Sa.. Okt. 10th, 2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat selten gute Worte für Bitcoin übrig – umso bemerkenswerter ist eine aktuelle Pressemitteilung, in der die Organisation ausführlich über die Kryptowährung schreibt. Anlass ist die Einigung mit El Salvador auf die kombinierte zweite und dritte Überprüfung des laufenden Kreditprogramms. Wer genau hinschaut, erkennt darin weniger eine Kehrtwende des IWF als eine schrittweise Entflechtung von Staat und Bitcoin in dem Land, das die Kryptowährung 2021 als weltweit erstes zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt hatte.

Ein Kredit mit Bedingungen

El Salvador befindet sich seit Februar 2025 in einem 40-monatigen Programm des Typs Extended Fund Facility (EFF) mit einem Gesamtvolumen von rund 1,4 Milliarden US-Dollar. Von Anfang an war klar, dass der IWF diesen Kredit nicht ohne Zugeständnisse bei der Bitcoin-Politik gewähren würde. Bereits die erste Überprüfung im Juni 2025 brachte einschneidende Auflagen mit sich: Der öffentliche Sektor durfte fortan keine neuen Bitcoin mehr kaufen, der staatliche Bitcoin-Trust Fidebitcoin musste aufgelöst und die Beteiligung des Staates an der Wallet-App Chivo beendet werden. Zudem wurde das Bitcoin-Gesetz von 2021 entschärft: Die Annahmepflicht für Bitcoin im Handel fiel weg, für Privatunternehmen wurde sie freiwillig, und die Ausgabe von Staatsanleihen oder Instrumenten, die an Bitcoin gekoppelt sind, wurde untersagt.

Trotzdem hielt Präsident Nayib Bukele öffentlich an der Erzählung fest, sein Land kaufe weiterhin täglich einen Bitcoin. Ein IWF-Bericht vom Juli 2025 widersprach dem: Der Bestand des öffentlichen Sektors sei seit Februar 2025 unverändert geblieben, sichtbare Bewegungen zwischen Wallets seien interne Transfers und keine Neukäufe gewesen. Der medial wirksame „1 BTC pro Tag“-Slogan erwies sich damit weitgehend als politisches Narrativ statt als reale Beschaffungspolitik.

Was die neue Vereinbarung bringt

Die jetzt veröffentlichte Einigung auf Stabsebene (Staff-Level Agreement) für die zweite und dritte Überprüfung setzt diesen Kurs fort und macht ihn verbindlicher. Bei Zustimmung des IWF-Exekutivdirektoriums erhält El Salvador eine weitere Auszahlung von rund 140 Millionen US-Dollar (SDR 101,96 Millionen). Für die Bitcoin-Politik sind vor allem drei Punkte bemerkenswert:

Erstens wurde die Chivo-Wallet nun tatsächlich mehrheitlich privatisiert. Ein privater Betreiber übernimmt Eigentum und operative Kontrolle, der Staat behält lediglich eine Minderheitsbeteiligung sowie treuhänderische Pflichten für die Vermögenswerte der Nutzer.

Zweitens hat die Regierung dem IWF Unterlagen vorgelegt, die belegen sollen, dass der Zuwachs der staatlichen Bitcoin-Bestände seit der ersten Überprüfung ausschließlich aus privaten Spenden stammt – nicht aus öffentlichen Mitteln. Nach aktuellem Stand hält der Staat rund 7.764 BTC im Gegenwert von etwa 630 Millionen US-Dollar. Der IWF akzeptiert diese Herkunftsangabe offenbar, verknüpft die Aussage aber mit der klaren Erwartung, dass über die dokumentierten Spenden hinaus keine weitere Anhäufung von Bitcoin mehr stattfindet.

Drittens einigten sich beide Seiten auf Schritte zur Modernisierung des rechtlichen und regulatorischen Rahmens für digitale Vermögenswerte sowie auf strengere Governance- und Risikomanagement-Vorgaben für die verbliebenen staatlichen Krypto-Bestände – inklusive mehr Transparenz darüber, welche Wallets überhaupt noch involviert sind.

Mehr Kompromiss als Kurswechsel

Für Bitcoin-Befürworter mag es paradox wirken, dass der IWF nun ausführlich über Bitcoin schreibt, ohne die Kryptowährung grundsätzlich zu verteufeln. Tatsächlich bleibt die Institution ihrer Linie treu: Staatliche Bitcoin-Bestände gelten weiterhin als fiskalisches und finanzielles Stabilitätsrisiko, das der IWF nicht fördern will. Was sich geändert hat, ist die Verhandlungsdynamik. El Salvador bekommt sein Geld, wenn es den Staat als Bitcoin-Akteur zurückdrängt – auf privates Spendenkapital, private Wallet-Betreiber und ein Gesetz ohne Zwangscharakter. Der IWF wiederum kann auf dem Papier eine „kontrollierte“ Bitcoin-Politik vorweisen, ohne El Salvador einen kompletten Ausstieg abzuverlangen.

Wirtschaftlich steht das Land dabei gar nicht schlecht da: Der IWF-Missionschef Alejandro Torres verweist auf ein für 2026 erwartetes reales Wachstum von 4,5 Prozent, getragen von Investitionen, privatem Konsum, Rücküberweisungen und Tourismus, sowie auf sinkende Armut und einen wachsenden Primärüberschuss der öffentlichen Haushalte. Die Bitcoin-Frage war offenbar nie der zentrale Wachstumstreiber, sondern vor allem ein politisches Symbol – und genau dieses Symbol wird nun schrittweise vom Staatsapparat entkoppelt, während Bitcoin für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen in El Salvador weiterhin freiwillig nutzbar bleibt.

Für Beobachter aus der Schweiz und Europa ist der Fall vor allem als Präzedenzfall interessant: Er zeigt, unter welchen Bedingungen eine internationale Finanzinstitution bereit ist, mit einem Staat zu kooperieren, der Bitcoin in seine Wirtschaftspolitik integriert hat – nämlich nur dann, wenn öffentliche Gelder aus dem direkten Bitcoin-Engagement herausgehalten werden.

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By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch