Samsung hat auf der Galaxy-Unpacked-Veranstaltung in London angekündigt, dass die Samsung Wallet künftig nativen Stablecoin-Support erhält. Auf der Bühne zeigte der Konzern eine Testoberfläche mit dem Dollar-Stablecoin USDC von Circle – einen Starttermin, konkrete Länder oder einen Emittenten-Partner nannte Samsung bislang nicht. Die Aktie des Konzerns gab nach der Ankündigung um 7,6 Prozent nach.
Was Samsung angekündigt hat
Produktmanager Lee Dinham erklärte während der Präsentation, die Wallet solle künftig über Bargeld und Sparfunktionen hinausgehen und neue Formen digitaler Werte integrieren, darunter Stablecoins. Samsung positioniert die App damit als „Fundament eines vernetzten Finanz-Ökosystems“, das Zahlungen, Bonusprogramme und digitale Vermögenswerte in einer einzigen Oberfläche bündelt.
Die gezeigte Testoberfläche demonstrierte Senden, Empfangen und Aufladen von USDC – ohne dass Circle offiziell als Partner bestätigt wurde. Auch zu USDT, dem nach Marktkapitalisierung grössten Stablecoin, äusserte sich Samsung nicht. Ob die Funktion custodial (Samsung oder ein Dritter verwahrt die Mittel) oder non-custodial (Nutzer behalten die privaten Schlüssel) umgesetzt wird, liess der Konzern ebenfalls offen.
Parallel zur Stablecoin-Ankündigung stellte Samsung die Galaxy Card vor, eine erste eigene Kreditkarte, die in den USA von der Barclays US Consumer Bank ausgegeben wird und auf dem Visa-Netzwerk läuft. Samsung Knox, die seit 2019 bestehende hardware-isolierte Sicherheitsarchitektur der Galaxy-Geräte, soll die neuen Finanzfunktionen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung absichern.
Kein Neuland für Samsung
Die Ankündigung reiht sich in eine längere Krypto-Historie des Konzerns ein. Bereits 2019 integrierte Samsung über Knox eine Verwahrfunktion für Kryptowährungen in Galaxy-Geräte, 2021 folgte Unterstützung für Hardware-Wallets. Seit Oktober 2025 können Galaxy-Nutzer in den USA zudem direkt über die Wallet auf Coinbase-Dienste zugreifen – ein Rollout, der zum Start mehr als 75 Millionen Geräte-Besitzer erreichte und neuen Nutzern ein dreimonatiges Coinbase-One-Abo bot.
Auch abseits der Endkunden-App engagiert sich der Konzern im koreanischen Kryptomarkt: Im Mai 2026 erwarben Samsung Securities, Samsung SDS und Samsung Card gemeinsam eine 4-Prozent-Beteiligung an Dunamu, dem Betreiber der südkoreanischen Leitbörse Upbit.
Warum der Zeitpunkt kein Zufall ist
Der Vorstoss fällt in eine Phase, in der Stablecoins den Sprung von der Nische in die Zahlungsinfrastruktur grosser Plattformen schaffen. Die globale Stablecoin-Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei rund 310 bis 320 Milliarden US-Dollar, getrieben unter anderem vom US-amerikanischen GENIUS Act, der seit einem Jahr einen regulatorischen Rahmen für Dollar-Stablecoins vorgibt. Samsung folgt damit einem Muster, das zuvor bereits Visa und Mastercard mit eigenen Stablecoin-Programmen vorgezeichnet haben – Samsung selbst positioniert sich mit der Ankündigung als einer der ersten grossen Smartphone-Hersteller, der Dollar-Stablecoins nativ in eine vorinstallierte Wallet integriert.
Für europäische und Schweizer Nutzer ist relevant, dass Circle über seine französische Einheit bereits 2024 eine Zulassung für USDC und den Euro-Stablecoin EURC unter der EU-Verordnung MiCA erhalten hat. Das verschafft USDC in der EU einen regulatorischen Vorteil gegenüber weniger klar regulierten Alternativen. Für die Schweiz gilt das nur bedingt: Hierzulande entscheidet die FINMA nach eigenen aufsichtsrechtlichen Kriterien, und eine MiCA-Zulassung in der EU ersetzt keine Einordnung durch die Schweizer Finanzmarktaufsicht. Ob und wann Samsung die Funktion in der Schweiz oder im übrigen Europa aktiviert, ist – wie der US-Starttermin – bislang offen.
Die Grenzen des Vergleichs mit Bitcoin
Anders als bei Bitcoin bleibt die im Umlauf befindliche Menge an Dollar-Stablecoins an die Geldpolitik der US-Notenbank gekoppelt und lässt sich beliebig ausweiten. Ein Stablecoin in der Wallet ist damit kein Ersatz für ein hartes, mengenmässig begrenztes Geldgut, sondern in erster Linie ein digitales Abbild des US-Dollars mit tieferen Transaktionskosten und globaler Verfügbarkeit. Für Nutzer in Ländern mit schwacher Landeswährung oder Kapitalverkehrskontrollen kann das dennoch ein spürbarer Vorteil sein.
Was von der Ankündigung bleibt, ist vorerst eine Absichtserklärung mit grosser potenzieller Reichweite: Samsung Wallet ist auf Hunderten Millionen Geräten vorinstalliert. Ob daraus tatsächlich ein Massenprodukt wird, hängt von Emittenten-Partnerschaften, regulatorischer Klarheit in den jeweiligen Märkten und einem konkreten Starttermin ab – zu all dem hat sich Samsung bislang nicht geäussert.
Quelle:
- Samsung Global Newsroom: „Introducing Samsung Galaxy Card“ – Samsungs eigene Pressemitteilung vom 21. Juli 2026 zum Unpacked-Launch von Galaxy Card & Wallet-Ausbau. Erwähnt „Stablecoin“ nicht wörtlich, ist aber die primäre Samsung-Quelle rund um das Event.







