Do.. Okt. 8th, 2026

Wer Bitcoin hält, kennt das Gefühl: Das Depot atmet. Mal 30 % nach oben, mal 40 % nach unten, und dazwischen die immer gleiche Frage – wann verkaufe ich, und wovon lebe ich bis dahin?

Genau an dieser Stelle wird eine Anlageklasse interessant, über die in Krypto-Kreisen erstaunlich selten gesprochen wird: Peer-to-Peer-Kredite. Keine Kursfantasie, kein Charttechnik-Drama. Stattdessen etwas, das Bitcoin per Design nicht kann – planbarer, monatlicher Zahlungsstrom.

Die litauische Plattform Finbee ist dafür ein gutes Anschauungsobjekt. Und sie ist ein gutes Beispiel dafür, warum man bei Renditeversprechen trotzdem zweimal hinschauen sollte.


Was Finbee eigentlich macht

Finbee ist ein Marktplatz. Auf der einen Seite Menschen und kleine Unternehmen in Litauen, die Geld brauchen. Auf der anderen Seite Anleger, die ab 5 Euro Anteile an einzelnen Krediten übernehmen. Der Kreditnehmer zahlt monatlich Zins und Tilgung, die Plattform verteilt das anteilig zurück.

Das Interessante daran ist nicht die Idee – die ist über zehn Jahre alt. Interessant sind die Rahmenbedingungen:

  • Durchschnittszins 2025: 14,5 % bei Konsumentenkrediten, 13 % bei Firmenkrediten
  • Reguliert: E-Geld-Institut-Lizenz, Aufsicht durch die Bank of Lithuania, Anlegergelder getrennt vom Firmenvermögen
  • Selektiv: Nach eigenen Angaben werden nur 7 von 100 Kreditanträgen angenommen
  • Skin in the game: Finbee investiert bei Konsumentenkrediten mindestens 12 % der Kreditsumme aus eigener Tasche mit
  • Staatliche Absicherung: Teile der Firmenkredite laufen über Garantien der staatlichen Invega

Für jemanden, der aus der DeFi-Welt kommt, ist besonders der letzte Punkt bemerkenswert. In DeFi ist „Skin in the game“ ein Marketingbegriff. Hier ist es eine Bilanzposition.


Der Reiz für Bitcoiner: Cashflow statt Kursgewinn

Bitcoin ist ein Sparkonto ohne Zinsen und ohne Gegenparteirisiko. P2P ist das exakte Gegenteil: laufende Zinsen, dafür volles Gegenparteirisiko.

Genau deshalb ergänzen sich die beiden besser, als es zunächst klingt.

Wer ausschließlich BTC hält, muss bei jedem Liquiditätsbedarf Coins verkaufen – oft zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt. Ein P2P-Portfolio wirft dagegen jeden Monat Geld ab, unabhängig vom Kurs. Diese Rückflüsse lassen sich verkonsumieren, reinvestieren – oder in roten Marktphasen genau dorthin schieben, wo man sonst hätte verkaufen müssen.

Der zweite Punkt: Korrelation. Ob ein litauischer Handwerker seine Kreditrate zahlt, hat nichts mit ETF-Zuflüssen, Halving-Zyklen oder der Fed zu tun. Diese Unabhängigkeit ist der eigentliche Wert – nicht die zweistellige Zahl im Werbebanner.


Die Rechnung, die alle anlockt – und was sie wirklich sagt

Finbee zeigt auf der Website einen Rechner. 200 € im Monat, 35 Jahre lang, 12 % Zins:

Eingezahlt insgesamt 84.000 €
Portfolio am Ende 1.299.054 €

Die Zahl stimmt mathematisch. Ich habe sie nachgerechnet – bei monatlicher Verzinsung und vorschüssiger Einzahlung kommt exakt dieser Wert heraus. Der Zinseszins ist kein Trick, er ist Arithmetik.

Aber: Diese Rechnung unterstellt 35 Jahre lang konstante 12 % netto, nach Ausfällen, nach Gebühren, nach Steuern, bei vollständiger Wiederanlage jedes einzelnen Cents. Das ist keine Prognose. Das ist eine Obergrenze unter Idealbedingungen.

Deshalb hier dieselbe Rechnung mit realistischeren Annahmen:

Nettorendite p. a. Portfolio nach 35 Jahren
12 % 1.299.054 €
10 % 765.655 €
8 % 461.835 €
6 % 286.367 €

Zwei Prozentpunkte weniger halbieren das Ergebnis fast. Und selbst die 1,3 Mio. € wären bei 2 % Inflation in heutiger Kaufkraft nur noch rund 650.000 € wert.

Missverstehen Sie das nicht: Auch 286.000 € aus 84.000 € Einzahlung sind ein hervorragendes Ergebnis. Nur ist es eben eine andere Geschichte als die im Werbebanner.


Wo die Risiken liegen – ehrlich benannt

Ein Punkt aus Finbees Selbstdarstellung verdient eine Einordnung: Die Plattform gibt an, 136 % der 2016 ausgefallenen Konsumentenkredite wieder eingetrieben zu haben. Über 100 % klingt magisch, ist aber erklärbar – Verzugszinsen und Inkassogebühren zählen mit. Und es ist eine Aussage über abgeschlossene, alte Jahrgänge, bei denen das Inkasso zehn Jahre Zeit hatte. Für einen Kredit, den Sie heute zeichnen, sagt das wenig.

Die tatsächlichen Risiken:

  • Ausfallrisiko. Ein D-Rating mit 21 % Zins bietet diese 21 % nicht aus Großzügigkeit. Der Aufschlag ist der Preis für Ausfallwahrscheinlichkeit.
  • Illiquidität. Laufzeiten von 12 bis 120 Monaten. Wer sein Geld schnell braucht, ist auf einen Zweitmarkt angewiesen – oft mit Abschlag.
  • Plattformrisiko. Die Regulierung schützt Ihr Geld vor der Insolvenz des Betreibers, nicht vor der Zahlungsunfähigkeit der Kreditnehmer.
  • Konzentration. Ein einziges Land, eine einzige Volkswirtschaft. Eine Rezession in Litauen trifft alle Kredite gleichzeitig.
  • Steuern. Zinserträge werden voll versteuert – während Kreditausfälle sich häufig nicht gegenrechnen lassen. Das drückt die Nettorendite spürbar.

Die wichtigste Regel lautet deshalb: breit streuen. Der Mindestbetrag von 5 € ist kein Gimmick, er ist das Werkzeug. 1.000 € auf 200 Kredite verteilt verhalten sich völlig anders als 1.000 € auf fünf.


Wie der Einstieg abläuft

  1. Registrieren – Konto anlegen, Identität verifizieren, Geld einzahlen
  2. Kredite auswählen – Bonitätsklasse A bis D, Laufzeit, Zins, Sicherheiten; Konsumenten- oder Firmenkredite
  3. Laufen lassen – monatliche Rückflüsse einsammeln und reinvestieren

Ein Blick in die aktuell gelisteten Kredite zeigt die Bandbreite: von 1.445 € über 12 Monate bei 8 % (Rating A) bis zu 20.094 € über 120 Monate bei 13 % (Rating B). Rating D liegt durchgehend bei 21 %.


Das Fazit

P2P-Lending ist kein Bitcoin-Ersatz. Es ist kein Weg zum schnellen Reichtum, und die Millionen-Zahl im Rechner sollte man als das lesen, was sie ist: ein Rechenbeispiel unter Idealannahmen.

Was es aber ist: eine der wenigen Möglichkeiten, ohne Kursrisiko und ohne Verkauf einen laufenden Zahlungsstrom aufzubauen – reguliert, transparent, ab fünf Euro testbar.

Für ein Portfolio, das ansonsten komplett an einem einzigen volatilen Asset hängt, kann das genau der fehlende Baustein sein. Mit kleinen Beträgen anfangen, ein paar Monate beobachten, dann entscheiden. Genau so, wie es die Plattform selbst empfiehlt.


Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Peer-to-Peer-Kredite sind mit dem Risiko des Totalverlusts verbunden. Alle Zahlen zu Zinssätzen, Rückgewinnungsquoten und Genehmigungsquoten stammen aus Angaben von Finbee (UAB „Finansų bitė“, Vilnius) und wurden nicht unabhängig geprüft. Die Beispielrechnungen wurden nachgerechnet und beruhen auf konstanten Annahmen, die in der Realität nicht eintreten werden.