Wer schon einmal mit leerem Akku, wackeligem WLAN und ohne freien Sitzplatz vor einem überfüllten Gate gestanden hat, kennt die Rechnung: Entweder man zahlt den vollen Tarif am Lounge-Tresen, oder man leistet sich eine Jahresmitgliedschaft, die sich erst ab einer gewissen Zahl von Reisen lohnt. Wise bietet seit April 2026 einen dritten Weg an – Lounge-Pässe, die direkt in der App gekauft werden.
Was neu ist

Kundinnen und Kunden mit aktiver Wise-Karte können Einzelpässe für Flughafen-Lounges erwerben, ohne den Anbieter zu wechseln oder eine separate Mitgliedschaft abzuschliessen. Bezahlt wird aus dem bestehenden Wise-Guthaben, der Zugang läuft anschliessend über einen QR-Code im Handy.
Das Netzwerk umfasst nach Angaben von Wise mehr als 1’400 Lounges an über 700 Flughäfen weltweit. Wise gibt an, dass der Kauf über die App im Durchschnitt günstiger ausfalle als der Walk-in-Preis direkt am Lounge-Eingang; als Beleg verweist das Unternehmen auf einen eigenen Preisvergleich.
Der eigentliche Vorteil: keine Festlegung im Voraus
Interessanter als der Preis ist für viele Reisende wohl die Flexibilität. Ein gekaufter Pass ist zwölf Monate gültig und muss nicht auf einen bestimmten Flughafen, ein bestimmtes Datum oder eine bestimmte Uhrzeit gebucht werden. Man kauft also im Grunde ein Guthaben für einen Lounge-Besuch – und entscheidet erst am Reisetag, ob und wo man es einlöst.
Das ändert die Logik gegenüber klassischen Programmen: Wer zwei- oder dreimal im Jahr fliegt, muss nicht mehr vorab abschätzen, ob sich ein Jahresabo rechnet. Und wer zu mehreren unterwegs ist, kann mehrere Eintritte in einem Vorgang kaufen, statt jede Begleitperson separat am Empfang anzumelden.
So läuft der Kauf ab
- In der Wise-App einloggen und im Tab Karten den Bereich Reise-Infos öffnen.
- Die gewünschte Anzahl Pässe mit dem vorhandenen Wise-Guthaben bezahlen.
- Am Flughafen den QR-Code des Passes an der teilnehmenden Lounge vorzeigen.
Mehr braucht es nicht – kein separates Konto, keine Kreditkarte, kein Papierbeleg.
Was man im Blick behalten sollte
Ein paar Punkte bleiben in der Ankündigung offen und lohnen einen Blick, bevor man kauft:
- Voraussetzung ist eine aktive Wise-Karte. Ein reines Wise-Konto ohne Karte genügt nicht.
- Die Ersparnis ist ein Durchschnittswert. An Flughäfen mit ohnehin günstigen Walk-in-Tarifen kann der Vorteil klein ausfallen oder ganz verschwinden. Ein kurzer Vergleich vor Ort schadet nicht.
- Verfügbarkeit und Konditionen unterscheiden sich je nach Region. Wise verweist hier auf die eigenen Nutzungsbedingungen und die Gebührenseite.
- Ein Pass ist keine Platzgarantie. Lounges können auch bei gültigem Zugang wegen Überfüllung abweisen – das gilt für dieses Angebot ebenso wie für Kreditkarten-Programme.
Einordnung
Der Schritt passt zu einer Entwicklung, die man bei Finanz-Apps seit Längerem beobachtet: Sie hören nicht beim Bezahlen auf, sondern besetzen nach und nach die Nebenschauplätze einer Reise. Für Wise, dessen Kernversprechen der Devisenmittelkurs und das Halten von über 40 Währungen ist, sind Lounge-Pässe eine naheliegende Ergänzung – dieselbe Zielgruppe, derselbe Moment.
Ob das Angebot im Einzelfall günstiger ist als eine Reisekreditkarte mit inkludierten Besuchen, hängt vom Reiseverhalten ab. Für Gelegenheitsreisende, die pro Jahr eine Handvoll Flüge haben und keine Lust auf ein weiteres Abo, dürfte die Rechnung aber aufgehen.





