Sa.. Okt. 10th, 2026

Während der breite Krypto- und Web3-Markt schrumpft, ist die Zahl der Bitcoin-spezifischen Stellenausschreibungen 2025 leicht gewachsen. Die interessantere Geschichte steckt aber nicht im Wachstum, sondern in der Zusammensetzung des Marktes: Bitcoin stellt inzwischen überwiegend Nicht-Entwickler ein.

Die Zahlen: Wachstum gegen den Zyklus

Die Datengrundlage für diesen Beitrag ist der Annual Bitcoin Job Market Report 2025 von Bitvocation – eine manuell kuratierte Datenbank, die 2025 insgesamt 1.801 einzelne Bitcoin-Stellenanzeigen von 207 Arbeitgebern erfasst hat. Gegenüber 2024 (1.707 Anzeigen) entspricht das einem Plus von rund 6 %.

Das klingt unspektakulär – und ist es im Vergleich zu Bullenmarkt-Jahren auch. Bemerkenswert ist die Zahl vor allem im Kontrast: Der breitere Krypto- und Web3-Arbeitsmarkt hat im selben Zeitraum deutlich Federn gelassen. Bitcoin-Infrastruktur folgt offenbar einer anderen Logik als Token-getriebene Projekte. Mining-Kapazität, Custody-Lösungen, Lightning-Zahlungsinfrastruktur und regulatorische Compliance werden auch dann weitergebaut, wenn die Spekulationsstimmung dreht.

Ein wichtiger Vorbehalt vorweg: Der Datensatz ist kuratiert, nicht vollständig. Er bildet ab, was Bitvocation als „Bitcoin-Job“ klassifiziert und erfasst hat – nicht den gesamten Markt. Wachstumsraten aus einer solchen Quelle sagen immer auch etwas über die Erfassungsmethodik aus. Die Größenordnungen sind trotzdem aussagekräftig, absolute Präzision sollte man ihnen nicht unterstellen.

Zwei Märkte, zwei Strukturen

Der Report unterscheidet sinnvoll zwischen zwei Segmenten:

Bitcoin-only-Unternehmen – Firmen, deren Produkt und Mission ausschließlich Bitcoin sind: Mining, Lightning, Self-Custody, Bitcoin-Finanzdienstleistungen. Dieses Segment stellte 2025 rund 47 % aller erfassten Stellen (2024: 42 %). 154 Bitcoin-only-Unternehmen haben eingestellt, im Schnitt sechs Positionen pro Firma.

Bitcoin-adjacent-Unternehmen – Börsen, Broker, Infrastrukturanbieter, bei denen Bitcoin ein zentrales, aber nicht das einzige Produkt ist. Hier ist die Verteilung deutlich schiefer: 54 Unternehmen, aber die Top 10 vereinen 85 % der Stellen auf sich. Allein BitDeer schrieb 307 Positionen aus – etwa ein Drittel des gesamten adjacent-Segments.

Diese Strukturdifferenz ist für Bewerber praktisch relevant. Im Bitcoin-only-Segment ist die Nachfrage breit verteilt – Riot Platforms als größter Arbeitgeber kommt auf nur etwa 17 % der Segmentstellen. Wer dort sucht, muss viele kleine Türen finden. Im adjacent-Segment reichen wenige, dafür sehr große Türen: Kraken, BitDeer, Core Scientific, SatoshiLabs, Xapo Bank, Bitcoin Suisse.

Der eigentliche Befund: 74 % der Stellen brauchen keinen Code

Der hartnäckigste Mythos über Bitcoin-Karrieren ist, dass man programmieren können muss. 2025 waren 74 % aller ausgeschriebenen Bitcoin-Stellen Nicht-Entwicklerrollen – nach 69 % im Vorjahr.

Das ist kein Zufall, sondern ein Reifezeichen. Unternehmen, die aus der Startup-Phase herauswachsen, brauchen andere Leute: Menschen, die Prozesse bauen, Bücher führen, Produkte positionieren und mit Regulierern sprechen.

Am gefragtesten unter den Nicht-Entwicklerrollen war der Product Manager – der meistausgeschriebene Nicht-Dev-Titel überhaupt. Die deutlichsten Wachstumssignale kommen allerdings von woanders:

  • Executive Assistants: drei- bis vierfaches Wachstum
  • Director-Level-Rollen im operativen Bereich: rund zehnfaches Wachstum
  • Senior Accountants: wachsend, ein klares Zeichen für professionalisierte Finanzfunktionen
  • Marketing Manager, Product Marketing Manager: wachsend
  • Social Media Manager, Account Manager: stabil

Wer diese Liste liest, erkennt das Muster: Das sind keine Krypto-Jobs. Das sind ganz normale Unternehmensfunktionen – in Unternehmen, die zufällig Bitcoin bauen.

Auf der technischen Seite bleibt die Nachfrage bestehen, verschiebt sich aber. Senior Software Engineer ist der stärkste Einzeltitel, Frontend- und Full-Stack-Rollen wachsen. Rückläufig sind ausgerechnet DevOps Engineers und Senior Backend Engineers – der Report vermutet hier einen Effekt zunehmender KI-Werkzeuge. Das ist eine Hypothese, keine belegte Kausalität, aber sie deckt sich mit dem, was man derzeit branchenübergreifend beobachtet.

Nach Senioritätsstufen verteilen sich die Stellen so: Mid-Level 40 %, Senior 20 %, Manager 19 %, Entry-Level 12 %, Leadership 9 %. Für Berufseinsteiger ist das die unbequemste Zahl im ganzen Report: Der Markt sucht Erfahrung, nicht Enthusiasmus.

Geografie: USA dominant, Singapur springt, Schweiz bricht ein

Die USA sind mit 309 Bitcoin-only-Stellen mit deutlichem Abstand der größte Markt. Auf Platz zwei folgt Singapur mit einem Zuwachs von 158 % – getrieben vor allem durch die Expansion von BitDeer.

Für die Schweiz heftige News: Die Schweiz verzeichnet einen Rückgang von rund 70 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist ein scharfer Einbruch für einen Standort, der sich lange als „Crypto Valley“ positioniert hat. Der Report liefert dazu keine Erklärung, und es lohnt sich, hier nicht vorschnell zu interpretieren – ein einzelner Jahresvergleich in einem kuratierten Datensatz kann auch schlicht bedeuten, dass ein oder zwei große Arbeitgeber ihre Einstellungszyklen verschoben haben. Bitcoin Suisse und das umliegende Zuger Ökosystem existieren weiterhin.

Stabil bleibt Tschechien, wo mit SatoshiLabs (Hersteller der Trezor-Hardware-Wallets) ein einzelner großer Arbeitgeber den Markt trägt sowie Gibraltar. Als aufkommende Standorte nennt der Report El Salvador, Brasilien und Bhutan – letzteres wegen staatlicher Mining-Programme.

Remote bleibt ein zentrales Merkmal: 45 % aller Bitcoin-Stellen wurden 2025 mit Remote-Option ausgeschrieben, bei Bitcoin-only-Unternehmen sogar 56 %. Für Bewerber außerhalb der Hubs ist das der eigentliche Marktzugang.

Vergütung

Die Gehälter im Bitcoin- und Blockchain-Bereich sind 2025 global um etwa 18 % gestiegen. Die im Report zusammengetragenen Spannen (überwiegend US-Zahlen, aus Glassdoor, Built In, CryptoRecruit und ZipRecruiter):

Rolle Spanne (USD)
Blockchain Developer (US-Durchschnitt) 138.000 – 140.000
Senior / Staff Engineer 175.000 – 235.000
Smart Contract Auditor 150.000 – 250.000+
Protocol / Core Engineer 200.000+
Product Manager 110.000 – 160.000
Compliance / Legal (Nordamerika) 120.000 – 200.000+
Globaler Web3-Durchschnitt (alle Rollen) 83.904

Die Lücke zwischen dem US-Wert und dem globalen Durchschnitt von knapp 84.000 USD ist der entscheidende Kontext: Der globale Schnitt enthält Schwellenmärkte, und Remote-Arbeit bedeutet in der Praxis oft standortbezogene Gehaltsbänder.

Zusatzhinweis, der in der Praxis unterschätzt wird: Viele Bitcoin-native Firmen ergänzen das Grundgehalt durch Bitcoin-denominierte Vergütung. Wer ein solches Angebot bewertet, sollte Vesting-Zeitpläne, Lock-up-Bedingungen und die Finanzierungsreichweite des Unternehmens genauso ernst nehmen wie die Zahl vor dem Komma.

Was Arbeitgeber tatsächlich suchen

Bitvocation hat Bitcoin-Arbeitgeber 2025 direkt befragt. Der zentrale Befund: Es fehlt nicht an Bewerbern. Es fehlt an Bewerbern, die berufliche Kompetenz mit echter Bitcoin-Überzeugung verbinden.

Vier Prioritäten kristallisieren sich heraus:

  • Bitcoin-Überzeugung. Arbeitgeber screenen auf Werte-Alignment – und zwar auf eine Art, die sich im Interview schlecht simulieren lässt, weil sie aus Monaten aktiver Ökosystem-Teilnahme resultiert.
  • Proof of Work. Open-Source-Beiträge, veröffentlichte Texte, Konferenzpräsenz, sichtbare Community-Arbeit zählen mehr als Zertifikate allein.
  • Agency. Gesucht werden „Swiss Army Knife“-Profile: Menschen, die funktionsübergreifend arbeiten, in unklaren Situationen liefern und Verantwortung übernehmen, ohne auf ein Playbook zu warten.
  • KI-Kompetenz. Das ist die auffälligste Verschiebung im gesamten Report. Der Anteil der Bitcoin- und Krypto-Stellenanzeigen, die KI-Skills erwähnen, stieg von 23 % Anfang 2025 auf 53,1 % im März 2026 (Tiger Research, unter Berufung auf den CryptoJobsList Web3 Workforce Report). Innerhalb eines Jahres ist KI-Werkzeugkompetenz von einem Differenzierungsmerkmal zur Grundvoraussetzung geworden – auch in nicht-technischen Rollen.

Interessant für Quereinsteiger: Über die Hälfte der Neueinsteiger in die Bitcoin-Branche kam 2025 aus traditioneller Finanzwirtschaft, Recht, Produktmanagement oder Software – nicht aus krypto-nativen Hintergründen. Fachtiefe aus einer anderen Branche, angewendet durch eine Bitcoin-Linse, ist offenbar wertvoller als generische Krypto-Erfahrung.

Gefragte Skills im Überblick

Technisch: Rust wächst marktweit schneller als Solidity. Lightning-Network-Kompetenz ist knapp und wird entsprechend bepreist. Bitcoin-Core- und L2-Entwicklung haben die höchste Einstiegshürde und die höchste Belohnung. Kryptografie-Grundlagen sind für jede technische Rolle Pflicht. ZK-Proof-Engineering gehört zu den knappsten und bestbezahlten Spezialisierungen. Python, Go und C++ dominieren Mining- und Infrastruktur-Engineering.

Nicht-technisch: Regulatorisches Wissen ist der klarste Wachstumstreiber – Compliance-Rollen legten global um über 35 % zu, getrieben von MiCA (CASP-Lizenzpflicht seit 30. Dezember 2024) und dem US-amerikanischen GENIUS Act (unterzeichnet am 18. Juli 2025). Dazu kommen TradFi-Erfahrung in Kombination mit Bitcoin-Kenntnissen, Produktmanagement, Operations und Finance sowie Content und Kommunikation – letzteres besonders für die Vermittlung an institutionelle Zielgruppen.

Der Dämpfer: Q1 2026

Zum Schluss die Zahl, die man nicht überlesen sollte. Das Quartals-Update für Q1 2026 zählt 431 Stellen bei 77 Unternehmen – ein Rückgang von 10 % gegenüber Q1 2025.

Ein Quartal ist kein Trend, und Q1 ist saisonal ohnehin schwach. Aber es relativiert die Wachstumsgeschichte des Jahresberichts. Wer 2026 in Bitcoin einsteigen will, sollte nicht mit einem expandierenden Markt rechnen, sondern mit einem stabilen, selektiven Markt, der auf Erfahrung, sichtbare Beiträge und Werte-Alignment optimiert.

Die praktische Konsequenz formuliert der Report selbst ziemlich treffend: Massenbewerbungen funktionieren in diesem Markt nicht. Gelegenheiten entstehen in Beziehungen – über Beiträge, Sichtbarkeit und offenes Bauen im Ökosystem.


Quellenhinweis

Die Daten stammen aus dem Career Intelligence Report 2025–2026 der Hesperides University (PDF), der wiederum auf dem Bitvocation Annual Bitcoin Job Market Report 2025, dem Bitvocation Q1-2026-Update, Tiger Research H1 2026, dem Gate/BeInCrypto Employment-Trends-Whitepaper Q1 2026 sowie Gehaltsdaten von Glassdoor, Built In und CryptoRecruit aufbaut. Transparenzhinweis: Der zusammenfassende Report ist von der Hesperides University als Informationsmaterial für ihren Master in Bitcoin veröffentlicht worden. Die zugrunde liegenden Primärquellen sind davon unabhängig und öffentlich einsehbar.

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch