Deutsche Bank beantragt MiCA-Lizenz für institutionelle Bitcoin- und Ethereum-Verwahrung
Deutsche Bank treibt ihren Einstieg in die Krypto-Verwahrung voran: Am 16. September gab die Frankfurter Großbank bekannt, dass sie noch in diesem Jahr eine regulierte Custody-Lösung für digitale Assets für institutionelle und Firmenkunden in Europa starten will. Der Zeitplan hängt allerdings an einer entscheidenden Bedingung: dem Abschluss des laufenden Zulassungsverfahrens nach der EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets).
Lizenz wird im Oktober erwartet
Laut Bankensprecher Heinrich Frömsdorf rechnet Deutsche Bank damit, die erforderliche MiCA-Lizenz im Oktober zu erhalten. Erst danach kann der eigentliche Launch erfolgen, den die Bank für „noch in diesem Jahr“ ankündigt – vorbehaltlich weiterer regulatorischer und interner Freigaben. Die Bank betont ausdrücklich, dass Zeitpunkt, geografische Verfügbarkeit, unterstützte Assets und Umfang des Angebots sich noch ändern können.
Diese Vorsicht ist kein Zufall: Bereits 2023 war Deutsche Bank eine Partnerschaft mit dem Schweizer Infrastrukturanbieter Taurus eingegangen und hatte in Deutschland eine erste Custody-Lizenz beantragt. Der Weg zur eigenen Verwahrlösung zieht sich also bereits seit über drei Jahren.
Diese Assets sollen zum Start verfügbar sein
Zum Marktstart plant die Bank ein bewusst schmales, aber praxisnahes Angebot:
Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) als die beiden etablierten Basiswerte, ergänzt durch drei Stablecoins beziehungsweise E-Geld-Token: den Circle-Stablecoin USD Coin (USDC), den Euro-Stablecoin EURC sowie EURAU von AllUnity. Eine spätere Erweiterung des Angebots ist ausdrücklich vorgesehen, abhängig von Kundennachfrage, Risikoprüfung und regulatorischen Vorgaben. Auch tokenisierte Finanzinstrumente stehen bereits auf der Roadmap für eine zweite Ausbaustufe.
Kernstück des Angebots: Deutsche Bank verwaltet für ihre Kunden künftig direkt die Wallets und Private Keys. Institutionelle Kunden müssen damit keine eigene Verwahrinfrastruktur mehr aufbauen und betreiben – ein Argument, das gerade für regulierte Finanzinstitute mit hohen Compliance-Anforderungen attraktiv sein dürfte.
Sicherheitsarchitektur nach Bankenstandard
Für die Verwahrung selbst setzt Deutsche Bank auf ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept: Hardware-basierter Schlüsselschutz, eine strikte Aufgabentrennung sowie Mehr-Personen-Freigabeprozesse sollen unautorisierten Zugriff verhindern. Die Vermögenswerte werden in getrennten Warm- und Cold-Storage-Umgebungen gehalten, ergänzt durch redundante technische Systeme sowie kontrollierte Backup- und Recovery-Verfahren.
Für einzelne technische Komponenten greift die Bank auf ausgewählte externe Technologie- und Infrastrukturanbieter zurück – Berichten von Bloomberg zufolge sollen dabei erneut Taurus und die österreichische Bitpanda eine Rolle spielen.
Zielgruppe: institutionelles Geschäft, nicht Privatkunden
Das neue Angebot richtet sich explizit nicht an Privatanleger, sondern an Kunden aus dem Corporate Bank und Investment Bank der Deutschen Bank. Dazu zählen Vermögensverwalter, Hedgefonds, Verwahrstellen (Custodians), Broker, staatliche Institutionen sowie Firmenkunden. Die Aufnahme neuer Kunden bleibt dabei an die üblichen Sorgfaltspflichten (Due Diligence) und die Risikokriterien der Bank gebunden.
Gerald Podobnik, Co-Head Corporate Bank bei Deutsche Bank, ordnet den Schritt strategisch ein: Digitale Assets seien „kein Ersatz für das traditionelle Finanzsystem, sondern eine wichtige Ergänzung dazu“. Man verstehe sie als „neue Schienen, die neben der bestehenden Marktinfrastruktur bestehen können“ – und dabei von Vertrauen, Sicherheit und den Schutzmechanismen profitieren, die regulierte Finanzinstitute mitbringen. Ziel sei ein „sicherer und regulierter Zugang“ zu diesem sich entwickelnden Markt.
Auch eigener Stablecoin nicht ausgeschlossen
Die Custody-Pläne sind nur ein Baustein einer umfassenderen Krypto-Strategie der Bank. Im Juni 2026 hatte Sabih Behzad, Head of Digital Assets bei Deutsche Bank, bereits erklärt, man prüfe auch den Einstieg ins Stablecoin-Geschäft – inklusive der Möglichkeit, einen eigenen Token herauszugeben.
Deutscher Bankensektor zieht nach
Der Vorstoß von Deutsche Bank fällt in eine Phase, in der sich der deutsche und europäische Bankensektor spürbar in Richtung Krypto-Dienstleistungen bewegt. Seit dem 1. Juli gilt die MiCA-Verordnung vollumfänglich in der EU, was vielen Instituten erst die notwendige Rechtssicherheit für eigene Angebote verschafft hat.
Andere deutsche Banken waren dabei schneller: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bietet bereits seit April 2024 Krypto-Verwahrung an, über eine Partnerschaft mit der institutionellen Plattform von Bitpanda. Die DZ Bank erhielt im Dezember 2025 von der Finanzaufsicht BaFin die Genehmigung, ihre Plattform meinKrypto unter dem MiCA-Regime zu betreiben.
Deutsche Bank selbst gilt als global systemrelevantes Institut (G-SIB) und wäre damit die bislang größte deutsche Bank mit einem eigenen regulierten Krypto-Custody-Angebot. Im internationalen Vergleich reiht sie sich neben Standard Chartered und BBVA ein, die europäischen Institutionen bereits vergleichbare Dienstleistungen anbieten.
Ausblick
Ob der Launch tatsächlich wie geplant noch vor Jahresende erfolgt, hängt nun maßgeblich von der für Oktober erwarteten MiCA-Lizenz ab. Gelingt der Zeitplan, dürfte Deutsche Bank zu einem der bedeutendsten Namen im europäischen institutionellen Krypto-Verwahrgeschäft aufsteigen – und weiteren traditionellen Großbanken einen zusätzlichen Anreiz liefern, ihre eigenen Digital-Asset-Strategien zu beschleunigen.







