Do.. Okt. 8th, 2026

Die Grossbank DBS aus Singapur hat sich mit dem Vermögensverwalter Franklin Templeton und dem Blockchain-Unternehmen Ripple zusammengetan, um institutionellen Anlegern einen nahtlosen Wechsel zwischen einem regulierten Stablecoin und einem tokenisierten Geldmarktfonds zu ermöglichen. Ziel ist eine Handelsinfrastruktur, die rund um die Uhr läuft, Abwicklungszeiten von Tagen auf Sekunden verkürzt – und Anlegern erlaubt, auf ungenutzten Positionen Rendite zu erzielen, ohne dafür in Fiat-Währung zurückwechseln zu müssen.

Drei Partner, ein gemeinsames Ziel

Die Kooperation bringt drei unterschiedliche Stärken zusammen. DBS, eine der grössten Banken Asiens, stellt über ihre eigene digitale Börse DDEx (DBS Digital Exchange) die regulierte Handelsinfrastruktur sowie die Verwahrung für institutionelle und akkreditierte Kunden bereit. Franklin Templeton bringt seine Tokenisierungs-Expertise sowie BENJI ein, den tokenisierten Geldmarktfonds des Managers, der sowohl auf Ethereum als auch auf dem XRP Ledger (XRPL) ausgegeben wird. Ripple wiederum liefert Liquidität für seinen regulierten Stablecoin RLUSD auf Ethereum und XRPL, übernimmt On- und Off-Ramping-Dienste und stellt mit Ripple Custody die Verwahrungstechnologie, die sowohl RLUSD als auch BENJI absichert.

Für DDEx-Kunden bedeutet das: Ein Handelspaar aus RLUSD und BENJI soll direktes, praktisch verzögerungsfreies Umschichten zwischen einem stabilen digitalen Vermögenswert und einer renditetragenden Anlage ermöglichen – ohne den Umweg über traditionelle Bankkonten.

Das Problem: Geldmarktfonds und Krypto ticken bislang unterschiedlich

Institutionelle Anleger stossen bei der Verbindung klassischer Finanzprodukte mit der digitalen Asset-Welt regelmässig auf dieselben Hürden. Zum einen braucht es eine bankengerechte Verwahrungslösung, die private Schlüssel mit air-gapped Cold Storage und Hardware-Sicherheitsmodulen (HSMs) schützt und den strengen Sicherheitsprotokollen einer Bank genügt. Zum anderen läuft die Abwicklung von Geldmarktfonds traditionell über manuelle Abgleichsprozesse und dauert bis zu zwei Handelstage (T+2) – unvereinbar mit einem Kryptomarkt, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche handelt. Und schliesslich fehlte bislang ein Mechanismus, der einen reibungslosen Wechsel zwischen einem stabilen digitalen Asset und einem renditetragenden Fondsanteil erlaubt, ohne dass Kunden dafür jedes Mal in Fiat-Geld aus- und wieder einsteigen müssen.

Die Lösung: „Tokenized Liquidity Orchestration“

Das gemeinsam entwickelte Modell, das die Partner „Tokenized Liquidity Orchestration“ nennen, stützt sich auf drei Säulen:

  • Sichere Verwahrung: RLUSD und BENJI verbleiben vollständig innerhalb des digitalen Ökosystems von DBS. Die bankeigene, institutionelle Verwahrungsinfrastruktur integriert dabei die zugrunde liegende Technologie von Ripple Custody und garantiert einen manipulationssicheren Eigentumsnachweis über den gesamten Lebenszyklus der Assets.
  • Optimierte Abwicklung: Da sowohl RLUSD als auch BENJI direkt auf DDEx gelistet sind, entfallen die üblichen Ineffizienzen bei Zeichnung und Rücknahme von Fondsanteilen. Abwicklungsverzögerungen sinken deutlich, und der Umweg über ein Off-Ramping, um an Liquidität zu gelangen, fällt weg.
  • Kontrollierter institutioneller Zugang: Die Zugangskontrolle ist direkt auf Protokollebene verankert. RLUSD-Transaktionen laufen über XRPL-Trustlines, während BENJI-Anteile den Multi-Purpose-Token-Standard nutzen, um Berechtigungen durchzusetzen. Damit ist sichergestellt, dass ausschliesslich verifizierte institutionelle Teilnehmer mit den Assets interagieren können.

Was sich für Anleger ändert

Die Partner nennen drei zentrale Ergebnisse der Zusammenarbeit. Erstens sinkt die Abwicklungszeit beim Handel von RLUSD in BENJI von bisher T+2 auf nahezu Echtzeit. Zweitens entsteht mit der neuen Infrastruktur ein bankengesichertes Ökosystem, in dem Kunden ihre liquiden Mittel sofort zwischen einem stabilen digitalen Asset und einem hochwertigen, renditetragenden Fondsanteil verschieben können, um brachliegende Positionen effizienter zu nutzen. Drittens soll das Zusammenspiel einer der grössten asiatischen Banken, eines regulierten Fondsanbieters und eines regulierten Stablecoin-Emittenten das Vertrauen in tokenisierte Finanzprodukte stärken und als Blaupause für weitere institutionelle Tokenisierungsprojekte dienen.

Einordnung

Die Partnerschaft reiht sich in einen Trend ein, den auch andere grosse Finanzinstitute derzeit vorantreiben: die Verschmelzung traditioneller, regulierter Anlageprodukte mit öffentlichen Blockchain-Netzwerken. Dass ausgerechnet ein Geldmarktfonds als „Yield“-Baustein dient, ist naheliegend – Geldmarktfonds gelten als vergleichsweise risikoarm und bieten institutionellen Anlegern eine vertraute Grössenordnung für Rendite auf kurzfristig geparktes Kapital. Mit RLUSD als Brücke zwischen Fiat-Stabilität und Onchain-Handel positioniert sich Ripple als Infrastrukturanbieter für genau diese Art von Bank-zu-Bank- und Bank-zu-Fonds-Anwendungen.

Ob sich das Modell über DBS hinaus etabliert, dürfte auch davon abhängen, wie schnell andere Banken vergleichbare Custody- und Compliance-Infrastruktur aufbauen können. Für DDEx-Kunden jedenfalls verspricht die neue Handelsroute zwischen RLUSD und BENJI einen der bislang direktesten Wege, digitale Liquidität ohne Umwege in Rendite zu verwandeln.

Quelle: Ripple, „Tokenized Liquidity Orchestration – Unlocking Institutional Liquidity and Yield“ (2026) (PDF)