Förderinstrumente, Beträge und Praxisbeispiele im Überblick
Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, ist der wichtigste staatliche Partner für Unternehmen, Start-ups und Forschungsinstitutionen, die wissenschaftsbasierte Innovationen zur Marktreife bringen wollen. Mit einem ordentlichen Bundesbeitrag von 305,1 Millionen Franken (2025) – ergänzt um 28,7 Millionen Franken an Übergangsmassnahmen im Zusammenhang mit Horizon Europe – finanziert die Agentur den Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Dieser Artikel zeigt, welche Angebote es gibt, was sie konkret bringen und wie der Einstieg gelingt.
Das Schweizer Modell: Co-Finanzierung statt Direktzahlung
Anders als in den meisten europäischen Ländern erhalten Schweizer Unternehmen bei nationalen Innovationsprojekten in der Regel keine Direktzahlungen. Innosuisse finanziert stattdessen die direkten Projektkosten des Forschungspartners – also einer Schweizer Hochschule oder akkreditierten Forschungsinstitution –, während das Unternehmen als sogenannter Umsetzungspartner einen Eigenleistungsanteil trägt. Der Vorteil dieses Modells: Die Förderung ist nicht rückzahlbar, es werden keine Unternehmensanteile abgegeben, und die Verwertungsrechte an den Forschungsergebnissen verbleiben beim Unternehmen.
Die volkswirtschaftliche Wirkung ist beachtlich: Gemäss Wirkungsanalysen erzeugt jeder von Innosuisse geförderte Franken rund 5.10 Franken zusätzliche Wertschöpfung in der Schweiz. Vier von fünf geförderten Umsetzungspartnern sind KMU mit weniger als 50 Mitarbeitenden – die Förderung kommt also gerade nicht primär den Grosskonzernen zugute.
Kerninstrument: Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner
Das mit Abstand grösste Förderinstrument ist das Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner. Ein Unternehmen (KMU, Grossunternehmen, Start-up, aber auch Verwaltungen und Non-Profit-Organisationen) entwickelt gemeinsam mit einem Forschungspartner neuartige Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren.
Konditionen und Budget: Seit der revidierten Beitragsverordnung (in Kraft seit 1. Januar 2023) trägt der Umsetzungspartner flexibel 40 bis 60 Prozent der Gesamtprojektkosten als Eigenleistung – zuvor waren es starr 50 Prozent. Zusätzlich ist eine Cash Contribution von mindestens 5 Prozent der Gesamtprojektkosten an den Forschungspartner zu leisten (früher 10 Prozent). Eine finanzielle Obergrenze für Gesuche existiert nicht, sofern das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt; die Fördersumme richtet sich nach dem Personalaufwand des Forschungspartners, dessen Vollkosten inklusive Overhead Innosuisse übernimmt. Typische Projekte bewegen sich im sechs- bis siebenstelligen Bereich.
Bewilligungschancen und Ablauf: Die Nachfrage hat 2025 mit über 800 Gesuchen für Innovationsprojekte einen Rekordwert erreicht; bei nationalen Innovationsprojekten insgesamt lag sie mit rund 1’100 Gesuchen 35 Prozent über dem Vorjahr. Die Bewilligungsquote lag in den letzten Jahren – je nach Jahr und Instrument – zwischen rund 35 und gut 50 Prozent. Gesuche werden von je zwei Innovationsexpertinnen oder -experten beurteilt; der Innovationsrat entscheidet in der Regel innerhalb von sechs bis acht Wochen. Zentrale Kriterien sind der Innovationsgehalt (wissenschaftliche, technologische oder soziale Neuartigkeit gegenüber dem belegten Stand der Technik) und die Wertschöpfung für die Schweizer Wirtschaft oder Gesellschaft. Abgelehnte Projekte erhalten schriftliches Feedback und können überarbeitet erneut eingereicht werden. Vor dem Vollantrag empfiehlt sich der freiwillige Vorab-Check (Bearbeitung ca. drei bis vier Wochen).
Der niederschwellige Einstieg: Innovationsscheck
Für KMU und andere Organisationen mit weniger als 250 Vollzeitstellen, die zunächst die Machbarkeit einer Idee abklären wollen, gibt es den Innovationsscheck: Innosuisse finanziert damit 100 Prozent der Kosten des Forschungspartners bis zu 15’000 Franken für eine Vorstudie – etwa Konzeptentwicklungen, Ideenstudien oder Analysen zum Innovations- und Marktpotenzial. Der Scheck eignet sich auch, um die Zusammenarbeit mit einem Forschungspartner risikofrei zu testen, bevor ein grosses Innovationsprojekt lanciert wird.
Start-up-Förderung: Coaching in drei Stufen
Für wissensintensive, technologiebasierte Jungunternehmen mit grossem Marktpotenzial bietet Innosuisse ein gestuftes Coaching-Programm, das heute zu den bedeutendsten in Europa zählt – 2025 profitierten rund 650 junge Unternehmen von Coaching- und Internationalisierungsprogrammen:
Das Initial Coaching umfasst einen Gutschein von bis zu 10’000 Franken für Sitzungen mit akkreditierten Coaches über maximal zwölf Monate. Es dient der kritischen Prüfung von Geschäftsmodell und -plan und ist Voraussetzung für die nächste Stufe. Das Core Coaching stellt bis zu 50’000 Franken über maximal 36 Monate bereit und begleitet den Aufbau des Unternehmens vertieft. Das Scale-up Coaching schliesslich bietet bis zu 75’000 Franken über bis zu 24 Monate für wachstumsstarke Start-ups, etwa bei Investorenstrategie und Internationalisierung.
Ergänzend existieren das Start-up Training (Ausbildungsmodule für angehende Gründerinnen und Gründer), Internationalisierungsangebote wie Messeauftritte und Marktvalidierungs-Camps sowie seit 2023 die Start-up Innovationsprojekte, mit denen Start-ups auch eigenständig Fördermittel für ihre F&E-Vorhaben beantragen können.
International: Eurostars, EUREKA und Flagship-Ausschreibungen
Für grenzüberschreitende Projekte koordiniert Innosuisse die Schweizer Beteiligung an internationalen Programmen. Aktuell (Stand Juli 2026) laufen unter anderem eine Eurostars-Ausschreibung für KMU-geführte internationale Konsortien mit marktorientierten F&E-Projekten sowie der Flagship Call 2026 «Resilient and Secure Technologies for Defence and Mobility», den Innosuisse gemeinsam mit armasuisse lanciert hat – ein Konsortialprogramm mit einem Volumen von rund 20 Millionen Franken für Lösungen in den Bereichen Sicherheit, Verteidigung und Mobilität. Seit 2023 können Schweizer Umsetzungspartner bei internationalen Projekten zudem direkte Fördermittel erhalten, auch ausserhalb von Eurostars – ein Nachteil gegenüber ausländischen Partnern wurde damit beseitigt.
Vernetzung und Beratung: Mentoring, Innovation Booster, Guide
Wer noch keinen Hochschulkontakt hat oder den Einstieg vorbereitet, kann auf das Innovationsmentoring zurückgreifen: erfahrene Praktikerinnen und Praktiker begleiten KMU kostenlos bei Strategie und Gesuchsvorbereitung; über 95 Prozent der Unternehmen bewerten die Zusammenarbeit als hilfreich. Die Innovation Booster sind thematische Netzwerke, in denen radikale Ideen offen und kollaborativ entwickelt werden – die Mehrheit der dort entstandenen Ideen wird weiterverfolgt. Der Online-Innosuisse-Guide führt in wenigen Schritten zum passenden Förderangebot.
Praxisbeispiele: Was geförderte Projekte leisten
Wie Innosuisse-Förderung in der Praxis wirkt, zeigen zwei Beispiele: Im Innovationsprojekt CC.buzz.Score entwickelte die Customer Metrics AG mit Forschungsunterstützung eine KI-gestützte Analyse von Online-Kundenkommentaren, die messbar macht, wie kundenzentriert ein Unternehmen agiert – aus unstrukturiertem Feedback wird so ein Innovationstreiber. Das Lausanner Biotech-Unternehmen HAYA Therapeutics wiederum entwickelte mit Innosuisse-Unterstützung eine Technologieplattform, die Behandlungen für Menschen mit verschiedenen Erkrankungen ermöglichen soll – ein Beispiel dafür, wie aus Schweizer Grundlagenforschung international beachtete Therapieansätze entstehen. Weitere Beispiele reichen von nachhaltigem Beton-Recycling über 3D-gedruckte Kleidung bis zu einem Armband zur Erkennung von Bluthochdruck in der Schwangerschaft.
Fazit: So gelingt der Einstieg
Der pragmatische Weg für ein KMU sieht typischerweise so aus: zuerst über den Innosuisse-Guide das passende Instrument identifizieren, bei Bedarf ein kostenloses Innovationsmentoring in Anspruch nehmen, mit einem Innovationsscheck (15’000 Franken) die Machbarkeit prüfen und darauf aufbauend ein Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner einreichen. Start-ups steigen über das Initial Coaching ein. Wichtig für den Erfolg: einen echten Forschungsanteil nachweisen, den Stand der Technik sauber mit Literatur belegen und die Wertschöpfung für die Schweiz konkret quantifizieren. Die Gesuchseingabe erfolgt über die Online-Plattform Innolink.
Quellen, Direktlinks und Ansprechstellen
Primärquellen (Innosuisse offiziell)
- Innosuisse Startseite: https://www.innosuisse.admin.ch
- Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner: https://www.innosuisse.admin.ch/de/innovationsprojekte-mit-umsetzungspartner
- Innovationsscheck (Vorstudien bis CHF 15’000): https://www.innosuisse.admin.ch/de/innovationsscheck
- Start-up Coaching (Initial / Core / Scale-up): https://www.innosuisse.admin.ch/de/start-up-coaching-fur-start-up
- Initial Coaching im Detail: https://www.innosuisse.admin.ch/de/initial-coaching-fur-start-up
- Geschäftsbericht 2025 (Zahlen, Budget, Wirkung): https://www.innosuisse.admin.ch/de/geschaeftsbericht-2025
- Häufig gestellte Fragen (FAQ): https://www.innosuisse.admin.ch/de/haeufig-gestellte-fragen
- Gesuchsplattform Innolink (Eingabe und Verwaltung von Anträgen): https://innolink.innosuisse.ch
Weiterführende offizielle Informationen
- SBFI – Übersicht zu Innosuisse (Bundessicht, strategische Ziele): https://www.sbfi.admin.ch/de/innosuisse-schweizerische-agentur-fuer-innovationsfoerderung
- SBFI-Medienmitteilung zu den strategischen Zielen 2025: https://www.sbfi.admin.ch/de/newnsb/v-gp8aEkhUDQkphIXr4GE
- Rechtsgrundlage: Innosuisse-Beitragsverordnung vom 26. Oktober 2022 (SR 420.231), abrufbar über https://www.fedlex.admin.ch
Unabhängige Praxis-Guides (Sekundärquellen)
- Überblick Innosuisse-Förderung für Start-ups: https://www.startupschwiiz.ch/finanzierung/innosuisse-foerderung
- Die 40–60%-Co-Finanzierungsregel im Detail: https://www.startupschwiiz.ch/finanzierung/innovationsprojekte-umsetzungspartner-40-60
- Innovationsförderung Schweiz 2026 (inkl. kantonale Vouchers, BRIDGE, EU): https://www.startupschwiiz.ch/finanzierung/innovationsfoerderung-schweiz
Ansprechstellen
- Allgemeiner Kontakt: über das Kontaktformular auf https://www.innosuisse.admin.ch (Rubrik «Contact»)
- Fragen zu Innovationsprojekten / neuen Forschungspartnern: innoprojects@innosuisse.ch
- Postadresse: Innosuisse – Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, Einsteinstrasse 2, 3003 Bern
- Regionale Erstberatung: Innovationsmentorinnen und -mentoren (Vermittlung über Innosuisse) sowie kantonale Standortförderungen (z. B. Hightech Zentrum Aargau, Innovaud, BaselArea, Greater Zurich Area)
Hinweis: Förderbeträge, Quoten und Ausschreibungsfristen werden laufend angepasst. Vor einer Gesuchseingabe die aktuellen Konditionen direkt bei Innosuisse prüfen. Stand des Artikels: Juli 2026.







