Di.. Okt. 13th, 2026

Wer sich in der Bitcoin-Welt bewegt, kennt das Prinzip längst: Not your keys, not your coins. Wer die Kontrolle über seine privaten Schlüssel abgibt, gibt die Kontrolle über sein Geld ab. Ein kleines Team aus Bern stellt sich jetzt die gleiche Frage für ein ganz anderes Feld – künstliche Intelligenz. Ihre Antwort heisst MATE, und ihr Versprechen liest sich wie ein Selbstverwahrungs-Manifest für Chatverläufe: Deine Fragen, deine Antworten, deine Daten – gespeichert auf deinem Gerät, nicht in einer fremden Cloud.

MATE ist eine Schweizer KI-App, die Chatverläufe ausschliesslich lokal speichert und Nutzerdaten weder verkauft noch für Werbung oder KI-Training verwendet.
MATE ist eine Schweizer KI-App, die Chatverläufe ausschliesslich lokal speichert und Nutzerdaten weder verkauft noch für Werbung oder KI-Training verwendet.

Wenn KI plötzlich schweigen lernt

Die grossen Chatbots dieser Welt haben ein offenes Geheimnis: Jede Frage, jede Idee, jedes halb ausformulierte Geschäftsgeheimnis landet auf Servern, über die man selbst wenig Kontrolle hat, und wird nicht selten zum Trainingsmaterial für das nächste Modell. Wer das aus der Bitcoin-Perspektive betrachtet, erkennt sofort das Problem: zentrale Verwahrung, keine Transparenz, kein Ausstieg ohne Vertrauensvorschuss.

MATE dreht dieses Modell um. Chatverlauf und „Memory“ – das persönliche Gedächtnis der KI – bleiben auf dem Gerät der Nutzerin oder des Nutzers. Laut Anbieter werden Konversationsinhalte auf den Systemen von MATE nicht gespeichert, nicht verkauft, nicht für Werbung und nicht für das Training von Modellen verwendet. Wer offline gehen will, kann das im „On-Device Mode“: Ein lokal heruntergeladenes Modell beantwortet Anfragen direkt auf dem Gerät, ganz ohne Netzwerkverbindung – die digitale Variante der Kaltlagerung, sozusagen.

Für alles, was mehr Rechenleistung braucht, gibt es den Cloud-Modus. Auch hier bleibt das Versprechen bestehen: Anfragen werden verschlüsselt über Schweizer Rechenzentren verarbeitet und laut MATE nach der Beantwortung nicht aufbewahrt. Betrieben werden diese Rechenzentren mit Wasser- und Sonnenenergie und wasserfreier Kühlung – ein Detail, das in einer Branche, die zunehmend für ihren Energiehunger kritisiert wird, nicht selbstverständlich ist.

Vier Personen, ein Grundsatz

Hinter MATE steht die Berner Swisswise GmbH, gegründet und weiterhin betrieben von einem vierköpfigen Team – Bastian, Suban, Patrick und Lukas. Kein Fremdkapital, keine externen Investoren, die auf Wachstum um jeden Preis drängen: Die Plattform wird laut eigenen Angaben selbst finanziert und selbst gehostet, jede Produktentscheidung bleibt unabhängig. CEO Bastian Hofacker bringt die Motivation auf den Punkt: Man habe eine KI bauen wollen, die man der eigenen Familie ohne Vorbehalte empfehlen könne – Privatsphäre sei bei MATE kein Zusatzfeature, sondern das Fundament der Architektur.

Lanciert wurde MATE im Mai 2026, verfügbar für iPhone, iPad, Android – inklusive datenschutzfreundlicher Systeme wie GrapheneOS und MurenaOS – sowie für Mac und als Web-App. Wer ein Konto besitzt, findet auf jedem Gerät dieselben Einstellungen wieder, ohne dass Chatverläufe zwischen den Geräten synchronisiert werden. Die Verwahrung bleibt konsequent lokal.

Was es kostet

Wie bei jedem Produkt lohnt sich der Blick aufs Kleingedruckte, auch wenn Privatsphäre hier kein Aufpreis-Feature ist:

Der Gratis-Zugang umfasst zehn Anfragen im Monat inklusive Spracheingabe, Bilderkennung und privater Websuche. Das Lite-Abo für CHF 7.20 im Monat (CHF 6.– bei jährlicher Zahlung) bringt 300 Anfragen, Bildgenerierung und den Offline-Modus. Wer unbegrenzt nutzen will, greift zum Plus-Abo für CHF 14.95 im Monat (CHF 12.41 bei Jahreszahlung) inklusive eines „Expert Mode“ für komplexere Denkaufgaben. Für Unternehmen gibt es mit MATE Business eine eigene Lösung mit wählbarer Cloud- oder On-Premises-Bereitstellung. Der Anbieter betont dabei ausdrücklich: Alle Tarife tragen dieselben Datenschutz-Versprechen – bezahlt wird für Kapazität und Funktionen, nie für besseren Schutz der eigenen Daten.

Warum das für die Bitcoin-Community relevant ist

Man muss kein Kryptograf sein, um die Parallele zu sehen. Die Bitcoin-Bewegung hat über ein Jahrzehnt dafür gekämpft, dass Menschen die Kontrolle über ihr Geld selbst in der Hand behalten können, statt sie Banken oder Börsen zu überlassen. MATE versucht, dasselbe Prinzip auf ein Feld zu übertragen, das in den letzten Jahren fast beiläufig zentralisiert wurde: das eigene Denken, Formulieren und Recherchieren per KI. Ob ein vierköpfiges Berner Team im Wettbewerb mit milliardenschweren KI-Konzernen langfristig bestehen kann, ist offen. Aber als Signal, dass „Swiss made“ und „privacy first“ auch im KI-Zeitalter kein Widerspruch sein müssen, ist MATE einen genaueren Blick wert – gerade für ein Publikum, das digitale Souveränität nicht nur beim Geld, sondern auch bei den eigenen Daten ernst nimmt.

Fazit: MATE positioniert sich als Gegenentwurf zu den datenhungrigen KI-Plattformen aus den USA und China – Schweizer Server, Schweizer Team, und ein Geschäftsmodell, das explizit nicht auf dem Verkauf von Nutzerdaten beruht. Wer testen will, findet die App im App Store, bei Google Play sowie als Direct-Download für GrapheneOS und MurenaOS – oder ganz ohne Installation unter app.swissmate.ai.

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch