Die meisten Menschen kennen nur zwei Rollen im Kreditgeschäft: Man nimmt einen Kredit auf – oder man nimmt keinen auf. Die dritte Rolle, die des Kreditgebers, war jahrzehntelang Banken vorbehalten.
Peer-to-Peer-Lending hat das geändert. Auf Plattformen wie FinBee leihen Privatpersonen anderen Privatpersonen und kleinen Unternehmen Geld – und kassieren die Zinsen, die sonst die Bank einstreichen würde. Der Einstieg kostet fünf Euro.
Hier ist, wie das konkret funktioniert, was realistisch dabei herausspringt und wo die Fallstricke liegen.
Wer ist FinBee?
FinBee wurde 2015 in Vilnius gegründet und ist heute eine der etabliertesten P2P-Plattformen Litauens. Das Geschäft läuft über drei Gesellschaften: die UAB „Finansų bitė“ für Konsumkredite, die UAB „Finansų bitė verslui“ für Unternehmensfinanzierungen und die UAB „Elektroninių pinigų bitė“ als E-Geld-Institut, das die Zahlungsströme abwickelt.
Anfang 2026 ist die Tesonet-Gruppe – dasselbe litauische Technologiehaus, aus dem NordVPN hervorgegangen ist – bei der Holdinggesellschaft eingestiegen. Für eine Plattform, bei der Anleger auf jahrelange Laufzeiten setzen, ist ein solventer Gesellschafter im Rücken kein unwichtiges Detail.
Reguliert – und was das bedeutet
FinBee steht unter Aufsicht der Bank von Litauen, der litauischen Zentral- und Finanzaufsichtsbehörde. Die Gesellschaften sind in den offiziellen Registern der Behörde eingetragen: als Konsumkreditgeber und P2P-Plattformbetreiber, als Crowdfunding-Plattformbetreiber und als E-Geld-Institut. Die Geschäftstätigkeit fällt zudem unter die EU-Crowdfunding-Verordnung (ECSPR), die europaweit einheitliche Standards für Transparenz, Risikoaufklärung und Anlegerschutz vorschreibt.
Kundengelder werden auf getrennten Konten gehalten, sind also nicht Teil des Betriebsvermögens der Plattform.
Wichtig für die Einordnung: Regulierung heisst Aufsicht über den Betreiber – nicht Absicherung Ihres Kapitals. Es gibt hier keine Einlagensicherung wie beim Sparkonto. Zahlt ein Kreditnehmer nicht zurück, ist das Ihr Verlust, nicht der von FinBee.
So läuft eine Investition ab
1. Konto eröffnen und Geld einzahlen. Die Registrierung ist kostenlos, es gibt keine Kontoführungsgebühr.
2. Kredite auswählen – manuell oder automatisch. Sie können jedes Kreditgesuch einzeln prüfen: Bonitätsklasse, Zinssatz, Laufzeit, Verwendungszweck. Wer das nicht jedes Mal machen will, stellt den Auto-Invest ein und legt Kriterien fest – ab dann werden freie Mittel automatisch verteilt.
3. Ab 5 Euro pro Kredit. Das ist der eigentliche Hebel. Mit 500 Euro streuen Sie über hundert verschiedene Kredite. Fällt einer aus, kostet Sie das ein Prozent Ihres Portfolios statt einem Drittel.
4. Monatliche Rückzahlungen. Konsumkredite werden annuitätisch getilgt: Jeden Monat fliesst Zins und ein Stück Kapital zurück. Dieses Geld können Sie erneut anlegen – hier entsteht der Zinseszinseffekt.
5. Zweitmarkt. Brauchen Sie vorzeitig Liquidität, können Sie Kreditanteile an andere Anleger verkaufen. Zum selbst gewählten Preis – wobei kein Käufer garantiert ist.
Bei Unternehmenskrediten kommt in der Regel eine persönliche Bürgschaft des Hauptgesellschafters hinzu. Fällt die Firma aus, wird auch beim Bürgen vollstreckt.
Was springt realistisch dabei heraus?
Die durchschnittlichen Zinssätze lagen zuletzt bei rund 16 % für Konsumkredite und rund 14 % für Unternehmenskredite. Das sind die Bruttozinsen – nicht Ihre Rendite.
Der Unterschied ist entscheidend. Von diesen Zinsen gehen Ausfälle ab. FinBee weist im Quartalsbericht Q1 2026 einen Anteil zahlungsunfähiger Kunden von 11,6 % aus – nach eigenen Angaben der beste Wert unter den litauischen P2P-Plattformen, aber eben kein kleiner. Nach Ausfällen, Beitreibung und Steuern landen erfahrene Anleger typischerweise im niedrigen bis mittleren zweistelligen Bereich.
Das ist immer noch attraktiv. Es ist nur nicht 16 %.
Der Rechner auf der Website – richtig gelesen
FinBees Rechner zeigt ein verlockendes Bild: 200 Euro monatlich, 35 Jahre, 12 % Zins – Endkapital rund 1,3 Millionen Euro bei 84.000 Euro eingezahltem Kapital.
Die Mathematik stimmt. Die Annahmen sind der Punkt: 12 % müssten netto nach allen Ausfällen anfallen, 35 Jahre lang, ohne dass Kapital ungenutzt herumliegt, ohne dass die Plattform ihr Modell ändert, ohne Steuerabzug. Kein einziger Anleger hat bisher 35 Jahre P2P-Historie – die Anlageklasse ist keine zwanzig Jahre alt.
Nehmen Sie den Rechner als Illustration dessen, was Zinseszins über lange Zeiträume anrichtet. Nicht als Prognose. FinBee schreibt das selbst so in den Disclaimer.
Freunde einladen: 1 % für Sie, 1,5 % für den Freund
Das Empfehlungsprogramm ist unkompliziert:
- Sie teilen Ihren persönlichen Code oder Link aus dem Kontobereich.
- Ihr Freund registriert sich damit und investiert mindestens 5 Euro.
- Von allem, was er in den ersten 60 Tagen nach Registrierung anlegt, erhalten Sie 1 % als Bonus – und er selbst 1,5 %.
Die Zahl der Einladungen ist nicht begrenzt, der Bonus der Höhe nach ebenfalls nicht. Bei 2.000 Euro Ersteinlage des Freundes sind das 20 Euro für Sie und 30 Euro für ihn.
Fair bleibt: Empfehlen Sie nur Leuten, die verstehen, worauf sie sich einlassen. Ein Bonus von 30 Euro tröstet niemanden über einen Ausfall hinweg, den er nicht kommen sah.
Die Risiken – ohne Beschönigung
- Kreditausfall. Konsumkredite sind unbesichert. Zahlt der Kreditnehmer nicht, folgt Inkasso und Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang.
- Konzentration auf einen Markt. Das gesamte Portfolio hängt an der litauischen Wirtschaft und an litauischen Haushalten. Eine Rezession dort trifft alle Ihre Kredite gleichzeitig.
- Ein einziger Kreditgeber. Anders als bei Marktplatzmodellen mit vielen Originatoren hängt alles an FinBees eigener Kreditprüfung. Gut, solange sie gut ist.
- Illiquidität. Der Zweitmarkt funktioniert, garantiert aber keinen Käufer und keinen Preis.
- Regulatorische Änderungen. Litauen hat die Konsumkreditregeln in den letzten Jahren mehrfach verschärft. Weitere Eingriffe sind möglich.
Für wen ist das etwas?
Sinnvoll als kleiner, beigemischter Teil eines breiteren Portfolios – von Anlegern, die zweistellige Renditechancen wollen und dafür akzeptieren, dass ein Teil des Kapitals ausfallen kann.
Nicht geeignet für den Notgroschen, nicht für Geld, das in zwei Jahren fest verplant ist, und nicht als Ersatz für ein diversifiziertes Wertpapierdepot.
So fangen Sie an
Der vernünftige Einstieg ist klein. Registrieren, 100 bis 200 Euro einzahlen, über möglichst viele Kredite streuen, drei bis sechs Monate beobachten, wie Rückzahlungen und Verzüge tatsächlich laufen. Danach entscheiden Sie mit echten Daten statt mit einem Rechnerergebnis.
FinBee selbst empfiehlt genau das: mit kleinen Beträgen beginnen und erst dann aufstocken, wenn man das Modell verstanden hat. Ein Rat, den man von einer Plattform selten so klar hört – und der genau deshalb zählt.
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Investitionen in P2P-Kredite können zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Ergebnisse sind kein Indikator für künftige Entwicklungen. Prüfen Sie vor einer Anlage die Risikoinformationen der Plattform und ziehen Sie bei Bedarf unabhängige Beratung hinzu. Erträge sind in Ihrem Steuerwohnsitzland steuerpflichtig.
Offenlegung: Dieser Beitrag enthält einen Empfehlungslink. Bei einer Registrierung darüber erhalte ich einen Bonus – für Sie entstehen keine Mehrkosten.






