Di.. Sep. 15th, 2026

Sie soll so gross werden wie eine Kleinstadt und Chips für Autos, Roboter und Satelliten produzieren: Mit dem Projekt «Terafab» wollen Tesla und SpaceX die Halbleiterindustrie auf den Kopf stellen. Was steckt dahinter – und warum ist nicht jeder begeistert?

Die Idee: alles unter einem Dach

Am 21. März 2026 stand Elon Musk in einem stillgelegten Kraftwerk in Austin, Texas, und kündigte ein Projekt an, das er selbst als Schritt hin zu einer «galaktischen Zivilisation» bezeichnete: Terafab.

Gemeint ist eine gigantische Chipfabrik, die Tesla, SpaceX und der Chiphersteller Intel gemeinsam entwickeln. Das Besondere daran ist nicht nur die Grösse, sondern das Prinzip: Normalerweise ist die Chipherstellung über viele Firmen und Länder verteilt. Der eine entwirft den Chip, der nächste fertigt ihn, ein dritter baut die Speicher, ein vierter verpackt und testet alles.

Terafab soll all diese Schritte an einem einzigen Ort vereinen – vom Design über die Fertigung und die Speicherproduktion bis zum Verpacken und Testen. Das Ziel: mehr als ein Terawatt, also eine Billion Watt, an Rechenleistung für künstliche Intelligenz pro Jahr.

Warum überhaupt eine eigene Fabrik?

Musks Begründung ist simpel: Es gibt schlicht nicht genug Chips.

Tesla braucht Rechenleistung für seine Fahrzeuge und für den humanoiden Roboter Optimus. SpaceX will Rechenzentren in die Erdumlaufbahn bringen – und Chips, die im Weltraum funktionieren, brauchen besondere Eigenschaften. Nach Musks Rechnung produzieren sämtliche Chipfabriken der Erde zusammen nur rund zwei Prozent dessen, was seine Firmen künftig benötigen werden.

Seine Schlussfolgerung an der Präsentation: Entweder man baue die Fabrik selbst – oder man habe die Chips eben nicht.

Erst der kleine Testlauf

Bevor die Riesenfabrik entsteht, baut Tesla eine kleinere Versuchsanlage. Sie steht direkt neben der bestehenden Gigafactory in Austin, und der Spatenstich erfolgte im April 2026.

Diese Anlage soll vor allem eines ermöglichen: Tempo. Weil alle Arbeitsschritte am selben Ort stattfinden, lässt sich ein Chip herstellen, testen, überarbeiten und erneut produzieren – ohne dass Wafer (die dünnen Siliziumscheiben, aus denen Chips geschnitten werden) zwischen verschiedenen Standorten hin- und hergeschickt werden müssen. Eine solche Kombination gibt es laut den Projektverantwortlichen sonst nirgends auf der Welt.

Die ursprünglichen Pläne waren ehrgeizig: 100’000 Wafer pro Monat. Später relativierte Musk deutlich und sprach von vielleicht ein paar tausend Wafern monatlich – die Anlage diene in erster Linie dazu, Ideen auszuprobieren. Als eines der ersten Produkte ist Teslas KI-Chip der fünften Generation vorgesehen, genannt AI5: Kleinserien ab 2026, grössere Mengen ab 2027.

Die Kosten sind trotzdem beachtlich. SpaceX veranschlagte im Mai 2026 eine Anfangsinvestition von 55 Milliarden US-Dollar und insgesamt 119 Milliarden für alle Phasen der Versuchsanlage.

Intel steigt ein

Im April 2026 kam ein wichtiger Partner dazu: Intel. Der Konzern gehört zu den nur drei Herstellern weltweit, die Chips unterhalb von fünf Nanometern in grossen Mengen fertigen können – die beiden anderen sind TSMC und Samsung.

Zum Vergleich: Ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter. Je kleiner die Zahl, desto feiner die Strukturen auf dem Chip und desto mehr Leistung passt auf dieselbe Fläche. In der grossen Fabrik soll Intels 14A-Verfahren mit 1,4 Nanometern zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig teilten die Firmen die Arbeit auf: Tesla kümmert sich um die Versuchsanlage, SpaceX übernimmt die Führung beim Bau der grossen Fabrik.

Die Riesenfabrik in Grimes County

Der eigentliche Koloss entsteht rund anderthalb Autostunden nordöstlich von Austin, in Grimes County. Der Standort ist ein früheres Kohlekraftwerksgelände am Gibbons-Creek-Stausee. Anfang Juni 2026 bewilligten die Bezirksbehörden dafür einen vollständigen Erlass der Grundsteuer.

Die Zahlen sind schwer vorstellbar: Voll ausgebaut soll die Anlage bis zu zehn Millionen Quadratmeter bedecken. Das entspricht ungefähr 1’400 Fussballfeldern – und würde Terafab zu einer der grössten Fabriken der Welt machen.

Langfristig peilt Musk eine Million Wafer pro Monat an und damit 100 bis 200 Milliarden massgefertigte KI- und Speicherchips pro Jahr. SpaceX verspricht mindestens 1’800 dauerhafte Arbeitsplätze.

Nicht alle sind begeistert

In der ländlichen Region regt sich Widerstand. Anwohnerinnen und Anwohner sorgen sich um die schiere Dimension des Projekts, um die Folgen für die kleine Bevölkerung vor Ort und um die Umwelt. Chipfabriken verbrauchen enorme Mengen an Wasser und Strom – in einer Gegend, die bisher vor allem von Landwirtschaft geprägt ist.

Auch in der Branche gibt es Skepsis. Eine Chipfabrik von Grund auf aufzubauen, gilt als eines der schwierigsten industriellen Vorhaben überhaupt. Ob die angekündigten Zeitpläne und Stückzahlen realistisch sind, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Fazit

Terafab ist im Moment vor allem eines: ein sehr grosses Versprechen. Die kleine Versuchsanlage in Austin ist im Bau, die Riesenfabrik in Grimes County existiert bisher auf dem Papier. Sollte das Projekt gelingen, wäre es der Versuch eines Autoherstellers und eines Raketenbauers, sich unabhängig von der globalen Chipindustrie zu machen. Sollte es scheitern, wäre es eine der teuersten Fehlkalkulationen der Technikgeschichte.

Fotoquelle und weitere Infos: spacex.com

 

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By Christian Mäder

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