Sa.. Okt. 10th, 2026

Die Schweiz verfügt über genügend Schutzplätze, um im Ernstfall praktisch der gesamten Bevölkerung einen geschützten zweiten Aufenthaltsort zu bieten: Laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz gibt es rund 370’000 private und öffentliche Schutzräume mit etwa neun Millionen Schutzplätzen, also einen Deckungsgrad von über 100 Prozent. Dazu kommen gut 1700 Schutzanlagen: Kommandoposten, Bereitstellungsanlagen und geschützte Sanitätsstellen.

Bitcoin ist ein Netzwerk, dessen Überleben davon abhängt, dass möglichst viele unabhängige Kopien der Blockchain an möglichst vielen Orten existieren.

Die Frage drängt sich auf: Warum bringen wir das eine nicht ins andere?

Dieser Beitrag ist wie ein Befehlsvorschlag aufgebaut, so wie ihn ein Stab dem Kommandanten vorlegt: Orientierung, Absicht, Aufträge, besondere Anordnungen, Standorte. Entscheiden müssen am Ende andere. Wer nie im Militär oder im Zivilschutz war: keine Sorge, es wird alles erklärt.

1. Orientierung

1.1 Lage «eigene Mittel»

Das Schweizer Schutzbaudispositiv ist ein Erbe des Kalten Kriegs, aber kein totes. Seit den 1960er-Jahren gilt der Grundsatz «Jeder Einwohnerin und jedem Einwohner ein Schutzplatz». Die rechtliche Grundlage ist das Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz (BZG, SR 520.1). Wer baut und keinen Schutzraum erstellt, zahlt einen Ersatzbeitrag von 1400 Franken pro Schutzplatz.

Man unterscheidet zwei Kategorien:

  • Schutzräume schützen die Bevölkerung. Das ist der bekannte Keller mit Panzertür, Betonhülle und Ventilationsaggregat (VA).
  • Schutzanlagen sichern die Führungsfähigkeit und die Einsatzbereitschaft des Bevölkerungsschutzes. Dazu gehören der Kommandoposten (KP) der Zivilschutzorganisation (ZSO), die Bereitstellungsanlage (BSA) und die geschützte Sanitätsstelle (GSS).

Wer es genauer wissen will, findet in der Schutzraum-Broschüre des BABS (PDF) eine gute Übersicht zu Zweck, Aufbau und Nutzung.

Für diese Idee sind vor allem die Schutzanlagen interessant. Sie werden von Gemeinden oder Regionen betrieben, periodisch vom Zivilschutz gewartet und sind als Führungsinfrastruktur ausgelegt. Sie bieten also das, was ein Rechner im Ernstfall braucht: Zutrittskontrolle, Belüftung und Führungsräume.

Dazu kommt ein politisches Momentum. Der Bundesrat hat im Oktober 2025 die Revision der Zivilschutzverordnung gutgeheissen. Sie ist seit dem 1. Januar 2026 in Kraft. Über die nächsten 15 Jahre sollen rund 200 Schutzanlagen modernisiert werden, bei geschätzten Kosten von etwa 220 Millionen Franken. Wer jetzt modernisiert, kann auch mitdenken.

1.2 Lage «Bitcoin»

Ein Bitcoin-Full-Node ist kein Mining-Rig. Er rechnet nicht um die Wette und frisst keine Megawatt. Er macht etwas viel Bescheideneres und gleichzeitig Wichtigeres: Er speichert eine vollständige Kopie der Blockchain und prüft jede Transaktion selbstständig gegen die Regeln des Netzwerks.

Die technischen Anforderungen sind überschaubar:

  • Speicher: Die Blockchain umfasst laut bitcoin.org aktuell rund 740 GB und wächst laufend weiter. Eine 2-TB-SSD reicht für einige Jahre.
  • Rechner: Ein kleiner Einplatinencomputer oder Mini-PC mit 8 GB RAM und SSD genügt.
  • Energie: Solche Geräte ziehen im Betrieb grob 10 bis 15 Watt (Richtwert), also etwa so viel wie eine alte Glühbirne.
  • Kosten: Ein komplettes Gerät kostet wenige hundert Franken.

1.3 Lage «Bedrohung»

Bitcoin ist resilient, aber nicht unverwundbar. Die realistischen Szenarien sind nicht Hollywood, sondern die Themen, die auch in jeder kantonalen Gefährdungsanalyse stehen:

  • eine grossflächige, lang andauernde Strommangellage
  • Cyberangriffe auf Rechenzentren und Cloud-Anbieter, bei denen heute viele Nodes laufen
  • regulatorischer Druck in einzelnen Ländern, der Nodes aus dem Netz drängt
  • im Extremfall Konflikt und Zerstörung von Infrastruktur

Ein erheblicher Teil der öffentlich erreichbaren Nodes läuft bei grossen Hosting-Anbietern. Das ist eine Klumpenrisiko-Situation, wie man sie im Bevölkerungsschutz ungern sieht.

2. Absicht (Vorschlag)

In jeder Region der Schweiz steht mindestens eine vollständige, unabhängig validierte Kopie der Bitcoin-Blockchain in einer geschützten Anlage bereit, damit das Netzwerk nach einem Grossereignis aus der Schweiz heraus wieder synchronisiert werden kann.

Das Ziel ist nicht, dass der Bund Bitcoin kauft oder fördert. Das Ziel ist, eine Kopie eines öffentlichen, weltweit genutzten Datensatzes zu sichern, ähnlich wie der Kulturgüterschutz Sicherstellungsdokumentationen von wichtigen Archiven auf Mikrofilm aufbewahrt.

3. Vorgesehene Aufträge

An die ZSO (Zivilschutzorganisation)

  • Pro Kommandoposten einen Full-Node im bestehenden Rechner- oder Führungsraum installieren.
  • Den Node in die periodische Anlagekontrolle aufnehmen, also Sichtprüfung, Funktionstest und Update, im gleichen Rhythmus wie das Ventilationsaggregat.
  • Die Bedienung in den Wiederholungskurs (WK) der Führungsunterstützung integrieren. Zwei Stunden Ausbildung reichen, um einen Node zu starten, zu prüfen und neu zu synchronisieren.

An die Gemeinde

  • Strom und Internetanschluss bereitstellen. Der Stromverbrauch pro Anlage liegt im Bereich weniger Dutzend Franken pro Jahr.
  • Abklären, ob die bestehende Notstromversorgung der Anlage den Node mittragen kann. Bei rund 15 Watt dürfte das in der Regel kein Thema sein.

An die Bitcoin-Community

  • Ein Standard-Paket («Node-Kit ZS») definieren: Hardware, gehärtetes Betriebssystem, Konfiguration, Checkliste.
  • Die Geräte als Sachspende oder über ein Crowdfunding finanzieren, damit keine Steuergelder nötig sind.
  • Freiwillige Fachpersonen als Ansprechpartner pro Region stellen.

4. Besondere Anordnungen

Hier wird es ernst, denn eine gute Idee überlebt nur, wenn sie ihre eigenen Schwachstellen kennt.

4.1 Der Node ist offline nutzlos, aber nicht wertlos

Ein Node ohne Internetverbindung hilft dem Netzwerk im Moment nicht. Sein Wert liegt in der Durchhaltefähigkeit: Er bewahrt eine validierte Kopie auf, die nach dem Ereignis sofort wieder ins Netz eingespeist werden kann. Neue Nodes müssen dann nicht Hunderte Gigabyte aus dem Ausland herunterladen, sondern können lokal synchronisieren.

Für den Betrieb während eines Ereignisses gibt es Ergänzungen, die man prüfen kann, etwa Funk- oder Mesh-Netzwerke. Das gehört aber in eine zweite Ausbaustufe.

4.2 EMP-Schutz ist keine Selbstverständlichkeit

Die Stadt Bern beschreibt, dass Schutzbauten gegen Druckwelle, Licht- und Wärmestrahlung, Kernstrahlung und Fallout sowie gegen biologische und chemische Waffen schützen. Das heisst aber nicht automatisch, dass jede eingebrachte Elektronik gegen elektromagnetische Pulse geschützt ist. Wer das ernsthaft will, braucht zusätzlich ein abgeschirmtes Gehäuse und eine Offline-Reserve, zum Beispiel eine zweite SSD mit einem aktuellen Blockchain-Stand in einem Faraday-Behälter. Die Details gehören mit dem BABS und den kantonalen Fachstellen geklärt.

4.3 Die Anlage bleibt eine Schutzanlage

Die Betriebsbereitschaft der Anlage hat immer Vorrang. Der Node darf weder Lüftung noch Notstrom noch Führungsräume beeinträchtigen. Er ist ein Untermieter, kein Hausherr. Im Ernstfall entscheidet der Kommandant, ob das Gerät weiterläuft.

4.4 Neutralität und Recht

Bitcoin ist politisch umstritten. Eine öffentliche Anlage darf nicht den Eindruck erwecken, der Staat empfehle eine bestimmte Anlage oder Währung. Deshalb ist die Einordnung wichtig: Es geht um Datensicherung eines öffentlichen Registers, nicht um Finanzpolitik.

Trotzdem braucht es eine saubere rechtliche Abklärung. Das BZG regelt unter anderem den Unterhalt, die Erneuerung und die Umnutzung von Schutzanlagen, die Details stehen in der Zivilschutzverordnung. Ob ein Node als zulässige Zusatznutzung gilt, müssen Kanton und Gemeinde beurteilen.

4.5 Sicherheit

Der Node enthält keine Wallet und keine Schlüssel. Er speichert nur öffentliche Daten. Ein Diebstahl wäre ärgerlich, aber finanziell bedeutungslos. Trotzdem gehört das Gerät ins Zutrittsregime der Anlage und ins Netzwerk nur über eine klar getrennte Verbindung, nie ins Behördennetz.

4.6 Lagebeurteilung: Wird die Anlage zum Ziel?

Ein öffentlich erreichbarer Node macht seine IP-Adresse bekannt und verrät damit im Ernstfall, dass eine Anlage aktiv ist. Das widerspricht dem Grundsatz der Tarnung. Zudem schützt das Zusatzprotokoll I zu den Genfer Abkommen den Zivilschutz nur für seine eigentlichen Aufgaben. Eine fremde Nutzung könnte diesen Schutz zumindest in Frage stellen. Abhilfe schaffen könnten ein Betrieb nur über Tor und die Abschaltung auf Befehl, sobald sich die Lage verschärft. Die Blockchain bleibt dann als Offline-Kopie in der Anlage. Ob das genügt, sollen das BABS und Völkerrechtsfachleute beurteilen.

5. Standorte

Für einen Pilot bieten sich drei Typen von Standorten an:

  1. Eine städtische ZSO mit gut ausgebautem KP und stabiler Glasfaser, um den Betrieb unter Idealbedingungen zu testen.
  2. Eine Berggemeinde mit eigenem Kraftwerk oder Notstrom, um den Betrieb in einer Randregion zu prüfen.
  3. Eine überzählige Schutzanlage, die ohnehin umgenutzt werden soll, als Pilot für einen «Node-Bunker» mit mehreren Geräten.

Schlussbemerkung: Warum gerade die Schweiz?

Andere Länder reden über Resilienz. Die Schweiz hat sie in Beton gegossen. Wir haben die Anlagen, die Organisation, die Ausbildungsstruktur und die Tradition, Dinge für den Fall vorzubereiten, der hoffentlich nie eintritt.

Ein paar Rechner in der Grösse einer Zigarrenkiste, die still in einem Kommandoposten eine Kopie eines weltweiten Registers bewahren, passen erstaunlich gut zu diesem Selbstverständnis. Sie kosten fast nichts, brauchen fast keinen Strom und machen im Ernstfall vielleicht den Unterschied.

Oder in der Sprache des Zivilschutzes: Schützen, retten, betreuen – und synchronisieren.

Quellen

Weitere Infos:

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine Ideenskizze und keine offizielle Position von Bund, Kantonen oder Zivilschutzorganisationen.

Schweizer Militär: Könnte das neue Fernmeldenetz auch einen digitalen Franken übertragen?

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch