Sa.. Okt. 10th, 2026

Wer seit Jahren in Bitcoin denkt, kennt das Gefühl: Das Portfolio besteht zu 90 Prozent aus einem einzigen Asset – und das schwankt. Immer mehr Schweizer Bitcoiner suchen deshalb nach Ergänzungen, die planbare Erträge liefern. Die europäische Plattform Mintos wirbt mit rund 9,3 Prozent Durchschnittszins. Wir haben angeschaut, wie das funktioniert – und wo die Fallstricke liegen, die man als Bitcoiner sofort erkennt.

Mintos, passives Einkommen, Geldanlage Schweiz, Kredite investieren, ETF Portfolio, Fractional Bonds, Immobilien Anteile, Anlegerschutz, Währungsrisiko, finanzielle Gelassenheit, ab 50 Euro investieren.
Mintos, passives Einkommen, Geldanlage Schweiz, Kredite investieren, ETF Portfolio, Fractional Bonds, Immobilien Anteile, Anlegerschutz, Währungsrisiko, finanzielle Gelassenheit, ab 50 Euro investieren.

Das Diversifikations-Dilemma

Bitcoin hat in den letzten zehn Jahren jede klassische Anlage geschlagen. Trotzdem stellt sich irgendwann die Frage: Was, wenn ich für ein paar Jahre einen Teil des Vermögens ausserhalb der 24/7-Achterbahn parkieren möchte? Ein Cashflow, der auch dann tröpfelt, wenn der Markt seitwärts läuft, hat seinen Reiz – gerade in einem längeren Bärenmarkt.

Die Antwort der traditionellen Finanzwelt heisst: Zinsen. Und genau die verkauft Mintos.

Was Mintos ist

Mintos ist eine Anlageplattform aus Lettland mit über 600’000 registrierten Nutzern und mehr als 800 Millionen Euro verwaltetem Vermögen. Anders als bei einer Krypto-Börse handelt es sich nicht um einen Marktplatz für Token, sondern um ein von der lettischen Zentralbank (Latvijas Banka) lizenziertes Wertpapierhaus unter MiFID II.

Der Einstieg ist ab 50 Euro möglich – Kommissionen fallen auf Kredite, Anleihen, Immobilien und ETFs keine an.

Die Anlageklassen

  • Kredite (Loans) – Sie finanzieren anteilig Konsum- und Autokredite in verschiedenen Ländern und erhalten Zins plus Tilgung. Der beworbene Durchschnitt von 9,3 Prozent ist ein gewichteter Mittelwert der verfügbaren Kredite, keine Garantie. Ein Algorithmus streut automatisch über Länder, Kreditarten und Anbieter, mit maximal 15 Prozent Exposure pro Kreditunternehmen.
  • Fractional Bonds – Anleihen verlangen sonst 10’000 Euro Mindesteinsatz und mehr. Mintos stückelt sie ab 50 Euro. Regelmässige Couponzahlungen, planbarer Cashflow.
  • Immobilien – Anteile an vermieteten Objekten, anteilige Mieteinnahmen, ebenfalls ab 50 Euro. Ohne Notar, Grundbuch und Handänderungssteuer.
  • ETFs – Ein einzelnes global gestreutes Portfolio statt Dutzender Einzelpositionen.
  • Smart Cash – Kurzfristig verfügbares Geld zu aktuell bis zu 2,25 Prozent, abhängig vom Zinsumfeld.

Der entscheidende Unterschied: Gegenparteirisiko

Hier wird es für Bitcoiner interessant – und unbequem.

Bitcoin lässt sich selbst verwahren. Kein Dritter kann Ihnen Ihre Coins wegnehmen, wenn Sie die Keys kontrollieren. Jede Anlage auf Mintos ist das exakte Gegenteil davon: Sie vertrauen Ihr Geld einer Institution an, die es für Sie hält und weiterleitet. Zwischen Ihnen und Ihrer Rendite stehen die Plattform, die Kreditunternehmen und die Endschuldner.

Wer Celsius, BlockFi oder Genesis erlebt hat, weiss, wie das enden kann, wenn Rendite ohne Regulierung versprochen wird.

Mintos ist in dieser Hinsicht deutlich anders aufgestellt als die kollabierten Krypto-Lender:

  • Kundengelder und Wertpapiere werden getrennt vom Firmenvermögen gehalten.
  • Über das EU-Anlegerentschädigungssystem sind bis zu 20’000 Euro geschützt, falls Mintos Gelder oder Instrumente nicht zurückgeben kann.
  • Es gilt eine Prüfpflicht, ob das Risiko zum Anleger passt.

Aber: Dieser Schutz greift beim Ausfall des Unternehmens – nicht bei Kreditausfällen oder Kursverlusten. Wenn Kreditnehmer in Osteuropa nicht zurückzahlen, ist das Ihr Verlust. Punkt.

Woher die 9,3 Prozent kommen

Bitcoiner haben ein feines Gespür für zu gute Angebote. Zu Recht: Zweistellige Zinsen sind kein Geschenk, sondern der Preis für Risiko. Konsumkredite in Schwellen- und Grenzmärkten rentieren deshalb so hoch, weil ein relevanter Teil der Schuldner nicht zurückzahlt. Die 9,3 Prozent sind eine Bruttoerwartung vor Ausfällen – nicht das, was garantiert auf dem Konto landet.

Das ist kein Argument gegen die Anlage. Aber es ist der Unterschied zwischen einer Zinsquelle und einer Gelddruckmaschine.

Was Schweizer besonders beachten müssen

  • Doppeltes Währungsrisiko: Angelegt wird in Euro. Der Euro hat gegenüber dem Franken über Jahrzehnte verloren. Ein Teil Ihrer 9,3 Prozent kann sich in CHF gerechnet in Luft auflösen – ein Effekt, den Bitcoin-Anleger, die ohnehin in einer harten Einheit rechnen, schnell unterschätzen.
  • Opportunitätskosten in Sats: Die relevante Frage ist nicht «9 Prozent oder Sparkonto», sondern «9 Prozent in EUR oder halten in BTC». Historisch war die Antwort meist klar – die Zukunft kennt niemand.
  • Keine FINMA: Aufsicht ist lettisch, das Entschädigungssystem europäisch. Die Schweizer Einlagensicherung greift nicht.
  • Steuern: Ausländische Erträge sind in der Steuererklärung zu deklarieren – Zinserträge werden anders als Bitcoin-Kursgewinne als Einkommen besteuert.
  • Zulassung prüfen: Klären Sie vorab, ob und unter welchen Bedingungen Personen mit Wohnsitz Schweiz zugelassen sind.

Fazit

Mintos ist kein Bitcoin-Ersatz und will es auch nicht sein. Es ist ein regulierter Weg, Anlageklassen zugänglich zu machen, die früher grossen Vermögen vorbehalten waren – ab 50 Euro und ohne Kommissionen. Wer bewusst einen Teil des Vermögens ausserhalb der Volatilität halten will und mit Gegenparteirisiko leben kann, findet hier eine Option.

Wer dagegen nach «Bitcoin, aber mit Zinsen» sucht, sollte sich daran erinnern, was mit den letzten Anbietern passiert ist, die genau das versprochen haben. Rendite ohne Risiko gibt es nirgends – auch nicht mit einer EU-Lizenz.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Investieren ist mit Risiken verbunden, inklusive dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Angaben zu Zinssätzen, Aktionen und Konditionen entsprechen dem Stand bei Redaktionsschluss.

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By Christian Mäder

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