommen werden. Additiv sei hier erwähnt: In der Regel bevorzugen Miner Transaktionen mit höheren Gebühren.

So gesehen haben die Bitcoin Miner einen nicht unerheblichen Einfluss auf das Bitcoin-System. Nur, für eine massiv Störung des Bitcoin-Netzwerks reicht es nicht aus. Und: Beherrscht man ein System, welches man zu keinem Zeitpunkt zerstören kann?

Mining Pool Operatoren

Die Mining Pool Operatoren haben grossen Einfluss, könnte man denken. Immerhin vereinen sie zahlreiche Miner zu einer Gemeinschaft. Je grösser ein Pool wird, desto mehr Rechenpower hat er. Und je mehr Rechenpower, desto mehr Bitcoins werden ausbezahlt. Die Pool Operatoren haben durchaus Interesse, grösser zu werden. Würden sich genug Pool Operatorsen zu einem riesengrossen Pool zusammenschliessen, bestünde die Gefahr einer 51%-Attacke, die wie erwähnt bis jetzt nur in der Theorie besteht.

Im Prinzip machen Pool Operatoren nichts anderes, als eine Software laufen zu lassen. Sie können darin zwar ebenfalls einzelne Transaktionen verzögern, mehr nicht. Im Weiteren können Pool Operatoren einzelne Miner ausschliessen. Nur können sie natürlich nicht verhindern, dass diese Miner sich danach einem anderen Pool anschliessen.

Nodes

Nodes werden u.a. von Altruisten betrieben. Altruisten, die an das Netzwerk glauben und es unterstützen möchten. Nodes werden aber auch von Unternehmen betrieben. Unternehmen, die an einem Funktionieren des Bitcoin-Netzwerks interessiert sind. Also beispielsweise Bitcoin-Marktplätze oder Wallet Services. Nodes erhalten die neuen Blocks der Miner, validieren sie und verteilen diese anschliessend im Bitocoin-Netzwerk an die Liste bekannter Nodes weiter. Einen gleichzeitigen Ausfall von vielen Nodes könnte das Bitcoin-Netzwerk belasten, aber nicht zum Absturz bringen.

User

User sind die Leute, die Bitcoins nutzen und damit Dinge oder Dienstleistungen kaufen. Es gibt User, die Bitcoins kaufen und dann nie etwas damit anfangen. Diese Bitcoins liegen dann ungenutzt herum und falls das alle User machen würden, wäre dies offensichtlich ein Problem fürs Bitcoin-Netzwerk. Ein unwahrscheinliches Szenario.

Viel wahrscheinlicher ist, dass User abwandern, wenn sie mit der Entwicklung des Bitcoin nicht zufrieden sind. Das können Fehlentscheide der Software Entwickler sein, zu hohe Transaktionsgebühren oder zu lange Wartezeiten für das Bestätigen der Transaktionen. Dies kann zu einer Abwanderung führen, die nächste Bitcoin-Kopie, die nächste Kryptowährung, ist nur ein Klick entfernt. Die User haben also eine gewisse Macht; würden alle User abwandern, wäre das definitiv ein Problem fürs Bitcoin-Netzwerk. Doch in den letzten 6 Jahren war dies nie der Fall, insofern ist dieses Szenario nicht so wahrscheinlich, wie man glauben könnte.

Unternehmen

Die Grossen Bitcoin Börsen und Marktplätze sind in Hand von Unternehmen. Wallet Services, Applications, Kioske und Hardware fürs Mining – mittlerweile ist alles in Hand von Unternehmen.

User sind von Unternehmen oder deren Services abhängig und es gibt Unternehmen, die über eine sehr grosse Userbasis verfügen. Im Weiteren haben einige Firmen grosse finanzielle und technische Möglichkeiten, das Netz zu beeinträchtigen.

Und das wurde gemacht: Einige Unternehmen nutzten in der Vergangenheit ihre Kräfte, um das Bitcoin-Netzwerk einem Stresstest zu unterziehen. Sie schafften es in einer organisierten Spam-Attacke, die Geschwindigkeit, mit der die Transaktionen bestätigt wurden, zu verlangsamen. Allerdings mussten sie für diese Art von Stresstest einiges an Gebühren ans Bitcoin-Netzwerk bezahlen, was das Netzwerk wiederum stärkte.

Regierungen

Bis jetzt hatten Regierungen keinen grossen Einfluss auf das Bitcoin-Netzwerk. Einige Länder untersagten den gewerblichen Handel mit kryptologischen Währungen. Derartige Verbote beeinflussten den Bitcoinkurs, das Bitcoin-Nezwerk hingegen nicht. Im Weiteren wirken Gesetze nur lokal. Aber selbst bei einem globalen Bitcoin Verbot würde diese Art von Währung im Darkweb weiter existieren.

Handel und Gebrauch können Regierungen lokal einschränken. Unternehmen können in Sachen Regulierung und Verifizierung verpflichtet werden.

Software Entwickler

Wie das aktuelle Geschehen zeigt, können Software Entwickler das Bitcoin-Netzwerk via Software verändern. Insbesondere die Frage der Blockgrösse hat die Bitcoin Community in zwei Lager geteilt. Nur, die alleinige Entscheidungsfreiheit haben die Entwickler nicht. Neue Software muss von den Kernentwickler abgesegnet werden. Aber nicht nur das, die gesamte Bitcoin Software ist Open Source verfügbar und somit bist aufs letzte Zeichen transparent. Änderungen fallen auf und zu guter Letzt müssen die Miner und Nodes bereit sein, ihre Software zu updaten.

Internet Service Provider

Internet Service Provider (ISPs) schliessen die Haushalte an das Internet an. Sämtlicher Traffic geht durch ihre Kabel. Da das meiste schwach oder gar nicht verschlüsselt ist, kann jeder der Zugriff hat mitlesen oder Daten modifizieren. Provider können einzelne Dienste blockieren. Das Bitcoin-Netzwerk hingegen nicht.

FAZIT

Es gibt noch weitere, wichtige Faktoren und Stakeholder, ohne die das Bitcoin-Netzwerk nicht funktionieren würde. Alle Schichten im OSI-Modell müssen funktionieren oder anders gesagt: Bitcoin braucht Strom und funktionierendes Internet. Die absolute Macht hat jedoch keine der Parteien inne und selbst wenn das Bitcoin-Netzwerk einmal schwächelt, die nächste Kryptowährung ist nur ein Klick entfernt und wird um Generationen ausgereifter sein!