Di.. Okt. 13th, 2026

Die Schweizer Armee baut ihre digitale Kommunikationsinfrastruktur grundlegend um. Im Rahmen des Projekts «Telekommunikation der Armee» wird unter anderem das seit den 1990er-Jahren eingesetzte Integrierte Militärische Fernmeldesystem (neu: ERSA IMFS) ersetzt.

Damit stellt sich eine interessante Zukunftsfrage: Könnte eine solche hochsichere Kommunikationsinfrastruktur eines Tages nicht nur Daten, sondern auch digitale Schweizer Franken transportieren?

Richtstrahlanlage R-905: Werden darüber bald digitale Franken gesendet?
Richtstrahlanlage R-905: Werden darüber bald digitale Franken gesendet?

Kommunikation und Geld wachsen zusammen

Technisch betrachtet sind moderne Kommunikationsnetze längst mehr als reine Telefon- oder Datenleitungen. Sie bilden die Grundlage für digitale Führungs-, Logistik- und Informationssysteme.

Gleichzeitig arbeitet die Schweizerische Nationalbank an einer neuen Form von Zentralbankgeld. Im Projekt Helvetia testet die SNB einen digitalen Schweizer Franken für Finanzinstitute, eine sogenannte Wholesale Central Bank Digital Currency (Wholesale CBDC). Dabei wird digitales Zentralbankgeld auf einer DLT-Infrastruktur eingesetzt.

Die Idee eines digitalen Frankens innerhalb militärischer Kommunikationssysteme wäre deshalb technisch nicht völlig abwegig.

Ein digitaler Franken für die Armee?

Ein mögliches Szenario wäre ein abgeschottetes Zahlungssystem für militärische Logistik.

Ein Verband könnte beispielsweise digitale Zahlungswerte erhalten, mit denen Treibstoff, Transportleistungen, Verpflegung oder andere Leistungen innerhalb eines definierten Systems bezahlt werden. Die Transaktionen könnten über eine besonders geschützte militärische Infrastruktur abgewickelt werden.

Interessant wäre dabei vor allem die Offline-Fähigkeit. Eine militärische Infrastruktur muss auch dann funktionieren, wenn zivile Kommunikationsnetze ausfallen oder bewusst nicht genutzt werden können.

Ein digitaler Franken könnte in einem solchen Szenario möglicherweise auf autorisierten Geräten oder Wallets hinterlegt werden. Transaktionen könnten lokal signiert und später mit einem zentralen System synchronisiert werden.

Das wäre allerdings kein heutiges Feature des IMFS und auch kein angekündigtes Projekt der Schweizer Armee. Es handelt sich um ein mögliches Zukunftsszenario.

Die SNB testet bereits integrierte Abwicklung

Besonders interessant ist, dass die SNB bei Helvetia bereits mit einer integrierten Abwicklung von Geld und tokenisierten Vermögenswerten experimentiert.

Beim Pilotbetrieb können digitales Zentralbankgeld und tokenisierte Vermögenswerte auf derselben DLT-Infrastruktur abgewickelt werden. Dadurch kann eine Transaktion praktisch gleichzeitig auf beiden Seiten erfolgen.

Das zeigt: Die Schweiz experimentiert bereits mit einer Infrastruktur, in der digitales Zentralbankgeld programmierbar und technisch in digitale Transaktionssysteme eingebunden werden kann.

Militärische Anwendung wäre eine andere Kategorie

Ein militärischer digitaler Franken müsste allerdings wesentlich höhere Anforderungen erfüllen als ein normales Zahlungssystem.

Dazu gehören insbesondere:

  • Betrieb bei unterbrochener Verbindung
  • starke Verschlüsselung
  • Offline-Transaktionen
  • Schutz vor Manipulation
  • eindeutige Identitäten und Berechtigungen
  • Schutz vor Cyberangriffen
  • Wiederherstellung nach Ausfällen
  • klare Trennung verschiedener Sicherheitsstufen

Gerade die Kombination aus sicherem Kommunikationsnetz und digitalem Zahlungsverkehr könnte langfristig interessant werden.

Noch kein digitaler Franken für die Bevölkerung

Dabei sollte man den Begriff «digitaler Franken» nicht mit einer bereits existierenden Schweizer Digitalwährung für die Bevölkerung verwechseln.

Die SNB konzentriert sich derzeit auf Wholesale CBDC. Die von ihr getestete Variante ist für Finanzinstitute bestimmt. Einen allgemeinen digitalen Franken für Konsumenten sieht die SNB derzeit nicht als vordringlich an.

Vom Fernmeldenetz zum digitalen Nervensystem?

Genau hier liegt die interessante Perspektive.

Wenn die nächste Generation der militärischen Telekommunikationsinfrastruktur ohnehin hochsichere digitale Kommunikation, Führungsinformationen und verschiedene Datendienste zusammenführt, könnte irgendwann auch die digitale Abwicklung von Werten Teil solcher Systeme werden.

Das müsste nicht einmal zwingend ein eigener «Militär-Franken» sein. Denkbar wäre vielmehr eine technische Infrastruktur, über die staatlich ausgegebenes digitales Zentralbankgeld unter streng definierten Bedingungen übertragen werden könnte.

Damit würde aus einem Fernmeldenetz schrittweise ein digitales Nervensystem für militärische Operationen – mit Kommunikation, Logistik, Identitäten und möglicherweise künftig auch digitalen Zahlungen.

Noch ist das Zukunftsmusik. Doch die technischen Bausteine dafür werden in der Schweiz bereits entwickelt und getestet.

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By Christian Mäder

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