Sa.. Okt. 10th, 2026

Der Zahlungsriese Visa arbeitet mit dem Hongkonger Fintech Reap zusammen, um Kreditkarten anzubieten, die mit Stablecoins funktionieren. Die Karten sollen künftig auch in Europa und Afrika erhältlich sein. Damit rücken Kryptowährungen ein grosses Stück näher an den Alltag.

Was ist passiert?

Visa und das Fintech-Unternehmen Reap haben eine strategische Zusammenarbeit angekündigt. Gemeinsam wollen sie Kreditkartenprogramme, die mit Stablecoins verknüpft sind, in über 100 Märkte weltweit bringen. Bisher war Reap vor allem in Asien und Lateinamerika aktiv. Neu kommen die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) sowie weitere Teile Afrikas dazu, jeweils im Rahmen der lokalen Regulierung.

Reap wird damit das erste Fintech in Asien, das zusammen mit Visa Stablecoin-Kreditkarten in grossem Stil weltweit herausgeben kann.

Wie funktioniert das?

Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Wert an eine klassische Währung gekoppelt ist, meist an den US-Dollar. Sie schwanken also nicht wie Bitcoin, sondern bleiben stabil.

Mit der Infrastruktur von Reap können Unternehmen, Fintechs und Plattformen eigene Kreditkarten herausgeben. Diese lassen sich mit Stablecoins aufladen, absichern und zurückzahlen. Bezahlt wird dann ganz normal überall dort, wo Visa akzeptiert wird, also an über 175 Millionen Verkaufsstellen weltweit. Der Händler merkt davon nichts: Für ihn ist es eine gewöhnliche Visa-Zahlung.

Reap übernimmt im Hintergrund die aufwendigen Teile: Kartenautorisierung, Abwicklung, Compliance und den laufenden Betrieb. Firmen, die eine Karte lancieren wollen, müssen das nicht selbst aufbauen.

Warum ist das wichtig?

1. Krypto wird im Alltag nutzbar. Das grösste Problem vieler Kryptowährungen war bisher: Man kann damit kaum direkt einkaufen. Karten wie diese schlagen die Brücke zwischen digitalen Vermögenswerten und dem normalen Einkauf, vom Kaffee bis zur Geschäftsreise.

2. Visa setzt ernsthaft auf Stablecoins. Das ist kein Experiment mehr. Visa verzeichnet bei Stablecoin-Abrechnungen inzwischen ein Jahresvolumen von rund 20 Milliarden US-Dollar, 15-mal mehr als im Vorjahr. Weltweit laufen bereits über 160 Stablecoin-Kartenprogramme über Visa.

3. Der Markt wächst rasant. Laut Artemis Research wächst das Segment der Stablecoin-Karten jährlich um durchschnittlich 106 Prozent. Zum Vergleich: Klassische Peer-to-Peer-Zahlungen wachsen um 5 Prozent pro Jahr.

4. Geld fliesst auch am Wochenende. Reap rechnet bereits heute im asiatisch-pazifischen Raum direkt mit Stablecoins über die Blockchain mit Visa ab. Das bedeutet: keine Wartezeiten wegen Bankschalterzeiten oder Wochenenden. Kartenanbieter müssen deshalb weniger Geld im Voraus parkieren, was Kapital freisetzt.

5. Ein Blick in die Zukunft: KI-Agenten als Zahler. Visa und Reap wollen zudem prüfen, wie vertrauenswürdige KI-Agenten selbstständig Zahlungen auslösen können, innerhalb von Grenzen, die der Nutzer festlegt. Stablecoins könnten dabei die Grundlage für programmierbares Bezahlen bilden.

Für wen ist das gedacht?

Im Fokus stehen vorerst Unternehmen, nicht Privatpersonen. Typische Anwendungen sind:

  • Firmen, die Geschäftsausgaben im Ausland mit Stablecoins bezahlen wollen
  • Plattformen, die Zahlungen an Lieferanten oder Partner über eine Karte abwickeln
  • B2B-Software, die eigene Firmenkarten mit Stablecoin-Funktion direkt in ihr Produkt einbauen möchte

Ausserdem will Reap bald Karten mit mehreren Stablecoin-Währungen anbieten, also nicht nur Dollar-Stablecoins.

Und die Schweiz?

Ob und wann die Schweiz konkret zu den neuen Märkten gehört, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Die Ausweitung auf Europa zeigt aber klar die Richtung: Stablecoin-Karten dürften auch hierzulande für Unternehmen und Fintechs zunehmend zum Thema werden.

Fazit

Die Zusammenarbeit zeigt, wie schnell Krypto und klassisches Zahlungswesen zusammenwachsen. Nicht Bitcoin selbst, sondern stabile, an den Dollar gekoppelte Coins sind derzeit der Motor dieser Entwicklung. Wenn der weltweit grösste Kartenanbieter diesen Weg so konsequent geht, ist das ein starkes Signal: Stablecoins sind im Mainstream des Zahlungsverkehrs angekommen.

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch