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PISA 2003 bis 2025: Europa und Nordamerika verlieren den Anschluss

Die sieben besten Bildungssysteme in Mathematik liegen heute alle in Asien. 2003 waren es erst drei von sieben. Das zeigen die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die die OECD am 8. September 2026 veröffentlicht hat. Einstige Spitzenreiter wie Finnland, die Niederlande und Kanada sind zurückgefallen. Die Schweiz hält sich knapp in den Top Ten.

PISA (Programme for International Student Assessment) prüft alle drei Jahre, wie gut 15-Jährige ihr Wissen in Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen auf Alltagsprobleme anwenden können. An der Runde 2025 nahmen 91 Länder und Volkswirtschaften teil.

2003: Europa spielte noch vorne mit

Vor gut zwanzig Jahren war die Spitze durchmischt. Hongkong führte knapp vor Finnland, dahinter folgten Südkorea und drei europäische Systeme. Mit Kanada schaffte es auch Nordamerika unter die ersten sieben.

Rang Land / Volkswirtschaft Mathe-Punkte 2003 Region
1 Hongkong 550 Asien
2 Finnland 544 Europa
3 Südkorea 542 Asien
4 Niederlande 538 Europa
5 Liechtenstein 536 Europa
6 Japan 534 Asien
7 Kanada 532 Nordamerika

Die Schweiz lag 2003 mit 527 Punkten ebenfalls weit vorne, Deutschland mit 503 Punkten im Mittelfeld. Der OECD-Durchschnitt betrug damals 500 Punkte.

2025: Eine rein asiatische Spitzengruppe

Die vier chinesischen Regionen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang (B-S-J-Z) erreichten 612 Punkte, fast 50 Punkte mehr als Singapur auf Platz zwei. Laut OECD entsprechen rund 20 Punkte etwa einem Schuljahr Lernfortschritt.

Rang Land / Volkswirtschaft Mathe-Punkte 2025 Veränderung ggü. 2022
1 B-S-J-Z (China) 612 nicht vergleichbar
2 Singapur 563 −12
3 Macau (China) 549 −3
4 Taiwan 546 −1
5 Japan 525 −10
6 Südkorea 522 −5
7 Hongkong (China) 522 −19

Erst auf Platz 8 folgt mit Estland (508 Punkte) das beste europäische Land. Danach kommen die Schweiz (499) und Grossbritannien (488). Der OECD-Durchschnitt fiel auf 463 Punkte, den tiefsten Wert seit Beginn der Studie. Auffällig ist, dass auch fast alle asiatischen Spitzenreiter seit 2022 Punkte verloren haben, nur weniger als andere.

Die grossen Verlierer: Finnland, Niederlande, Kanada

Finnland, einst das gefeierte Bildungswunder, hat seit 2003 rund 75 Punkte eingebüsst. Das sind umgerechnet fast vier Schuljahre. Auch die Niederlande und Kanada liegen heute rund 50 Punkte tiefer.

Land 2003 2025* Differenz
Finnland 544 ca. 469 −75
Deutschland 503 ca. 464 −39
Kanada 532 ca. 485 −47
Niederlande 538 ca. 484 −54
Schweiz 527 499 −28
USA 483 ca. 463 −20

*Werte mit «ca.» sind aus dem PISA-2022-Wert und der von der OECD gemeldeten Veränderung bis 2025 berechnet. Die Rundungsabweichung beträgt ±1 Punkt.

Die Schweiz verliert zwar ebenfalls, bleibt aber als zweitbestes europäisches Land in den Top Ten. Die USA lagen nie in der Spitzengruppe. Sie landen 2025 genau auf dem OECD-Durchschnitt und damit rund 150 Punkte hinter B-S-J-Z. Der Abwärtstrend ist breit: Zwischen 2022 und 2025 sank die Mathe-Leistung in 38 von 74 vergleichbaren Systemen.

Warum Asien vorne liegt – und zu welchem Preis

Bildungsforscher nennen seit Jahren ähnliche Faktoren für den asiatischen Vorsprung:

  • Klare, schlanke Lehrpläne, die wenige Themen gründlich statt viele oberflächlich behandeln, etwa die «Singapur-Methode».
  • Hohes Ansehen und gezielte Ausbildung der Lehrpersonen.
  • Hohe Erwartungen von Familien und Gesellschaft an schulische Leistung.
  • Viel zusätzliche Lernzeit, oft in privaten Nachhilfeschulen.

Der Erfolg hat Schattenseiten. Schon nach PISA 2022 berichteten viele Jugendliche in Singapur, Macau und Taiwan von grosser Versagensangst und wenig Zeit für Sport oder Hobbys. In Singapur ist zudem die Kluft zwischen den stärksten und den schwächsten Schülerinnen und Schülern zwischen 2022 und 2025 in allen drei Fächern gewachsen. B-S-J-Z sticht dagegen positiv hervor. Die OECD zählt die Region zu den wenigen Systemen, die hohe Leistung mit geringer Abhängigkeit vom sozialen Hintergrund verbinden. Dasselbe gilt für Japan, Korea und Macau.

Einordnung: Vorsicht bei Ländervergleichen

Die Rangliste ist eindeutig, aber nicht jeder Vergleich ist fair. «China» steht bei PISA nicht für das ganze Land, sondern nur für vier wohlhabende Küstenregionen. Hongkong, Macau und Singapur sind Stadtstaaten ohne ländliche Schulen. Liechtenstein war 2003 noch in den Top Sieben, nimmt aber nicht mehr an PISA teil.

An der Grundaussage ändert das wenig: Asiens Systeme verlieren seit 2022 weniger als der Rest der Welt, und ihr Vorsprung wächst. Für Europa stellt sich die Frage, warum selbst früher vorbildliche Systeme wie Finnland über zwei Jahrzehnte so stark nachgelassen haben.

Hinweis zur Datenbasis: Die oft zitierte Rangliste «PISA Scores by Country 2026» (World Population Review) beruht noch auf den Daten von PISA 2022. Dort ist unter «China» zudem Macau aufgeführt. Die Zahlen für 2025 in diesem Artikel stammen direkt aus dem OECD-Bericht.

Quelle:

By Christian Mäder

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