Do.. Okt. 8th, 2026

Was macht Schellen-Ursli auf der Alp, wenn die Glocken hängen, die Kühe versorgt sind und eigentlich Feierabend wäre? Bitcoin minen.

Zumindest auf dem Titelbild von Bitcoin News Schweiz. Doch so verrückt die Vorstellung eines Mining-Rigs neben einer Schweizer Alphütte auch aussieht: Dahinter steckt eine durchaus interessante Frage.

Könnte Bitcoin-Mining dabei helfen, Schweizer Wasserkraft noch effizienter zu nutzen?

Die Schweiz verfügt im Wallis über das weltweit erste schwimmende Solarkraftwerk im Gebirge! Die einzigartige Anlage wurde im Winter 2019 installiert: 2240 m2 doppelseitige Solarpaneele schwimmen wie ein Floss auf dem Lac des Toules, einem Stausee in 1810 Metern Höhe.
Die Schweiz verfügt im Wallis über das weltweit erste schwimmende Solarkraftwerk im Gebirge! Die einzigartige Anlage wurde im Winter 2019 installiert: 2240 m2 doppelseitige Solarpaneele schwimmen wie ein Floss auf dem Lac des Toules, einem Stausee in 1810 Metern Höhe.
Foto © Romande Energie

Bitcoin-Mining auf der Alp?

Die Schweiz und Wasserkraft gehören seit mehr als hundert Jahren zusammen. Laut Bundesamt für Energie – Wasserkraft Schweiz stammen im langjährigen Mittel rund 58,5 Prozent der Schweizer Stromproduktion aus Wasserkraft.

Ende 2025 waren in der Schweiz 706 Wasserkraftzentralen mit einer Leistung von mindestens 300 Kilowatt registriert. Ihre erwartete durchschnittliche Jahresproduktion liegt bei rund 37’162 Gigawattstunden.

Damit besitzt die Schweiz genau jene Ressource, die Bitcoin-Mining besonders interessant macht: Strom.

Schellen-Ursli müsste also theoretisch nur noch ein Mining-Rig neben die Alphütte stellen, den Stecker einstecken – und los geht’s.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Bitcoin braucht Strom – aber Strom ist nicht immer gleich wertvoll

Bitcoin-Mining verbraucht grosse Mengen elektrischer Energie. Für Miner zählt deshalb nicht nur, ob Strom verfügbar ist, sondern vor allem, wie viel er kostet und wann er verfügbar ist.

Genau hier wird die Wasserkraft interessant.

Die Schweiz verfügt nicht nur über Laufwasserkraftwerke, sondern auch über grosse Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke. Diese können Strom zeitlich flexibler bereitstellen. Das Bundesamt für Energie bezeichnet Wasserkraft entsprechend als wichtigste einheimische CO₂-freie Energiequelle und weist auf die Bedeutung der Speichermöglichkeiten für die kurzfristige Stromversorgung hin.

Bitcoin-Mining wiederum hat eine interessante Eigenschaft: Mining-Hardware kann grundsätzlich flexibel betrieben werden.

Wenn Strom wirtschaftlich attraktiv verfügbar ist, können Miner ihre Geräte laufen lassen. Wird Strom knapp oder besonders teuer, kann sich der Betrieb weniger lohnen.

Das macht Mining zu einem ungewöhnlichen Stromverbraucher.

Wenn Schellen-Ursli zum Energieunternehmer wird

Stellen wir uns also vor:

Schellen-Ursli sitzt vor seiner Alphütte. Neben ihm steht kein gewöhnlicher Generator, sondern ein modernes Bitcoin-Mining-Rig.

Die Kühe schauen etwas irritiert.

Das Rig rauscht.

Die Lüfter drehen.

Und irgendwo im Hintergrund fliesst Wasser durch eine Turbine.

Die Glocke macht „Bimm“. Das Mining-Rig macht „Sssssss“. Und irgendwo wird Bitcoin berechnet.

Natürlich ist das überspitzt. Eine einzelne Mining-Anlage auf einer abgelegenen Alp wäre nicht automatisch wirtschaftlich. Netzanschluss, Hardware, Kühlung, Internetverbindung, Wartung und vor allem die Stromkosten müssen stimmen.

Aber das Grundprinzip ist real: Bitcoin-Mining kann dort interessant werden, wo Energie günstig, zuverlässig und wirtschaftlich sonst schwierig zu nutzen ist.

Die Schweiz hat einen entscheidenden Vorteil

Die Schweizer Wasserkraft ist geografisch eng mit den Alpen verbunden. Besonders die Bergkantone spielen eine wichtige Rolle.

Wallis und Graubünden gehören zu den grössten Wasserkraftproduzenten der Schweiz. Zusammen kommen sie auf eine erwartete Produktion von rund 18,4 TWh und damit auf fast die Hälfte der Schweizer Wasserkraftproduktion.

Das eröffnet zumindest theoretisch interessante Möglichkeiten.

Denn Bitcoin-Mining muss nicht zwingend dort stattfinden, wo besonders viele Menschen leben. Es braucht vor allem:

  • günstigen Strom
  • eine zuverlässige Stromversorgung
  • eine geeignete Infrastruktur
  • Internet
  • Kühlung
  • und einen wirtschaftlich sinnvollen Betrieb

Eine Alphütte erfüllt davon wahrscheinlich nicht alles.

Ein Wasserkraftwerk in den Alpen könnte dagegen deutlich interessanter sein.

Mining als Käufer für Energie

Das eigentlich Spannende an Bitcoin-Mining ist deshalb nicht der Gedanke an einen Miner auf der Alp.

Es ist die Frage, welche Rolle Mining im Energiesystem spielen kann.

Ein Miner kann theoretisch als zusätzlicher Stromabnehmer auftreten. Wenn Strom vorhanden ist und sich anderweitig nur schwer oder weniger profitabel verkaufen lässt, kann Mining eine Möglichkeit sein, daraus einen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen.

Das bedeutet nicht, dass jeder überschüssige Schweizer Strom automatisch für Bitcoin-Mining verwendet werden sollte.

Im Gegenteil: Energieeffizienz, Netzstabilität, Umweltauflagen und die Wirtschaftlichkeit müssen berücksichtigt werden.

Aber gerade in einem Land wie der Schweiz lohnt es sich, über solche Modelle nachzudenken.

Die Kehrseite: Bitcoin-Mining ist kein Zaubertrick

Natürlich gibt es auch eine andere Seite.

Mining-Hardware kostet Geld. Die Geräte verbrauchen viel Strom und produzieren gleichzeitig Wärme. Dazu kommen Wartung, Ersatzteile, Internet, Infrastruktur und die Schwankungen des Bitcoin-Preises.

Und vor allem gilt:

Billiger Strom allein macht noch kein profitables Mining.

Die Mining-Schwierigkeit verändert sich, der Wettbewerb ist global und die Einnahmen in Bitcoin schwanken. Ein Schweizer Miner muss deshalb mit Standorten in Ländern konkurrieren, in denen Energie teilweise deutlich günstiger angeboten werden kann.

Die Schweiz müsste also vor allem mit Qualität, zuverlässiger Infrastruktur und intelligenter Energienutzung punkten.

Vielleicht wäre Schellen-Ursli seiner Zeit voraus

Und damit sind wir wieder bei Schellen-Ursli.

In unserer Fantasie steht er mit seiner grossen Glocke vor einem Mining-Rig auf der Alp.

Die Kuh schaut zu.

Der Bitcoin-Kurs steigt.

Das Wasser rauscht.

Und Schellen-Ursli denkt sich:

Warum eigentlich nicht?

Die Realität ist natürlich komplizierter.

Aber die Idee dahinter ist durchaus ernst zu nehmen: Die Schweiz verfügt über eine enorme Erfahrung mit Wasserkraft und eine grosse, dezentrale Energieinfrastruktur. 2025 stammten 55,5 Prozent der gesamten Schweizer Stromproduktion aus Wasserkraftwerken.

Vielleicht wird Schellen-Ursli also nicht wirklich zum Bitcoin-Miner.

Aber die Kombination aus Schweizer Alpen, Wasserkraft und Bitcoin ist weniger verrückt, als sie auf den ersten Blick klingt.

Und wer weiss:

Vielleicht hört man auf der nächsten Alp neben dem Kuhglocken-Geläut irgendwann tatsächlich auch das leise Surren eines Bitcoin-Miners.

 

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