Di.. Sep. 15th, 2026

Powering Swiss Digital Economy – so beschreibt die Swiss Stablecoin AG ihren eigenen Anspruch. Mit dem CHFD tritt das Berner Unternehmen an, um der Schweiz einen regulierten, franken-basierten Stablecoin zu geben – entwickelt zusammen mit den Schwergewichten des heimischen Bankenplatzes. Ein Überblick über das Unternehmen, seine Ziele und den aktuellen Stand des Projekts.

Regulierte Stablecoins auf dem Vormarsch

Weltweit gewinnen regulierte Stablecoins an Boden: als Zahlungsmittel, das Transaktionen ohne Umweg und ohne Verzögerung ermöglicht, rund um die Uhr verfügbar und deutlich günstiger als klassische Zahlungswege. Die Schweiz will bei dieser Entwicklung nicht nur zuschauen. Mit dem CHFD positioniert sich die Swiss Stablecoin AG (SSC) als lokale Antwort auf den globalen Trend – wertstabil hinterlegt in Schweizer Franken und eingebettet in ein Netzwerk etablierter Finanzinstitute.

Wer steckt hinter dem Projekt

Die Swiss Stablecoin AG wurde im Frühling 2022 von Pascale Bruderer gegründet, ehemalige National- und Ständerätin und heute unter anderem Verwaltungsrätin bei Galenica und TX Group/Tamedia. Operativ herausgegeben und zurückgenommen wird der CHFD über die CHFD Infrastruktur AG, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der SSC. Diese ist dem VQF angeschlossen, einer von der FINMA anerkannten Selbstregulierungsorganisation, und erfüllt die geldwäschereirechtlichen Vorgaben über ein eigens entwickeltes Allow-Listing-Konzept.

Hinter dem Unternehmen steht ein Verwaltungsrat mit ausgewiesener Finanzmarkt-Erfahrung: darunter Valerio Roncone (COO der UBP, zuvor SIX Securities Services), Thierry Kneissler (Mitgründer und Ex-CEO von TWINT), sowie der auf Finanzmarktrecht spezialisierte Anwalt Daniel Schoch von MLL Legal. Ergänzt wird das Team durch Berater mit FINMA- und SDX-Vergangenheit, etwa den früheren Legal-Chef der SIX Digital Exchange, Björn Flückiger, und den langjährigen SNB-Rechtskonsulenten Martin Hess. Diese Mischung aus Bankenpraxis, Regulatorik und Blockchain-Technologie soll dem Projekt sowohl die nötige Compliance-Tiefe als auch technisches Know-how verschaffen.

Die Ziele: Ergänzung statt Ersatz

Die SSC versteht den CHFD explizit nicht als Konkurrenz zum bestehenden Zahlungssystem, sondern als Ergänzung der heutigen Infrastruktur. Im Zentrum steht der Anspruch, ein Zahlungsmittel zu schaffen, das gleichzeitig Vertrauen und Innovation verbindet: fest in der Schweizer Finanzindustrie verankert, aber auf die Bedürfnisse der Realwirtschaft ausgerichtet. Als regulierter Stablecoin soll der CHFD zudem einen Beitrag zur geldpolitischen Souveränität der Schweiz leisten und ein Baustein der digitalen Transformation des Finanzplatzes sein – wertstabil, 24/7 verfügbar, kosteneffizient sowie programmierbar und interoperabel mit anderen Systemen.

Die Bankensandbox: Sieben Institute, ein Testfeld

Der bislang wichtigste Schritt des Projekts ist die gemeinsame CHF-Stablecoin-Sandbox, die die SSC zusammen mit UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, der Zürcher Kantonalbank und der Banque Cantonale Vaudoise angekündigt hat. Die sieben Partner testen darin im zweiten Halbjahr 2026 in einer praxisnahen, aber kontrollierten Umgebung konkrete CHFD-Anwendungsfälle – ein Konsortialansatz, der bewusst auf ein Bankennetzwerk unter Aufsicht statt auf ein dezentrales, unreguliertes Netzwerk setzt. Die Initiative baut auf Vortests von UBS, PostFinance und Sygnum aus dem Herbst 2025 auf.

Technisch verfolgt die SSC eine chain-agnostische Architektur: Die Plattform ist grundsätzlich in der Lage, verschiedene Blockchains anzubinden. Für die Sandbox-Phase setzt man primär auf Ethereum und einen ERC-20-Token, weitere Netzwerke sind mittelfristig vorgesehen. Die teilnehmenden Banken greifen wahlweise über eine API oder ein Web-Interface auf die SSC-Plattform zu.

Bewusst klein gehalten ist das Volumen: Die im Umlauf befindlichen CHFD-Bestände bleiben unter einer Million Franken. Damit lässt sich die Ausnahmeregelung der Schweizer Fintech-Sandbox nutzen, was eine sonst erforderliche Bankgarantie erübrigt. Die FINMA wurde vorab über das Vorhaben informiert, zusätzlich hat die CHFD Infrastruktur AG die für die Sandbox-Phase relevanten finanzmarktrechtlichen Fragen über eine Unterstellungsanfrage bei der Aufsichtsbehörde abgeklärt.

Deckung: 1:1 in Franken, ausschliesslich in Cash

Jeder ausgegebene CHFD ist vollständig durch Einlagen in Schweizer Franken gedeckt. Diese liegen bei einer regulierten Schweizer Bank und sind strikt von den operativen Mitteln der Herausgeberin getrennt. Um Markt- und Liquiditätsrisiken auszuschliessen, werden die Reserven ausschliesslich als Cash gehalten – anders als etwa bei manchen internationalen Stablecoin-Modellen, die einen Teil ihrer Reserven in verzinsliche Wertpapiere investieren.

Einordnung: Das Rennen um den digitalen Franken

Die Sandbox reiht sich in eine wachsende Zahl von Initiativen rund um digitales Zentralbank- und Geschäftsbankengeld in der Schweiz ein – von akademischen Standortbestimmungen wie der TA-SWISS-Studie zu den Eckwerten eines neuen digitalen Frankens bis zu dezentralen Alternativen wie dem Frankencoin (ZCHF). Der CHFD-Ansatz unterscheidet sich davon durch seinen explizit bankenzentrierten, regulierten Charakter: Statt eines offenen, dezentralen Netzwerks steht ein Konsortium etablierter Institute hinter der Ausgabe. Ob sich dieses Modell am Ende gegen dezentrale Lösungen oder eine mögliche digitale Zentralbankwährung durchsetzt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen – die Sandbox-Ergebnisse aus 2026 dürften für diese Debatte aber richtungsweisend sein.

Fazit

Mit dem CHFD verfolgt die Swiss Stablecoin AG einen Ansatz, der bewusst auf Kooperation mit dem etablierten Bankensystem statt auf dessen Disruption setzt. Die Beteiligung von UBS, PostFinance, Sygnum, Raiffeisen, ZKB und BCV verleiht dem Projekt regulatorisches und institutionelles Gewicht, das viele andere Stablecoin-Initiativen nicht vorweisen können. Ob daraus ein breit genutztes digitales Zahlungsmittel für die Schweizer Wirtschaft wird, entscheidet sich in der laufenden Sandbox-Phase 2026 und den darauffolgenden Schritten in Richtung eines möglichen breiteren Rollouts.

Quellen:

 

By Christian Mäder

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