Die Schweiz stellt eine der grössten Landesgruppen in der jüngsten Auswahlrunde des European Innovation Council. Insgesamt fliessen 9,35 Millionen Euro an Zuschüssen sowie eine Beteiligung von 10 Millionen Euro in vier Zürcher und Waadtländer Deep-Tech-Unternehmen.
Der European Innovation Council (EIC) hat 38 Startups und KMU für eine Förderung ausgewählt – vier davon aus der Schweiz. Von 87 Unternehmen, die es bis ins Jury-Interview geschafft hatten, kam damit weniger als die Hälfte durch. Insgesamt vergibt der EIC in dieser Runde 90 Millionen Euro an Zuschüssen; weitere 202 Millionen Euro sind für mögliche Eigenkapitalbeteiligungen reserviert. 84 Prozent der ausgewählten Firmen erhalten eine Kombination aus beidem.
Vertreten sind 16 Länder. Am meisten Unternehmen kommen aus Frankreich (6), Grossbritannien (5), Deutschland (4) und Schweden (4) – gefolgt von der Schweiz mit vier Firmen.
Drei Cleantech-Firmen, ein Medtech
Den grössten Betrag sichert sich Nanoflex Robotics aus Glattbrugg mit 12,5 Millionen Euro, aufgeteilt in einen Zuschuss von 2,5 Millionen und eine Beteiligung des EIC Fund über 10 Millionen Euro. Der ETH-Spin-off steuert mit Magnetfeldern ultraflexible Mikroroboter durch Blutgefässe, um Blutgerinnsel bei Schlaganfallpatienten zu entfernen – auch ferngesteuert aus einem anderen Spital. Erste klinische Studien sind für Ende 2026 geplant.
BTRY aus Dübendorf erhält 2,2 Millionen Euro. Der Spin-off von Empa und ETH Zürich fertigt Dünnschicht-Feststoffbatterien mit Verfahren aus der Halbleiterproduktion. Die Zellen laden in etwa einer Minute, sind nicht brennbar und halten hohen Temperaturen stand. Zielmärkte sind Smart Labels, Industriesensoren und Wearables – nicht Elektroautos.
8inks aus Winterthur bekommt 2,4 Millionen Euro für eine neue Beschichtungstechnologie für Batterieelektroden. Statt einer einzelnen Schicht trägt das Verfahren mehrere Lagen in einem Durchgang auf, was bis zu zehnfache Beschichtungsgeschwindigkeiten ermöglichen soll.
Perovskia Solar aus Aubonne im Kanton Waadt erhält 2,25 Millionen Euro. Der Empa-Spin-off druckt Perowskit-Solarzellen in beliebigen Formen, die Innen- wie Aussenlicht nutzen und Geräte energieautark machen. Zusätzlich hat der EIC Fund angekündigt, sich an der kommenden Finanzierungsrunde des Unternehmens beteiligen zu wollen.
Erst seit 2025 wieder zugänglich
Bemerkenswert ist die Runde vor allem wegen der Vorgeschichte: Zwischen 2021 und 2024 waren Schweizer Firmen von direkter EU-Forschungsförderung ausgeschlossen. Mit der Unterzeichnung des EU-Programmabkommens im November 2025 ist die Schweiz rückwirkend per 1. Januar 2025 an Horizon Europe assoziiert. Schweizer Startups können sich seither wieder gleichberechtigt bewerben – und anders als britische Unternehmen auch um die Eigenkapitalkomponente.
Bereits im Februar 2026 waren nach vierjähriger Pause vier Schweizer Startups ausgewählt worden. Der Swiss Accelerator von Innosuisse, die nationale Übergangslösung der Ausschlussjahre, schreibt im Gegenzug keine neuen Calls mehr aus.
Bewerbungen für den EIC Accelerator sind laufend möglich. Die Zuschussverträge der jetzt ausgewählten Unternehmen sollen innert drei Monaten unterzeichnet werden, die Beteiligungen folgen je nach Finanzierungsstrategie der einzelnen Firmen.







