Die Neobank Revolut hat in Mexiko eine Million Kundinnen und Kunden gewonnen, weniger als acht Monate nach dem Start als lizenzierte Bank. Bemerkenswert ist dabei vor allem der Weg dorthin: Revolut hat sein mexikanisches Bankgeschäft komplett von Grund auf aufgebaut.
Aufbau ohne Abkürzung
Viele internationale Finanzinstitute verschaffen sich den Zugang zum mexikanischen Markt über Übernahmen, die Umwandlung bestehender Lizenzen oder eine bereits vorhandene Kundenbasis. Revolut ging einen anderen Weg und baute die Bank im Land ohne diese Abkürzungen auf. Das unterstreicht das Unternehmen ausdrücklich.
Mexiko hat für Revolut zudem strategische Bedeutung: Es ist der erste Markt ausserhalb Europas, in dem das Fintech eine eigene Bank gegründet und lanciert hat. Insgesamt hat Revolut bisher 167 Millionen US-Dollar in Mexiko investiert.
Das Angebot vor Ort
Das lokale Produktportfolio umfasst:
- Privat- und Gemeinschaftskonten
- Spar-Tools
- Inland- und Auslandsüberweisungen
- Währungswechsel in mehr als 30 Währungen
- Rechnungszahlungen und Lastschriften
- Physische und virtuelle Karten
- eSIMs
Revolut will das Angebot in Mexiko schrittweise um weitere Produkte und Funktionen aus seinem globalen Portfolio erweitern. Kryptowährungs-Dienste sind im aktuell kommunizierten mexikanischen Angebot nicht aufgeführt. Ob und wann sie folgen, ist offen.
Warum das Timing interessant ist
Der Meilenstein fällt in eine Phase, in der der mexikanische Peso unter Druck steht. Ende September näherte sich der Wechselkurs der Marke von 18 Pesos pro US-Dollar und erreichte den höchsten Stand seit März. Allein im September verlor die Währung gegenüber dem Dollar über 5 Prozent. Analysten nennen als Gründe globale Risikoaversion, die Spannungen im Nahen Osten, einen starken Dollar und innenpolitische Sorgen wie hohe Fiskaldefizite.
In einem solchen Umfeld gewinnen Multiwährungskonten und günstiger Devisentausch an Attraktivität. Genau das sind Kernfunktionen von Revolut. Ein direkter Zusammenhang zwischen Peso-Schwäche und Kundenwachstum lässt sich aus den vorliegenden Zahlen allerdings nicht belegen.
Einordnung
Mexiko ist mit seiner grossen, jungen und teilweise noch unterversorgten Bevölkerung einer der umkämpftesten Fintech-Märkte Lateinamerikas. Dass ein Neueinsteiger ohne übernommene Kundenbasis in so kurzer Zeit siebenstellige Nutzerzahlen erreicht, zeigt, wie gross die Nachfrage nach digitalen, kostengünstigen Bankdienstleistungen ist.
Für Beobachter aus der Schweiz ist der Fall vor allem als Blaupause interessant: Revolut testet in Mexiko, ob sich das europäische Neobank-Modell mit eigener Banklizenz auf andere Kontinente übertragen lässt. Gelingt das nachhaltig, dürften weitere Märkte nach demselben Muster folgen.
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