Sa.. Okt. 10th, 2026

Trump ruft den US-Kongress auf, in «fairer» Weise den Clarity Act durchzuwinken. Die Verabschiedung des Gesetzes könnte Auswirkungen auf die Infrastruktur der Kapitalmärkte haben.

Anklage gegen die Funktionsweise globaler Märkte

Im Jahr 2026 ist es einfacher, um zwei Uhr nachts Bitcoin zu kaufen als eine Aktie eines führenden US-Unternehmens. Das ist keine Kritik an Krypto, sondern eine Anklage gegen die Art und Weise, wie globale Märkte noch immer funktionieren.

Die wertvollsten Technologieunternehmen der Welt sind global. Ihre Produkte stehen in Haushalten rund um den Globus, ihre Geschäftszahlen bewegen Märkte überall. Doch der Besitz ihrer Aktien hängt nach wie vor davon ab, wo jemand geboren wurde, zu welcher Bank Zugang besteht und ob der Markt gerade geöffnet ist, wenn Kapital investiert werden soll. In dieser Lücke zwischen globaler Marke und lokal begrenztem Zugang setzen tokenisierte Aktien an.

Es geht nicht darum, ob Nachfrage nach US-Aktienengagement besteht. Marktaktivitäten deuten darauf hin, dass es in bestimmten Nutzergruppen und Märkten Interesse danach gibt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob die Infrastruktur diese Nachfrage verlässlich bedienen kann.

In einigen Märkten halten Nutzer, die ein solches Engagement suchen, bereits Stablecoins wie USDT und sind daran gewöhnt, Kapital on-chain zu bewegen. Wenn sie stattdessen klassische Prozesse durchlaufen müssen – Banküberweisungen, Broker-Onboarding, Kontoanforderungen und eingeschränkte Handelszeiten –, schafft dies zusätzliche operative Reibung. Diese Anforderungen erfüllen teilweise rechtliche, regulatorische und risikobezogene Zwecke. Zugleich sind sie Ausdruck einer Marktstruktur, die vor der Blockchain geschaffen wurde. Tokenisierte Aktien können eine zusätzliche Verbindung zwischen on-chain gehaltenem Kapital und Anlagewerten schaffen, die bislang nur über traditionelle, off-chain Finanzinfrastruktur zugänglich waren.

Infrastruktur statt Innovation

Damit Tokenisierung skaliert, ist die Struktur ebenso wichtig wie der Zugang. Ein belastbares Modell beruht auf einer 1:1-Unterlegung: Jeder Token repräsentiert eine tatsächlich gehaltene Aktie in regulierter Verwahrung, deren Bestand unabhängig überprüft wird. Anleger müssen nachvollziehen können, welcher Vermögenswert den Token deckt. Diese Transparenz ist kein Differenzierungsmerkmal, sondern eine Grundvoraussetzung.

Tokenisierte Aktien schaffen keine neuen Märkte. Broker oder andere Marktteilnehmer können die Produkte an Liquiditäts- und Preisbildungsplätze wie die NYSE oder Nasdaq anbinden. Preisfindung, Markttiefe und Marktintegrität dieser Handelsplätze bleiben erhalten. Was sich verändert, ist die Zugangsebene: Anleger können das Produkt über Blockchain-basierte Infrastruktur statt über eine klassische Brokeroberfläche nutzen – vorbehaltlich von Onboarding, Eignung, Produktverfügbarkeit und regulatorischen Anforderungen der jeweiligen Jurisdiktion.

Ziel ist es, die wirtschaftliche Referenz zum zugrunde liegenden Wertpapier zu erhalten. Gleichzeitig können tokenisierte Produkte andere rechtliche, operative und liquiditätsbezogene Merkmale aufweisen als die zugrunde liegende Aktie.

Erste Nutzungsdaten

Nach internen Bitget-Daten erreichte rToken in den ersten Wochen nach der Einführung ein verwaltetes Vermögen von rund 114 Mio. US-Dollar. Der Anteil täglich handelnder Nutzer stieg von rund 0.43 Prozent am Einführungstag auf in der Spitze 7.6 Prozent – etwa das 18-Fache des Ausgangsniveaus.

Fast 43 Prozent der Erstkäufer erhöhten ihre Position innerhalb von sieben Tagen. Über 68 Prozent führten am selben Tag wie ihr erster rToken-Kauf weitere Transaktionen auf der Plattform aus. Rund 65 Prozent der rToken-Aktivität entfielen auf die regulären Handelszeiten, jedoch über 87 Prozent auf Wochentage. Nutzer reagieren damit auf Unternehmenszahlen und Marktbewegungen und steuern ihr Engagement zeitnah.

Wall Street ohne «Walls»

Der Markt für Real-World Assets hat sich im ersten Halbjahr 2026 laut Branchenbeobachtungen nahezu verdreifacht. Bis 2030 könnten 10 Prozent der weltweiten Finanzanlagen on-chain abgebildet sein. Treiber wären weniger ein einzelner Technologiesprung als die breitere Nutzung, der Ausbau der Infrastruktur und regulatorische Klarheit.

Stablecoins sind bereits ein relevanter Teil der globalen Finanzinfrastruktur. Tokenisierte Geldmarktfonds wachsen in einzelnen Märkten und Produktkategorien, tokenisiertes Gold erreicht Rekordhandelsvolumen. Auch grosse Finanzinstitute bauen Blockchain-Infrastruktur auf oder prüfen deren Einsatz. Die Grenzen zwischen globalem Kapital und globalen Anlagechancen könnten damit schrittweise durchlässiger werden.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich allgemeinen Informationszwecken und stellt weder Anlage-, Rechts- noch Finanzberatung dar. Er ist weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder digitalen Vermögenswerten. Digitale Vermögenswerte sind volatil und nicht für alle Anleger geeignet. Historische Wertentwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.