US-Präsident Donald Trump will eine neue Einheit für künstliche Intelligenz schaffen und einen «AI Czar» berufen. Das überrascht, denn noch vor wenigen Tagen hatte er Forderungen nach mehr Aufsicht über die Technologie abgetan.
US-Präsident Donald Trump hat am Samstag auf Truth Social angekündigt, eine «AI Force» ins Leben zu rufen und einen KI-Zaren zu ernennen. Die Initiative soll die rasant wachsende KI-Branche beaufsichtigen, ohne sie durch neue Regulierung auszubremsen. Damit schlägt Trump einen neuen Ton an: Erst Anfang September hatte er Warnungen vor den Risiken fortgeschrittener KI als «Hoax» bezeichnet und von einer «SICK conspiracy» gegen KI-Entwicklung und Rechenzentren gesprochen.
Was Trump angekündigt hat
Seine Regierung werde das Wachstum der Branche «in keiner Weise behindern oder ersticken», schrieb Trump. Man wolle die Industrie stattdessen «schätzen, unterstützen und beobachten, während sie wächst». Fehlverhalten von KI-Firmen lasse sich seiner Ansicht nach bereits mit den bestehenden Straf- und Zivilgesetzen ahnden.
Als Vorbild nannte er die Space Force, die er in seiner ersten Amtszeit gegründet hatte und die er als «tremendous SUCCESS» bezeichnet. Den KI-Zaren wolle er «in naher Zukunft» präsentieren. Bewerben sollten sich nur «High I.Q. individuals». KI sei die nächste industrielle Revolution, vergleichbar mit dem Internet, aber noch grösser. Sie könnte laut Trump bis zu 25 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts ausmachen. Die USA führten vor China und dem Rest der Welt, und dabei solle es bleiben.
Zu Struktur, Befugnissen und Personal der «AI Force» machte Trump keine Angaben. Eine Anfrage von Newsweek beim Weissen Haus blieb zunächst unbeantwortet.
Ein Kurswechsel nach heftiger Debatte
Die Ankündigung kommt mitten in einer intensiven Diskussion über die Zukunft der KI. Anthropic-Chef Dario Amodei hatte kürzlich in einem Essay mit dem Titel «We Must Pace the Frontier» gefordert, die Entwicklung zu verlangsamen, damit Sicherheitsvorkehrungen Schritt halten können. OpenAI-Chef Sam Altman äusserte sich ähnlich und plädierte für ein vorsichtigeres Vorgehen an der Spitze der Entwicklung. Auch Elon Musk unterstützte Forderungen nach mehr Aufmerksamkeit für die Risiken.
Dazu kommt der Rücktritt des KI-Forschers Jacob Coxon bei Anthropic. Er warnte auf X, fortgeschrittene Systeme könnten «uns alle bis Ende des Jahrzehnts töten», und warf den Unternehmen vor, ohne Rücksicht auf Verluste auf selbstverbessernde Superintelligenz zuzusteuern. Weder Anthropic noch OpenAI handelten seiner Ansicht nach verantwortungsvoll.
Auch in der Politik wächst der Druck, und zwar parteiübergreifend:
- Senator Bernie Sanders forderte auf X: «Pause advanced AI development. Ban artificial superintelligence. NOW.»
- Die republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna verlangte eine Sondersitzung des Kongresses zu KI.
- Die Abgeordneten Ted Lieu (Demokrat) und Nathaniel Moran (Republikaner) haben einen Gesetzesentwurf eingebracht. KI-Entwickler müssten demnach fortgeschrittene Systeme jederzeit verlangsamen, aussetzen oder abschalten können. Bei Systemen mit katastrophalem Schadenspotenzial könnte der Heimatschutzminister eine Drosselung oder Abschaltung anordnen.
Stimmen aus der Industrie
John Walsh, Technikchef für Regierung und kritische Infrastruktur beim Sicherheitsanbieter IGEL, sieht in der Ankündigung eine Chance, aber nicht durch eine weitere Behörde. Es gehe darum, ein Umfeld zu schaffen, in dem Regierung, Industrie, Forschung, Normungsgremien und Versicherer gemeinsam messbare Standards für KI-Sicherheit entwickeln. Als Vorbild nannte er die Automobilbranche, wo Produkte nach klar definierten, international anerkannten Kriterien geprüft werden. Sicherheit solle so zum Wettbewerbsvorteil werden.
Dringlicher werde dies, so Walsh, wenn KI nicht mehr nur Empfehlungen gebe, sondern selbstständig handle, also auf Systeme zugreife, Transaktionen ausführe oder in kritische Infrastruktur eingreife. Dann brauche es verifizierbare Identität, minimale Zugriffsrechte, klare Grenzen, laufende Überprüfung, Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit zum menschlichen Eingreifen.
Warum das auch für Krypto-Anleger interessant ist
Die Debatte folgt einem bekannten Muster: Innovationsfreundlichkeit gegen Regulierung, Wettbewerb mit China gegen Sicherheitsbedenken. Wer den Umgang der US-Politik mit Bitcoin und Krypto verfolgt, kennt diese Argumente. Wie ernst es Trump mit der «AI Force» meint, wird sich erst zeigen, wenn Aufgaben, Budget und Personalie des KI-Zaren bekannt sind.
Wie geht es weiter?
Die USA bereiten weitere Gespräche mit China zu KI und Technologiewettbewerb vor. Welche Rolle die «AI Force» dabei spielt und ob sie eher als Förderinstrument oder als echte Aufsichtsstelle gedacht ist, bleibt offen. Wir halten dich auf dem Laufenden.







