Sa.. Okt. 10th, 2026

Unter dataroom.textilecredit.com/dashboard.html betreibt Textile einen öffentlich einsehbaren Data Room für sein sogenanntes Fillers Network. Die Seite ist kein Marketing-Auftritt, sondern ein Analytics-Terminal: Sie rekonstruiert aus den Settlement-Transaktionen des Protokolls ein vollständiges Bild von Liquidität, Handelsvolumen, Gebühreneinnahmen und den beteiligten Wallets — über mehrere Blockchains hinweg und mit einer Aktualisierung alle 30 Sekunden.

Der Kontext: On-Chain-FX statt klassischem Devisenhandel

Textile positioniert sich als DeFi-Protokoll für Devisen. Im Kern geht es darum, Stablecoins lokaler Währungen gegen USD-Stablecoins zu tauschen — rund um die Uhr, non-custodial und ohne Zwischenhändler. Live sind derzeit unter anderem Naira, brasilianischer Real und argentinischer Peso.

Der Handel läuft über zwei Rollen, die im Dashboard konsequent getrennt werden:

  • Maker (im Textile-Jargon: „Stitches“) stellen ruhende Liquidität bereit. Sie posten Kurse und halten Inventar in beiden Währungen.
  • Taker führen die Orders aus, greifen also auf die bereitgestellte Liquidität zu und schließen den Swap ab.

Diese Zweiteilung zieht sich durch praktisch jede Tabelle der Seite.

Der Aufbau: fünf Ansichten

Die Navigation gliedert den Data Room in fünf Bereiche:

  1. Filler network — general: die Gesamtübersicht mit allen Kernkennzahlen.
  2. Stitches — market makers: die Detailsicht auf die Liquiditätsanbieter.
  3. Activity — API / web / stitch / RPC: Aktivität aufgeschlüsselt nach Zugangsweg.
  4. cNGN holdings — interest report: ein Zinsreport zu den Naira-Beständen.
  5. Gap — Textile vs Uniswap: ein direkter Preisvergleich gegen den bekanntesten AMM-Wettbewerber.

Gerade der letzte Punkt ist bemerkenswert: Ein Protokoll, das seine eigene Preisabweichung gegenüber der Konkurrenz öffentlich ausweist, macht sich angreifbar — und genau das ist wohl die Absicht.

Die Kennzahlen auf einen Blick

Ganz oben stehen vier Kacheln, die den Zustand des Netzwerks zusammenfassen:

Kennzahl Bedeutung
Network TVL Gebundene Maker-Liquidität
Volume Gehandeltes Notional seit Start
Transactions Alle jemals abgewickelten Settlements
Participants Anzahl der Maker und Taker

Darunter folgen Zeitreihen-Charts, die sich jeweils auf Tag, Woche, Monat, Jahr oder den gesamten Zeitraum umschalten lassen: Volumen in USD, Transaktionszahl, kumuliertes Volumen, TVL-Entwicklung, aktive Wallets und Protokolleinnahmen.

Die Einnahmenseite wird zusätzlich als effektive Gebühr auf das abgewickelte Volumen ausgewiesen — eine ehrlichere Zahl als ein nominaler Gebührensatz, weil sie zeigt, was tatsächlich am gehandelten Volumen hängen bleibt.

Die Tabellen: wo es interessant wird

Nach Chain und Asset. Eine Matrix zeigt für jede Kombination aus Blockchain und Handelspaar das Volumen, die erzielten Einnahmen und die Transaktionszahl. Damit lässt sich beantworten, welcher Korridor das Protokoll tatsächlich trägt.

Stitches / Liquiditätsanbieter. Jeder Market Maker erscheint mit Wallet, gestelltem Spread, Inventar, erzielten Einnahmen, TVL-Anteil und Volumen. Für jemanden, der überlegt, selbst Liquidität zu stellen, ist das die wichtigste Tabelle der Seite: Sie zeigt, wie konzentriert die Liquidität ist und welche Spreads am Markt durchsetzbar sind.

Limit-Orders. Getrennt davon werden Nutzer-Limit-Orders geführt, mit Zeitpunkt, Chain, Wallet, Ordertyp, Größe, gesetztem Preis, Ausführungspreis und Status. Der Unterschied zwischen dem vom Wallet signierten Kurs und dem Marktkurs zum Zeitpunkt der Ausführung ist dabei direkt ablesbar. Wichtig für die Interpretation: Wallets, die nur Limit-Orders platzieren, zählen ausdrücklich nicht als Stitches.

Taker. Eine eigene Rangliste erfasst die Order-Executors nach Transaktionszahl, Volumen und Volumenanteil.

Recent activity. Ein laufender Feed zeigt jede einzelne Abwicklung mit Zeit, Chain, Maker, Taker, Trade-Richtung und Transaktions-Hash — jede Zeile ist bis auf die Blockchain zurückverfolgbar.

Die Methodik wird offengelegt

Ungewöhnlich ausführlich für ein Krypto-Dashboard: Am Seitenende erklärt Textile, wie die Zahlen zustande kommen.

Die Datenbasis bilden die Settlement-Transaktionen auf dem Filler Reactor über BSC (cNGN/USDT), Ethereum (XAUt/USDT) und Celo (wARS/USDT sowie wBRL/USDT). Historische Daten aus dem eingestellten Betrieb auf Base (cNGN/USDC) und Polygon (BRLA/USDT) fließen in die Lifetime-Summen weiterhin ein.

Drei Definitionen sind für die Lesart entscheidend:

  • TVL ist nicht nur das Wallet-Inventar der Maker, sondern zusätzlich das Notional der offenen, noch nicht ausgeführten Limit-Orders im Orderbuch.
  • Volumen und Flüsse werden aus den Token-Transfers innerhalb jeder Transaktion rekonstruiert und zum jeweils aktuellen Oracle-Kurs der Chain bewertet.
  • Die Handelsrichtung in der Aktivitätsliste ist die Netto-Richtung aus Sicht des Takers. Eine einzelne Transaktion kann Maker bündeln, die in beide Richtungen handeln — der angezeigte Pfeil folgt dem Saldo.

Wer mit den Zahlen arbeitet, sollte den letzten Punkt im Kopf behalten: Eine Zeile im Feed entspricht nicht zwingend einem einzelnen Handelsgeschäft.

Für wen sich der Data Room lohnt

Für potenzielle Liquiditätsanbieter liefert die Stitches-Tabelle die Grundlage einer Renditerechnung — Spread, Inventarbindung und tatsächlich erzielte Einnahmen stehen nebeneinander. Trader finden im Gap-Vergleich gegen Uniswap und in den Limit-Order-Daten Hinweise auf Ausführungsqualität. Analysten und Rechercheure bekommen ein Protokoll, das seine Rohdaten nicht hinter einer Anmeldung versteckt.

Eine praktische Einschränkung bleibt: Sämtliche Werte werden clientseitig nachgeladen. Wer die Seite ohne aktives JavaScript aufruft — oder sie per Skript ausliest — sieht nur die Gerüststruktur mit dem Platzhalter „loading…“. Für die tatsächlichen Zahlen führt kein Weg am Browser vorbei.

Quelle / Weitere Infos:

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch