Wer den Stablecoin-Markt allein an seiner Marktkapitalisierung misst, hat das erste Halbjahr 2026 verpasst. Rund 300 Milliarden US-Dollar, seit Jahresbeginn praktisch unverändert – nach Wachstumsraten von 58 Prozent (2024) und 49 Prozent (2025) liest sich das wie Stagnation.
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Frage, ob digitale Dollars funktionieren, ist beantwortet. Die offenen Fragen lauten jetzt: Wer gibt sie aus? Wer verdient an ihnen? Und nach welchen Regeln? Genau diese Verschiebung – von der Wachstumsstory zur Machtfrage – ist das Thema des neuen Teroxx Research Reports. Fünf Gründe, warum sich die Lektüre lohnt.
1. Die wichtigste Kennzahl ist nicht die Marktkapitalisierung
Der Report macht eine Unterscheidung stark, die in der öffentlichen Debatte fast vollständig fehlt: die zwischen Bestand und Umschlag. Während das ausstehende Volumen konsolidiert, hat sich das monatliche On-Chain-Transaktionsvolumen wiederholt im Bereich von 8 bis 10 Billionen US-Dollar bewegt.
Besonders deutlich wird die Divergenz bei USDC: Der Umlauf wuchs im zweiten Quartal 2026 um 19 Prozent gegenüber Vorjahr – das On-Chain-Volumen um 151 Prozent. Dieselben Dollars werden also erheblich häufiger bewegt.
Das ist mehr als eine statistische Feinheit. Es verändert, wie gross der Markt überhaupt sein muss, um eine gegebene Zahlungsleistung zu erbringen – und damit die Grundlage jeder Marktprognose. Wer Stablecoins bewertet, sollte diese Logik verstanden haben.
2. Open USD: der Angriff auf die profitabelste Stelle des Geschäftsmodells
Die folgenreichste Entwicklung des Jahres war keine Kursbewegung, sondern eine Architekturentscheidung. Ende Juni 2026 kündigte das neu gegründete Unternehmen Open Standard mit Open USD einen Dollar-Stablecoin an, hinter dem sich über 140 Institutionen versammeln – von Visa, Mastercard und Stripe über BlackRock und BNY bis zu Google, Shopify und Coinbase.
Der entscheidende Punkt ist nicht die Grösse der Koalition, sondern ihr Ökonomie-Modell: Die Reserveerträge – bislang die stille Haupteinnahmequelle jedes Emittenten – sollen weitgehend an die verteilenden Partner fliessen statt beim Herausgeber zu verbleiben. Governance liegt bei einem Partnergremium, näher an der Funktionsweise etablierter Interbanken-Schienen wie ACH oder SWIFT als an einem Einzelunternehmen.
Der Markt hat die Botschaft sofort verstanden: Die Circle-Aktie verlor am Ankündigungstag intraday rund 16 bis 18 Prozent. Der Report ordnet diese Reaktion nüchtern ein – die «Circle-Killer»-Schlagzeilen hält Teroxx Research überwiegend für Lärm, solange zentrale Fragen zu Emittent, Reservemanager und Ertragsaufteilung ungeklärt sind. Die strategische Stossrichtung bleibt dennoch unmissverständlich.
3. Zwei Emittenten, zwei völlig unterschiedliche Risikoprofile
Circle und Tether decken zusammen den grössten Teil des Marktes ab – und stehen doch für gegensätzliche Modelle. Der Report arbeitet beide sauber heraus, inklusive der Details, die in Quartalsmeldungen gerne untergehen.
Bei Circle stehen solide Volumenzahlen einem strukturellen Druckpunkt gegenüber: Die Reserverendite fiel um 66 Basispunkte auf 3,48 Prozent – in einem Zinssenkungszyklus die eigentliche Achillesferse eines Treasury-basierten Geschäftsmodells. Gleichzeitig baut das Unternehmen konsequent um: föderale Trust-Bank-Lizenz durch das OCC, Mainnet-Start der eigenen Layer-1-Chain Arc im September mit einer Validator-Kohorte, die BlackRock, DTCC, Visa, Mastercard, ICE und Standard Chartered umfasst, dazu ein wachsendes Zahlungsnetzwerk. Aus dem Emittenten wird eine Plattform.
Bei Tether liefert der Report die vielleicht lehrreichste Analyse des gesamten Dokuments – das Puffer-Paradox: rund 1,5 Milliarden US-Dollar operativer Gewinn im Quartal, bei gleichzeitig fast halbiertem Überschussreserve-Polster (von 8,23 auf 4,11 Milliarden). Die Auflösung liegt in der Differenz zwischen operativem und umfassendem Ergebnis, denn Gold- und Bitcoin-Positionen verloren im Quartal jeweils über zehn Prozent an Wert. Die daraus abgeleitete Faustregel ist praxistauglich: Die operative Zeile zeigt, wie Tether verdient – die umfassende Zeile zeigt, was mit dem Polster hinter dem Token tatsächlich passiert ist.
4. Europa reguliert bereits, Washington hängt fest
Während die USA über die Marktstruktur streiten, ist die EU von der Gesetzgebung in die Durchsetzung übergegangen – mit unmittelbar sichtbaren Wettbewerbsfolgen. Seit dem Ende der MiCA-Übergangsfrist am 1. Juli 2026 dürfen lizenzierte europäische Anbieter USDT nicht mehr anbieten, weil Tether auf eine EMT-Zulassung verzichtet hat. Circle hatte sich bereits 2024 über eine französische E-Geld-Lizenz positioniert – mit dem Ergebnis, dass USDC und EURC auf regulierten EU-Plattformen faktisch alternativlos geworden sind. Ein Compliance-Vorsprung, der sich in Marktanteil übersetzt hat.
In den USA dagegen erreichte der CLARITY Act die Sommerpause ohne Abstimmung im Senat. Der Report benennt präzise, woran es hängt – allen voran an der Frage, ob und wer Nutzern Erträge auf Stablecoin-Guthaben zahlen darf. Diese eine ungelöste Frage berührt unmittelbar die Ökonomie der Konsortialmodelle und damit das gesamte Wettbewerbsgefüge. Entwarnung gibt es dennoch: Da der GENIUS Act für Zahlungs-Stablecoins bereits gilt, ist die Verzögerung ein Timing-, kein Existenzrisiko.
5. Vom Krypto-Asset zur Zahlungsinfrastruktur
Der Beleg für die eigentliche Reifung liegt in den Zahlungsdaten. 2025 lag das Stablecoin-Transfervolumen bei rund 33 Billionen US-Dollar; bereinigt um Bot-Aktivität, MEV und DeFi-Routing bleiben etwa 390 Milliarden als echtes Zahlungsvolumen – mit einer Verdopplungstendenz. B2B-Zahlungen wuchsen um über 730 Prozent auf rund 226 Milliarden.
Zum Vergleich: Same Day ACH, das am ehesten vergleichbare US-Segment, verarbeitete 2025 rund 3,92 Billionen. Diese Grössenordnung rückt in Reichweite. Bei Auslandsüberweisungen ist der Kostenunterschied ohnehin frappierend – rund 6,5 Prozent durchschnittliche Gebühren im traditionellen System gegenüber Bruchteilen eines Cents auf Netzwerken wie Tron oder Polygon.
Wie unterschiedlich die Marktteilnehmer daraus die Zukunft ableiten, zeigt die Prognosespanne im Report: von 500 bis 600 Milliarden bis 2028 (JPMorgan) über 2 Billionen bis 2028 (Standard Chartered) bis zu 1,9 Billionen bis 2030 im Basisfall und 4 Billionen im Bullenfall (Citi). Der Report erklärt, warum diese Spannweite kein Widerspruch, sondern eine echte analytische Debatte über Umlaufgeschwindigkeit ist.
Für wen der Report geschrieben ist
- Treasury- und Finanzverantwortliche, die prüfen, ob Stablecoins für Zahlungsflüsse und Liquiditätsmanagement infrage kommen – und wissen müssen, welches Emittentenrisiko sie dabei eingehen.
- Zahlungsdienstleister, Banken und Fintechs, für die sich mit dem Konsortialmodell die Frage stellt, ob sie Distributionspartner bleiben oder an der Reserveökonomie beteiligt sein wollen.
- Institutionelle Investoren, die CRCL bewerten oder Exposure gegenüber dem Sektor kalibrieren.
- Compliance- und Regulatorik-Teams, insbesondere in Europa, wo MiCA bereits Fakten geschaffen hat.
Was den Report auszeichnet
Die Analyse stützt sich auf Daten von DefiLlama, Artemis Analytics, Token Terminal und Visa Onchain Analytics sowie auf die Originalveröffentlichungen der Emittenten. Wo Teroxx Research eine eigene Einschätzung abgibt, ist sie als solche gekennzeichnet und nicht als Konsens getarnt. Und wo Fragen offen sind – die Ausgestaltung von Open USD, der Ausgang der Gesetzgebung – benennt der Report sie als offen, statt sie zu übertönen.
Die eigentliche Botschaft
Stablecoins haben die Schwelle vom krypto-nativen Abwicklungsinstrument zur umkämpften globalen Zahlungsinfrastruktur überschritten. Wer die nächste Phase gewinnt, entscheidet sich weniger am Marktanteil einzelner Token als an der Kontrolle über Distribution, Governance und Reserveökonomie – und an der regulatorischen Linie, die derzeit in Washington gezogen wird.
Ein flaches Chart ist in diesem Fall kein Zeichen von Stillstand. Es ist die Ruhe vor der Neuverteilung.
Der Teroxx Stablecoin Report «The State of Stablecoins Mid-Year 2026» (Teroxx Stablecoin Report H1 2026 – EN-1) wurde von Teroxx Research verfasst (Lead Author: Leonardo Larieira, Market Analyst; Co-Author: Jannick Broering, Head of Research and Investment Advisory) und im August 2026 veröffentlicht.
Hinweis: Der Report ist eine Marketingmitteilung im Sinne der MiCA-Verordnung und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Investitionen in Krypto-Assets sind hochspekulativ und mit dem Risiko eines Totalverlusts verbunden.







