Der US-Broker-Riese Charles Schwab öffnet sein Krypto-Angebot für drei weitere Coins. Was nach einer technischen Randnotiz klingt, ist in Wirklichkeit ein weiteres starkes Signal dafür, dass Kryptowährungen im traditionellen Finanzsystem angekommen sind – und ein Vorbote dafür, was auch Schweizer Anlegerinnen und Anleger von ihren Banken erwarten dürfen.
Charles Schwab, mit rund 13 Billionen US-Dollar verwaltetem Vermögen einer der grössten Broker der Welt, hat am 27. August 2026 angekündigt, sein Krypto-Handelsangebot deutlich auszubauen. Zusätzlich zu Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) sollen Kundinnen und Kunden in den kommenden Monaten auch Solana (SOL), Avalanche (AVAX) und Chainlink (LINK) direkt über die Plattform „Schwab Crypto“ kaufen und verkaufen können.
Die Fakten im Überblick
- Schwab Crypto ist seit Mai 2026 live und bot bislang ausschliesslich Bitcoin und Ethereum an.
- Neu hinzu kommen Solana, Avalanche und Chainlink – drei etablierte Projekte mit unterschiedlichen Einsatzgebieten: SOL als Smart-Contract-Plattform mit hohem Durchsatz, AVAX als Layer-1 für Institutionen und Tokenisierung, LINK als führendes Oracle-Netzwerk für Smart Contracts.
- Der Handel läuft über die bekannten Kanäle: Schwab.com, die mobile App und die Trading-Plattform thinkorswim.
- Die Gebühr liegt bei 0,75 Prozent (75 Basispunkte) auf den Handelswert – nach eigenen Angaben eine der günstigsten Konditionen der Branche.
- Verfügbar ist Schwab Crypto in allen US-Bundesstaaten ausser New York und Louisiana; internationale Kundinnen und Kunden sowie US-Territorien sind aussen vor.
- Weitere Coins sollen „im Laufe der Zeit“ folgen, konkrete Namen nannte Schwab bislang nicht.
Angeboten werden die Krypto-Konten über die Charles Schwab Premier Bank, SSB – ein FDIC-versichertes, aber auf Einlagen bezogenes Institut. Wichtig für Anlegerinnen und Anleger: Die Kryptowerte selbst sind weder FDIC-versichert noch durch die SIPC geschützt und gelten laut Schwab ausdrücklich als spekulative Instrumente mit Totalverlustrisiko.
Warum diese Meldung mehr ist als eine Produkt-Erweiterung
Auf den ersten Blick ist die Ankündigung eine simple Sortimentserweiterung um drei Token. Für den Kryptomarkt insgesamt steckt darin aber eine grössere Botschaft.
Traditionelle Finanzhäuser bauen Krypto systematisch aus, statt es zu ignorieren. Schwab hat bewusst nicht sofort ein riesiges Sortiment an Coins angeboten, sondern startet klein mit BTC und ETH und erweitert schrittweise um liquide, etablierte Projekte. Das ist ein Muster, das sich bei vielen grossen Adressen zeigt: erst Vertrauen in Infrastruktur und Compliance aufbauen, dann das Angebot verbreitern. Wenn ein Haus mit knapp 40 Millionen Brokerage-Konten und 13 Billionen Dollar verwaltetem Vermögen diesen Weg geht, wirkt das als Blaupause für den Rest der Branche.
Zugang für die breite Masse. Schwabs Kundenbasis besteht überwiegend aus klassischen Privatanlegerinnen und -anlegern sowie Vorsorgesparern – nicht aus Krypto-affinen Trading-Profis. Dass diese Zielgruppe künftig Solana, Avalanche und Chainlink direkt neben Aktien und ETFs im selben Depot handeln kann, senkt die Einstiegshürde erheblich. Krypto wird damit Teil der normalen Vermögensplanung, statt eine Nische auf einer separaten Exchange zu bleiben.
Signalwirkung für Institutionen und Regulatoren. Jede grosse, stark regulierte Bank, die ihr Krypto-Angebot ausbaut, ist ein Datenpunkt dafür, dass Aufsichtsbehörden und Compliance-Abteilungen mit dem regulatorischen Umfeld für diese Anlageklasse mittlerweile arbeiten können. Das erleichtert es wiederum anderen Instituten, nachzuziehen – ein Effekt, der sich in den vergangenen Jahren bei Bitcoin- und Ethereum-ETFs bereits gezeigt hat und sich nun auf Einzeltoken wie SOL, AVAX und LINK auszuweiten scheint.
Liquidität und Preisfindung. Neue, gut kapitalisierte Käuferschichten bedeuten potenziell mehr Handelsvolumen und tiefere Spreads für die betroffenen Token. Ob und wie stark sich das tatsächlich auf die Kurse auswirkt, bleibt offen – Ankündigungen dieser Art lösen aber erfahrungsgemäss zumindest kurzfristig erhöhte Aufmerksamkeit aus.
Schwab selbst bringt es auf den Punkt: Joe Vietri, Head of Digital Assets, spricht davon, Kundinnen und Kunden mehr Auswahl zu geben, „um eine Krypto-Allokation innerhalb der vertrauten Anlage- und Banking-Erfahrung bei Schwab aufzubauen“. Genau dieser Satz beschreibt den eigentlichen Trend: Krypto wird nicht mehr als Alternative zum traditionellen Portfolio verkauft, sondern als dessen Ergänzung.
Und was bedeutet das für die Schweiz?
Für Schweizer Leserinnen und Leser lohnt der Blick über den Atlantik, weil sich hierzulande ein sehr ähnliches Bild zeigt – nur mit anderen Namen.
- PostFinance hat ihr Krypto-Angebot im Februar 2026 von ursprünglich 11 auf 22 digitale Assets ausgebaut, inklusive des ersten Stablecoins (USDC) im Sortiment. Die Bank gilt als erstes systemrelevantes Schweizer Institut mit direktem Krypto-Zugang für Retail-Kundschaft und hat seit dem Start über 36’000 Krypto-Konten sowie mehr als 565’000 Trades verzeichnet.
- Swissquote bietet bereits rund 45 Kryptowährungen inklusive Staking-Möglichkeiten und 24/7-Handel und positioniert sich damit als eine der breitesten Plattformen im Schweizer Markt.
- UBS hält sich im Retail-Geschäft bislang zurück, hat aber laut Berichten aus 2026 angekündigt, das eigene Krypto-Engagement auszubauen.
- Julius Bär und weitere Privatbanken adressieren primär vermögende Kundschaft mit massgeschneiderten Krypto-Lösungen, während Kantonalbanken wie die Zürcher oder die Luzerner Kantonalbank inzwischen ebenfalls Bitcoin und teils weitere Coins anbieten.
Das Muster ist auf beiden Seiten des Atlantiks identisch: Etablierte, regulierte Banken erweitern ihr Krypto-Sortiment Schritt für Schritt, beginnend bei Bitcoin und Ethereum, gefolgt von liquiden Large-Cap-Altcoins. Schwabs Schritt dürfte den Wettbewerbsdruck auf Schweizer Institute, die bislang zögern – wie UBS im Massenmarkt –, zusätzlich erhöhen. Wer als Bank keine Krypto-Produkte anbietet, riskiert zunehmend, Kundinnen und Kunden an Anbieter wie Swissquote, PostFinance oder eben internationale Broker zu verlieren.
Mehr als nur Krypto: Schwab drängt auch in Prediction Markets
Die Token-Erweiterung ist Teil einer breiteren Strategie. Schwab plant laut einem Bericht des Wall Street Journal vom Juni 2026 zudem, in Zusammenarbeit mit der Terminbörse Cboe Global Markets Prognosemärkte („Prediction Markets“) anzubieten – zunächst auf den S&P 500 bezogen. Kundinnen und Kunden sollen darauf wetten können, ob der Index über oder unter einem bestimmten Stand schliesst. Damit tritt Schwab in ein Feld ein, das bislang von spezialisierten Plattformen wie Kalshi oder Polymarket dominiert wird.
Zusammen mit der Krypto-Erweiterung zeigt das: Einer der grössten US-Finanzdienstleister positioniert sich aktiv in neuen, teils noch jungen Anlageklassen – ein weiteres Indiz dafür, dass die Grenzen zwischen traditionellem Investing und digitalen respektive alternativen Anlageformen zunehmend verschwimmen.
Zahlen zu Charles Schwab
- Verwaltetes Kundenvermögen: rund 13,04 Billionen US-Dollar (Stand 31. Juli 2026)
- Aktive Brokerage-Konten: 39,9 Millionen
- Nettoumsatz Q2 2026: 7,1 Milliarden US-Dollar, Rekordwert
- Reingewinn Q2 2026: 2,8 Milliarden US-Dollar
Risiken nicht vergessen
Bei aller Euphorie über institutionelle Adoption gilt weiterhin: Kryptowährungen bleiben volatil und riskant. Schwab selbst weist in den Disclosures ausdrücklich darauf hin, dass die angebotenen Digital Assets nicht von einer Zentralbank oder Regierung gestützt, nicht als Einlagen und nicht durch FDIC oder SIPC geschützt sind. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Zudem kann Schwab die Einführung angekündigter Assets laut eigenen Angaben jederzeit aus regulatorischen, operativen oder marktbedingten Gründen verzögern oder zurückziehen – ein verbindliches Startdatum für SOL, AVAX und LINK gibt es also noch nicht.
Fazit
Die Erweiterung von Schwab Crypto um Solana, Avalanche und Chainlink ist für sich genommen keine Sensation – aber ein weiterer Baustein in einem klaren Trend: Grosse, regulierte Finanzinstitute bauen ihre Krypto-Angebote kontinuierlich aus und machen digitale Assets damit für Millionen von Privatanlegerinnen und -anlegern zugänglich, die bislang nie eine Krypto-Exchange genutzt haben. Für den Schweizer Markt, wo Anbieter wie PostFinance und Swissquote längst ähnliche Wege gehen, ist die Botschaft aus den USA vor allem eines: eine Bestätigung, dass der Weg vom Nischenprodukt zur Standardanlageklasse weitergeht – und dass der Druck auf noch zögerliche Institute wie UBS wächst, nachzuziehen.
Quelle: Charles Schwab; Pressemitteilung, 27.08.2026







