Sa.. Okt. 10th, 2026

Ein neuer Bericht zeigt: Selbst wer eine Spiele-Disc kauft, kann sie oft nicht einfach einlegen und loslegen. Ohne Internet läuft heute fast nichts mehr. Fast nichts – denn Bitcoin lässt sich per Satellit, Funk und sogar mit einem uralten Handy übertragen.

Die Disc, die keine Disc mehr ist

Man kauft eine Spielhülle im Laden, legt die Disc ein – und das Spiel startet trotzdem nicht. Zumindest nicht vollständig.

Die Website «Does it Play» testet genau das: Läuft ein Spiel wirklich von der Scheibe, ohne dass zuerst etwas heruntergeladen werden muss? Die Zahlen sind ernüchternd.

  • PlayStation 5: Von 792 getesteten Spielen laufen rund zwei Drittel komplett von der Disc. Beim Rest fehlen entweder Inhalte, oder das Spiel startet ohne Download gar nicht erst richtig.
  • Xbox Series X: Hier schafft nur etwa die Hälfte der bisher 78 getesteten Spiele den Test.
  • Nintendo Switch 2: Mit rund drei Vierteln von 48 Einträgen der beste Wert – aber die Stichprobe ist noch klein.

Dazu kommt: Sony soll laut Berichten die Produktion von Spiele-Discs bis 2028 auslaufen lassen. Die Disc ist also nicht nur halb funktionslos, sie verschwindet auch bald ganz.

Das eigentliche Problem heisst Abhängigkeit

Warum ist das mehr als ein Ärgernis für Gamer?

Weil das gekaufte Produkt nur so lange funktioniert, wie der Server des Herstellers läuft. Erst kürzlich fielen Xbox-Dienste aus – und plötzlich kamen Leute nicht mehr an ihre eigenen Spiele. Wer eine schlechte Leitung oder ein Datenlimit hat, ist ebenfalls aussen vor.

Und in zehn oder zwanzig Jahren? Wenn die Server abgeschaltet sind, ist die Disc im Regal nur noch ein Stück Plastik. Aus «Ich besitze das» ist unbemerkt «Ich darf darauf zugreifen, solange jemand anderes das erlaubt» geworden.

Wer sich mit Bitcoin beschäftigt, kennt diesen Satz in einer anderen Fassung: Not your keys, not your coins.

Bitcoin ist auch digital – aber anders gebaut

Bitcoin ist ebenso ein digitales Gut. Der entscheidende Unterschied: Es gibt keinen Hersteller-Server, der abgeschaltet werden kann.

Die Blockchain liegt gleichzeitig auf zehntausenden Rechnern weltweit. Ein privater Schlüssel ist eine Zahl – er funktioniert auch dann noch, wenn kein einziges Unternehmen mehr existiert, das damit zu tun hatte. Und vor allem: Bitcoin ist nicht auf eine Art von Leitung angewiesen.

Genau das wird oft übersehen. Bitcoin braucht Daten, aber nicht zwingend das Internet, wie wir es kennen.

Bitcoin aus dem Weltall

Das bekannteste Beispiel ist Blockstream Satellite. Bodenstationen – sogenannte Teleports – senden die Bitcoin-Blockchain zu geostationären Satelliten, die in rund 35 800 Kilometern Höhe über der Erde stehen. Diese strahlen die Daten wieder zurück auf einen grossen Teil der bewohnten Erdoberfläche.

Empfangen kann das jeder: Es braucht eine kleine Satellitenschüssel und einen günstigen USB-Empfänger. Kein Abo, keine Anmeldung, keine Erlaubnis. Der Dienst läuft rund um die Uhr und ist gratis.

Für die Schweiz und Europa ist die Abdeckung über den Satelliten Telstar 11N gegeben. Wer will, kann seine Node also mit dem Himmel synchronisieren statt mit dem Swisscom-Anschluss.

Zusätzlich betreibt Blockstream eine API, über die man Dateien und Nachrichten über das Satellitennetz verschicken kann – bezahlt wird dabei mit Lightning.

Bitcoin über Funk: Mesh und LoRa

Die zweite Ebene ist noch bodenständiger: Meshtastic. Das sind kleine, batteriebetriebene Funkmodule mit LoRa-Technik, die in offenem Gelände mehrere Kilometer überbrücken. Jedes Gerät leitet Nachrichten ans nächste weiter – wie eine Eimerkette.

Erreicht Gerät A das Gerät B, und B das Gerät C, dann kommt die Nachricht von A auch bei C an. Ganz ohne Provider, ohne Mobilfunkantenne, ohne Internet.

Eine Bitcoin-Transaktion ist am Ende nichts anderes als ein kurzer Datenblock. Sie lässt sich offline auf einem Gerät signieren und dann über so ein Funknetz weiterreichen, bis sie irgendwo einen Knoten mit Netzanschluss erreicht. Genutzt wird das heute vor allem in Katastrophengebieten, in abgelegenen Regionen – und von Leuten, die schlicht nicht von einem einzigen Anbieter abhängig sein wollen.

Bitcoin mit einem Zehn-Franken-Handy

Das dritte Beispiel kommt aus Afrika und ist vielleicht das eindrücklichste. Der Dienst Machankura (auch «8333» genannt) läuft über USSD – jenes Textmenü, das man auf jedem uralten Tastenhandy aufrufen kann, um zum Beispiel das Guthaben abzufragen.

Der Ablauf: Kurzwahl eintippen, Menü erscheint, Wallet über die Telefonnummer erstellen, Sats senden und empfangen. Keine App. Kein Datenvolumen. Kein Smartphone. Nur Mobilfunkempfang.

Gegründet wurde der Dienst 2022 vom südafrikanischen Entwickler Kgothatso Ngako, inzwischen ist er in mehreren afrikanischen Ländern verfügbar. Der Hintergrund: In Afrika gibt es hunderte Millionen Mobilfunkkunden, aber nur ein Bruchteil davon nutzt mobiles Internet. Für all diese Menschen wäre Bitcoin sonst schlicht nicht erreichbar.

Ehrlich bleiben: Das sind keine Wundermittel

Wer diese Technologien realistisch einordnen will, muss auch die Grenzen nennen.

Der Satellitenempfang ist eine Einbahnstrasse: Man empfängt Blöcke, senden muss man über einen anderen Kanal. Dieser Rückkanal kann allerdings sehr dünn sein – eine SMS, ein Funkspruch, ein kurzer Mesh-Hop genügt für eine signierte Transaktion.

Mesh-Netze sind langsam und haben wenig Bandbreite. Sie taugen für Transaktionen, nicht zum Herunterladen der ganzen Blockchain.

Und Dienste wie Machankura sind in der Regel verwahrend (custodial). Sie sind ein genialer Einstieg für Menschen ohne Internet – aber kein Ersatz für eigene Schlüssel.

Diese Wege sind also kein Alltagskomfort. Sie sind eine Rückfallebene. Genau das ist der Punkt.

Was das für die Schweiz heisst

Die Schweiz hat eine ausgezeichnete Infrastruktur. Genau deshalb denkt hier kaum jemand darüber nach, was passiert, wenn sie ausfällt – bei einem längeren Stromunterbruch, einer Netzstörung oder einer Naturkatastrophe.

Für die Praxis heisst das nichts Dramatisches, sondern schlicht: Schlüssel selbst halten. Seed-Backup analog aufbewahren, nicht in der Cloud. Wallet-Software lokal sichern, statt sich darauf zu verlassen, dass ein Anbieter sie morgen noch bereitstellt. Und wer technisch interessiert ist, kann sich mit Satellitenempfang oder einem Meshtastic-Knoten ein eigenes Notnetz aufbauen – als Hobby, das im Ernstfall nützlich ist.

Fazit

Die Games-Branche zeigt gerade sehr anschaulich, wohin die Reise geht: Was man kauft, gehört einem nur noch bedingt. Ohne Verbindung zum Server des Herstellers bleibt der Bildschirm schwarz.

Bitcoin geht den umgekehrten Weg. Es wurde von Anfang an unter der Annahme gebaut, dass Verbindungen ausfallen, dass Teilnehmer verschwinden und dass niemandem zu trauen ist. Deshalb funktioniert es aus dem Orbit, über Funkmodule im Wald und über ein Tastenhandy ohne Datenvertrag.

Die Welt wird immer vernetzter – und damit auch immer verletzlicher. Die spannende Frage ist nicht, wie gut etwas online läuft. Sondern was übrig bleibt, wenn die Leitung weg ist.