Sa.. Okt. 10th, 2026

Der Schweizer Bitcoin-Zahlungsdienstleister Swiss Bitcoin Pay hat seine Server vorübergehend abgeschaltet. Hintergrund ist ein vermuteter Sicherheitsvorfall: Nach Angaben des Unternehmens könnte ein böswilliger Nutzer Zugriff auf interne Systeme erhalten haben. Die Infrastruktur wird derzeit untersucht und abgesichert.

Swiss Bitcoin Pay informierte am Montag, 14. September 2026, über den Vorfall. In einer Mitteilung erklärte das Unternehmen, dass ein „malicious user“ wahrscheinlich Zugriff auf die internen Systeme erhalten habe. Als Vorsichtsmaßnahme wurden die Server deshalb vorübergehend heruntergefahren.

„A malicious user has likely gained access to Swiss Bitcoin Pay’s internal systems“, teilte das Unternehmen mit. Gleichzeitig werde daran gearbeitet, die Infrastruktur zu untersuchen und zu sichern.

 

 

Welche Kundendaten möglicherweise betroffen sind

Besonders relevant ist die Frage, auf welche Informationen der Angreifer möglicherweise zugreifen konnte. Swiss Bitcoin Pay nennt mehrere Kategorien von Kundendaten, die möglicherweise betroffen sind.

Dazu gehören:

  • E-Mail-Adressen von Kunden
  • Bitcoin-Adressen
  • IBANs
  • Transaktionshistorien
  • gehashte Passwörter

Das Unternehmen betont gleichzeitig, dass der Umfang des möglichen Zugriffs noch nicht vollständig geklärt ist. Es steht damit derzeit nicht fest, ob sämtliche genannten Informationen tatsächlich abgerufen oder kopiert wurden.

Gerade die mögliche Kombination verschiedener Datentypen macht den Vorfall für Nutzer interessant. Eine Bitcoin-Adresse allein lässt normalerweise keine direkte Identifizierung einer Person zu. Zusammen mit einer E-Mail-Adresse, einer IBAN oder einer Transaktionshistorie können jedoch wesentlich mehr Informationen über einen Nutzer miteinander verbunden werden.

Bitcoin-Bestände sollen sicher sein

Eine wichtige Aussage von Swiss Bitcoin Pay betrifft die Kundengelder. Nach Angaben des Unternehmens sind die Gelder der Nutzer weiterhin sicher.

Swiss Bitcoin Pay erklärte außerdem, dass sämtliche Beträge, die Nutzern noch geschuldet werden, vollständig zurückgezahlt werden sollen.

Damit unterscheidet sich der Vorfall von einem klassischen Angriff auf eine Kryptobörse, bei dem Angreifer beispielsweise versuchen, verwahrte Bitcoin abzuziehen. Bei Swiss Bitcoin Pay steht nach aktuellem Kenntnisstand vielmehr die mögliche Kompromittierung der internen Systeme und Kundendaten im Mittelpunkt.

Bitcoin-Zahlungen für Händler

Swiss Bitcoin Pay ist ein in der Schweiz ansässiger Zahlungsdienstleister, der Unternehmen die Annahme von Bitcoin ermöglicht. Dabei unterstützt die Plattform auch das Lightning Network.

Das Angebot richtet sich insbesondere an Händler, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren möchten. Zur Infrastruktur gehören unter anderem ein Checkout-System, ein Händler-Dashboard sowie Integrationen für Online-Shops und stationäre Geschäfte.

Damit befindet sich Swiss Bitcoin Pay an einer Schnittstelle zwischen Bitcoin und dem klassischen Zahlungsverkehr. Händler können Bitcoin-Zahlungen über die Infrastruktur des Unternehmens abwickeln, ohne dafür selbst eine komplette Zahlungsplattform entwickeln zu müssen.

Non-Custodial-Modell soll Bitcoin-Risiko reduzieren

Swiss Bitcoin Pay beschreibt seinen Dienst als non-custodial, also nicht verwahrend. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben darauf ausgelegt, die Bitcoin der Nutzer nicht dauerhaft zu halten.

Das ist im Zusammenhang mit dem aktuellen Sicherheitsvorfall ein wichtiger Punkt. Ein Zugriff auf interne Systeme bedeutet bei einem nicht verwahrenden Zahlungsdienst nicht automatisch, dass ein Angreifer Zugriff auf sämtliche Bitcoin-Bestände der Nutzer erhält.

Der aktuelle Fall zeigt allerdings auch, dass ein Non-Custodial-Modell nicht jedes Sicherheitsrisiko beseitigt. Auch ein Zahlungsdienstleister, der Bitcoin nicht langfristig verwahrt, verarbeitet sensible Informationen rund um Zahlungen und Nutzer.

Untersuchung läuft

Swiss Bitcoin Pay hat die Server zunächst abgeschaltet, um die Systeme zu untersuchen und die Infrastruktur abzusichern. Wie umfangreich der unbefugte Zugriff tatsächlich war und welche Daten möglicherweise abgerufen wurden, ist derzeit noch Gegenstand der Untersuchung.

Auch ist bislang nicht bekannt, wann die Server wieder vollständig online gehen.

Für Kunden dürfte deshalb vor allem die weitere Kommunikation des Unternehmens entscheidend sein. Sollte sich bestätigen, dass E-Mail-Adressen und weitere Informationen abgegriffen wurden, könnten Nutzer insbesondere mit gezielten Phishing-Versuchen konfrontiert werden.

Der Vorfall zeigt damit eine weniger offensichtliche Seite der Bitcoin-Infrastruktur: Selbst wenn Bitcoin-Bestände nicht direkt gefährdet sind, können die bei Zahlungsdiensten entstehenden Daten einen erheblichen Informationswert besitzen.

 

 

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch