Sa.. Okt. 10th, 2026

Kasachstan baut seine Position als einer der ambitioniertesten Krypto-Standorte Eurasiens weiter aus. Mit einem neuen Präsidialdekret schafft Präsident Kassym-Jomart Tokajew weitreichende Anreize für Investoren, Krypto-Unternehmen und Mining-Betreiber. Herzstück der Reform ist eine Steuerbefreiung für Gewinne aus dem Handel mit digitalen Vermögenswerten – allerdings nur auf staatlich lizenzierten Handelsplattformen.

Mit der neuen Strategie verfolgt die Regierung das Ziel, Kapital, Innovation und internationale Blockchain-Unternehmen gezielt in das regulierte Finanzsystem des Landes zu lenken. Gleichzeitig werden Stablecoins für den internationalen Zahlungsverkehr gefördert und neue Energiequellen für Bitcoin-Mining erschlossen.

Steuerfreie Krypto-Gewinne auf lizenzierten Börsen

Künftig bleiben Erträge aus dem Handel mit Kryptowährungen steuerfrei, sofern Transaktionen über in Kasachstan lizenzierte Handelsplattformen erfolgen. Damit setzt die Regierung klare Anreize für regulierte Märkte und möchte Investoren vom Handel auf unregulierten Offshore-Börsen wegführen.

Zusätzlich sieht das Dekret einen freiwilligen Offenlegungsmechanismus vor. Anleger erhalten die Möglichkeit, bisher auf ausländischen Plattformen gehaltene digitale Vermögenswerte legal offenzulegen und auf lizenzierte kasachische Börsen zu übertragen.

Dieser Ansatz soll sowohl die Transparenz erhöhen als auch neues Kapital in den heimischen Finanzplatz bringen.

Stablecoins als Infrastruktur für den internationalen Handel

Neben dem klassischen Kryptohandel rücken Stablecoins zunehmend in den Fokus der kasachischen Digitalstrategie. Das Dekret sieht die Entwicklung regulatorischer Mechanismen vor, welche den Einsatz wertstabiler Kryptowährungen für grenzüberschreitende Zahlungen ermöglichen sollen.

Vor allem Unternehmen im Import- und Exportgeschäft könnten künftig von schnelleren und günstigeren internationalen Transaktionen profitieren. Während klassische Banküberweisungen häufig mehrere Korrespondenzbanken durchlaufen, lassen sich Stablecoin-Transaktionen nahezu in Echtzeit abwickeln.

Kasachstan positioniert Stablecoins damit weniger als Spekulationsobjekt, sondern vielmehr als moderne Zahlungsinfrastruktur für den Außenhandel.

Neue Energiequellen stärken Bitcoin-Mining

Auch die Mining-Industrie profitiert vom neuen Dekret. Künftig darf ungenutztes Begleitgas aus Öl- und Gasfeldern zur Stromproduktion für Bitcoin-Mining verwendet werden, sofern dieses Gas nicht anderweitig benötigt wird.

Begleitgas wird bei der Erdölförderung häufig abgefackelt und bleibt bislang ungenutzt. Durch dessen Verwendung könnten Mining-Unternehmen kostengünstige Energie beziehen, ohne das öffentliche Stromnetz zusätzlich zu belasten.

Kasachstan gehörte bereits nach dem chinesischen Mining-Verbot im Jahr 2021 zeitweise zu den weltweit größten Bitcoin-Mining-Standorten. Nach späteren Stromengpässen und regulatorischen Eingriffen verließen jedoch zahlreiche Betreiber das Land. Mit der neuen Energiepolitik möchte die Regierung den Standort wieder attraktiver machen.

Langfristige Krypto-Strategie statt Einzelmaßnahme

Das aktuelle Dekret ist Teil einer umfassenden Digital-Asset-Strategie. Bereits 2023 verabschiedete Kasachstan ein Gesetz über digitale Vermögenswerte. Seit Mai 2026 müssen zudem alle unbesicherten Kryptobörsen über eine staatliche Lizenz verfügen und unter Aufsicht der Nationalbank arbeiten.

Bereits im vergangenen Jahr kündigte Präsident Tokajew außerdem Pläne für einen staatlichen Digital Asset Fund an. Die Nationalbank arbeitet nach eigenen Angaben an einer staatlichen Krypto-Reserve, die unter anderem aus beschlagnahmten Kryptowährungen, Mining-Einnahmen sowie rückgeführten Vermögenswerten aufgebaut werden könnte.

Damit verfolgt Kasachstan einen deutlich zentraleren Ansatz als klassische Krypto-Standorte wie die Schweiz oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Statt auf organisches Wachstum setzt die Regierung auf eine gezielte staatliche Steuerung der Branche.

Konkurrenz für etablierte Krypto-Hubs?

Mit steuerfreien Krypto-Gewinnen, regulatorischer Klarheit, staatlicher Unterstützung und günstigen Energiequellen positioniert sich Kasachstan zunehmend als ernstzunehmender Wettbewerber internationaler Krypto-Standorte.

Während viele Länder noch über geeignete Regulierungsmodelle diskutieren, setzt Astana bereits konkrete wirtschaftliche Anreize. Sollte die Strategie erfolgreich sein, könnte sich Kasachstan in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Blockchain- und Digital-Asset-Zentren Eurasiens entwickeln und verstärkt internationale Investoren sowie Krypto-Unternehmen anziehen.

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