Di.. Okt. 13th, 2026

Die russische Grossbank Sberbank plant, künftig neben Bitcoin auch Tether (USDT) und Ethereum (ETH) als Sicherheit für bestimmte Kredite zu akzeptieren. Voraussetzung ist, dass die beiden Kryptowährungen von den russischen Behörden für den Handel an regulierten Börsen zugelassen werden.

Die Sberbank, Russlands grösste Bank gemessen an den Vermögenswerten, baut damit ihr Angebot rund um digitale Vermögenswerte schrittweise aus. Nach Angaben des stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Anatoli Popow soll die Aufnahme von USDT und Ethereum erfolgen, sobald die entsprechende regulatorische Genehmigung vorliegt.

Bitcoin bereits als Sicherheit akzeptiert

Bitcoin nimmt bei der Sberbank bereits eine Sonderstellung ein. Die Bank akzeptiert BTC schon heute als Kreditsicherheit und will dieses Modell offenbar auf weitere grosse Kryptowährungen ausweiten.

Das Vorgehen steht im Zusammenhang mit dem neuen russischen Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte. Ein am 4. August unterzeichnetes Gesetz überträgt der russischen Zentralbank die Zuständigkeit dafür, welche digitalen Vermögenswerte an regulierten Handelsplätzen zugelassen werden können.

Die Bank of Russia hatte zuvor Bitcoin, Ethereum und USDT als erste Kandidaten für einen regulierten Handel genannt. Bei der Auswahl spielen unter anderem Marktkapitalisierung, Handelsvolumen und die Verfügbarkeit historischer Preisdaten eine Rolle.

USDT könnte für Banken besonders interessant sein

Die mögliche Aufnahme von USDT ist dabei besonders bemerkenswert. Der Stablecoin soll den Wert des US-Dollars abbilden und unterscheidet sich damit deutlich von Bitcoin und Ethereum, deren Preise wesentlich stärker schwanken.

Für ein Kreditgeschäft kann ein Stablecoin deshalb grundsätzlich andere Eigenschaften bieten als ein volatiler Krypto-Asset. Gleichzeitig bleiben auch bei Stablecoins Risiken bestehen, etwa hinsichtlich Liquidität, Regulierung und der tatsächlichen Stabilität des zugrunde liegenden Systems.

Welche Beleihungsgrenzen, Sicherheitenabschläge oder Liquidationsschwellen Sberbank für USDT und ETH anwenden würde, ist bislang nicht bekannt.

Russland öffnet regulierten Kryptomarkt

Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der Russland seinen Umgang mit Kryptowährungen grundlegend neu ordnet. Ab dem 1. September 2026 soll der regulierte Kryptomarkt des Landes offiziell starten.

Damit entsteht eine interessante Situation: Einerseits versucht die russische Zentralbank, den Handel mit ausgewählten Kryptowährungen stärker zu kontrollieren und zu regulieren. Andererseits beginnen grosse Finanzinstitute damit, konkrete Produkte auf Basis digitaler Vermögenswerte zu entwickeln.

Sberbank gehört dabei zu den Banken, die sich besonders aktiv mit Krypto-Infrastruktur beschäftigen.

Gleichzeitig wenig Begeisterung für den digitalen Rubel

Bemerkenswert ist, dass Sberbank beim staatlichen digitalen Rubel wesentlich zurückhaltender auftritt.

Finanzchef Taras Skworzow erklärte öffentlich, er sehe derzeit keine klare Nachfrage nach dem digitalen Rubel aus dem privaten Sektor. Das Interesse von Privatkunden, Unternehmen und Finanzinstituten sei begrenzt.

Damit entsteht ein bemerkenswerter Gegensatz: Während die Nachfrage nach einer staatlich ausgegebenen digitalen Währung offenbar noch nicht überzeugt, bereitet Sberbank gleichzeitig die Ausweitung von Finanzprodukten auf Basis von Bitcoin, Ethereum und USDT vor.

Russland setzt auf zwei unterschiedliche Wege

Für den internationalen Kryptomarkt ist diese Entwicklung interessant. Russland verfolgt offenbar parallel zwei unterschiedliche Ansätze: eine staatlich kontrollierte digitale Währung auf der einen Seite und einen stärker marktbasierten, regulierten Handel mit ausgewählten Kryptowährungen auf der anderen.

Sollten USDT und Ethereum tatsächlich als Kreditsicherheiten zugelassen werden, wäre dies ein weiterer Schritt in Richtung einer stärkeren Integration von Kryptowährungen in das traditionelle Bankensystem.

Für Bitcoin ist besonders relevant, dass Sberbank bereits heute BTC als Sicherheit akzeptiert. Dass nun weitere grosse digitale Vermögenswerte folgen könnten, zeigt, dass Kryptowährungen zunehmend nicht mehr nur als spekulative Anlage, sondern auch als finanzielle Sicherheiten betrachtet werden.

Ein konkreter Starttermin für die Akzeptanz von USDT und ETH wurde bislang nicht genannt. Die Einführung hängt von den noch ausstehenden regulatorischen Entscheidungen der russischen Zentralbank ab.