Do.. Okt. 8th, 2026

Bitcoin und Ethereum gehen mit unterschiedlichen Vorzeichen in das vierte Quartal 2026. Laut Bitget Research könnten vor allem ETF-Zuflüsse, Inflation, Geldpolitik und globale Liquidität darüber entscheiden, ob sich der Kryptomarkt stabilisiert oder erneut unter Druck gerät.

Bitcoin notiert Ende August im Bereich von 78’000 bis 79’000 US-Dollar, während Ethereum bei rund 2’400 bis 2’500 US-Dollar liegt. Damit liegen beide Kryptowährungen auf Jahressicht im Minus. Bitcoin hatte im Oktober 2025 noch ein Hoch von rund 126’000 US-Dollar erreicht.

Für das vierte Quartal stellt sich damit eine zentrale Frage: Kann sich der Markt auf dem aktuellen Niveau stabilisieren – oder steht eine weitere volatile Phase bevor?

Ryan Lee, Chief Analyst bei Bitget Research, sieht mehrere Signale, die Anleger in den kommenden Monaten besonders genau beobachten sollten.

Makroökonomie gewinnt an Bedeutung

Eine wichtige Veränderung zeigt sich laut Lee bei den Faktoren, die den Bitcoin-Preis beeinflussen. Während frühere Marktzyklen stark von Krypto-internen Entwicklungen geprägt waren, spielen inzwischen auch ETF-Flüsse, Staatsfinanzen und die globale Liquidität eine größere Rolle.

Besonders deutlich wurde dies Mitte August. Zu diesem Zeitpunkt überschritt die US-Staatsverschuldung die Marke von 40 Billionen US-Dollar. Gleichzeitig weitete das US-Finanzministerium seine langfristigen Anleiherückkäufe aus. Bitcoin legte innerhalb einer Woche um rund 23 bis 27 Prozent zu und bewegte sich dabei ähnlich wie Gold.

Auch die Zuflüsse in Bitcoin-ETFs zogen an. Laut Bitget Research lässt sich allerdings nicht eindeutig feststellen, dass die fiskalischen Entwicklungen allein für die Rally verantwortlich waren. Sie könnten jedoch dazu beigetragen haben, wie Investoren die Situation am Markt interpretierten.

Damit rückt die klassische Vierjahres-Zyklik von Bitcoin etwas stärker in den Hintergrund. Das Halving von 2024 wurde rund 18 Monate später vom Bitcoin-Hoch im Oktober 2025 gefolgt – ein Zeitraum, der grundsätzlich in das historische Muster passt.

Gleichzeitig sinkt mit jedem Halving der Anteil der neu geschaffenen Bitcoin im Verhältnis zum bereits zirkulierenden Angebot. ETF-Zuflüsse, institutionelle Anleger und die globale Liquidität könnten deshalb bei der Preisfindung künftig eine größere Rolle spielen.

Fed, Inflation und US-Dollar im Fokus

Für das vierte Quartal erwartet Bitget Research insbesondere bei drei makroökonomischen Faktoren wichtige Signale: Inflation, Zinserwartungen und die Entwicklung des US-Dollars.

Ein schwächerer Dollar und weniger restriktive Zinserwartungen könnten die Liquiditätsbedingungen verbessern. Historisch waren solche Phasen teilweise günstig für risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen.

Das größte Risiko wäre dagegen ein unerwartet hoher Inflationsdruck. Sollte dieser zu einer strafferen Geldpolitik führen, könnte der US-Dollar an Stärke gewinnen und die finanziellen Bedingungen könnten sich verschärfen.

Für Bitcoin wären das potenziell belastende Faktoren.

Auch die Entwicklung der Bitcoin-ETFs bleibt deshalb entscheidend. Hinzu kommen regulatorische Fortschritte sowie die weitere Entwicklung des Stablecoin-Marktes.

Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte

Auf Branchenebene hebt Bitget Research insbesondere Stablecoins und tokenisierte Real-World Assets (RWAs) hervor.

Die weltweite Stablecoin-Versorgung liegt laut der Analyse inzwischen bei rund 300 bis 320 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig nimmt die Nutzung für Zahlungen und institutionelle Anwendungen zu.

Auch tokenisierte Vermögenswerte, insbesondere tokenisierte US-Staatsanleihen, erreichen neue Höchststände.

Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Krypto-Trends: Stablecoins und RWAs lösen konkrete Probleme bei Zahlungen, Abwicklung und dem Zugang zu traditionellen Vermögenswerten. Dadurch könnten sie langfristig eine stärkere Grundlage für weiteres Wachstum besitzen.

Weniger eindeutig ist die Situation bei anderen Bereichen des Marktes. Die Aktivität bei Layer-2-Netzwerken konzentriert sich weiterhin stark auf einige führende Netzwerke, während der Total Value Locked (TVL) im DeFi-Sektor weitgehend in einer Bandbreite bleibt.

Auch Krypto-Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz sowie regulierte Tokenisierungsplattformen könnten bis Jahresende interessant bleiben. Entscheidend wird laut der Analyse sein, ob diese Projekte tatsächlich nachhaltige Liquidität, wiederkehrende Nutzung und klar definierte Produkte entwickeln können.

Drei mögliche Szenarien für Bitcoin

Wie sich Bitcoin bis Ende 2026 entwickelt, bleibt offen. Bitget Research skizziert mehrere mögliche Szenarien.

In einem relativ neutralen Szenario könnte Bitcoin zunächst in einer größeren Handelsspanne bleiben. Bei weiterhin positiven ETF-Zuflüssen und weniger restriktiven makroökonomischen Bedingungen wäre ein Test der Zone zwischen 85’000 und 100’000 US-Dollar möglich.

Sollten sich gleichzeitig die Marktstimmung, die regulatorischen Rahmenbedingungen und die Dynamik verbessern, wäre auch ein deutlich bullisheres Szenario denkbar. In diesem Fall könnte Bitcoin laut der Analyse in Richtung 110’000 bis 150’000 US-Dollar steigen.

Das Gegenstück wäre eine erneute Verschärfung der finanziellen Bedingungen. Eine überraschend hawkishe Geldpolitik oder ein größerer Liquiditätsschock könnte die Volatilität deutlich erhöhen. In einem solchen Szenario könnten laut Bitget Research wieder Kurse zwischen 55’000 und 65’000 US-Dollar in den Fokus rücken.

ETF-Flows könnten wichtiger sein als Krypto-News

Für Anleger ergibt sich daraus vor allem eine Verschiebung der Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt die nächste große Nachricht aus der Kryptoindustrie dürfte darüber entscheiden, wie sich Bitcoin im vierten Quartal entwickelt.

Vielmehr könnten Bitcoin-ETF-Zuflüsse, Inflationsdaten, Zinserwartungen, der US-Dollar und die Signale der US-Notenbank Federal Reserve die entscheidenden Hinweise liefern.

Damit könnte Q4 2026 zu einem Test dafür werden, wie stark Bitcoin inzwischen in das globale Finanzsystem integriert ist. Die zunehmende Bedeutung institutioneller Kapitalströme macht den Markt größer – gleichzeitig wird Bitcoin dadurch stärker von Entwicklungen abhängig, die außerhalb der eigentlichen Kryptoindustrie entstehen.

Quelle: Bitget Research / Ryan Lee, Chief Analyst. Die genannten Szenarien stellen keine Kursprognosen oder Anlageempfehlungen dar.

Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Finanzberatung dar. Kryptowährungen sind volatil und möglicherweise nicht für alle Anleger geeignet. Anleger sollten eigene Recherchen durchführen und bei Bedarf professionellen Rat einholen.