Bitcoin und Kryptowährungen sind in der Schweiz endgültig im Mainstream angekommen. Das zeigt die neue Studie «Kryptoanlagen in der Schweiz 2026» der Hochschule Luzern (HSLU) in Zusammenarbeit mit der Luzerner Kantonalbank. Demnach besitzen inzwischen 18 Prozent der Schweizer Bevölkerung Bitcoin oder andere Kryptoanlagen – so viele wie nie zuvor.
Kryptowährungen setzen ihren Siegeszug fort
Noch vor wenigen Jahren galten Bitcoin und digitale Vermögenswerte als Nischenanlage für technikaffine Investoren. Heute sieht das Bild deutlich anders aus.
Laut der repräsentativen HSLU-Studie stieg der Anteil der Krypto-Investoren innerhalb eines Jahres von 16 auf 18 Prozent. Im Vergleich zu 2024, als lediglich 11 Prozent der Bevölkerung investiert waren, entspricht dies einem bemerkenswerten Wachstum. Hochgerechnet kamen allein im vergangenen Jahr rund 140’000 neue Krypto-Investoren in der Schweiz hinzu.
Die Zahlen zeigen eindrücklich, dass digitale Vermögenswerte längst ein fester Bestandteil der Schweizer Anlagelandschaft geworden sind.
Die Mehrheit bleibt dennoch vorsichtig
Trotz der positiven Entwicklung ist die grosse Mehrheit weiterhin zurückhaltend.
Rund 70 Prozent der Befragten können sich aktuell keinen Einstieg oder Wiedereinstieg in den nächsten zwei Jahren vorstellen. Gleichzeitig zeigt die Studie jedoch einen interessanten psychologischen Effekt: Wer bereits Kryptowährungen besitzt, plant häufig weitere Käufe.
Knapp 60 Prozent der heutigen Krypto-Investoren möchten ihre Positionen in den kommenden zwei Jahren ausbauen. Bereits investiert zu sein, ist laut der Studie der stärkste Indikator für zukünftige Käufe – stärker als Alter, Einkommen oder Geschlecht.
Vertrauen schlägt Gebühren
Eine der spannendsten Erkenntnisse betrifft die Wahl des Anbieters.
Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass möglichst tiefe Gebühren entscheidend sind. Das Entscheidungsexperiment der HSLU kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis:
Vertrauen ist wichtiger als der Preis.
Selbst eine Verdoppelung der Depotgebühren hatte nur einen geringen Einfluss auf die Anlageentscheidung. Deutlich wichtiger war hingegen die Frage, wer die Kryptowährungen verwahrt.
Banken – insbesondere etablierte Kantonalbanken – geniessen bei Schweizer Anlegern ein deutlich höheres Vertrauen als reine Kryptoplattformen. Für traditionelle Finanzinstitute eröffnet sich damit ein enormes Wachstumspotenzial.
Schweizer Banken können profitieren
Auch beim Thema Beratung zeichnet sich ein klarer Trend ab.
Rund 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung würden eine Beratung zu Bitcoin und Kryptowährungen durch ihre Hausbank in Anspruch nehmen. Besonders gross ist das Interesse bei jüngeren Generationen:
- Generation Z: 27 Prozent
- Millennials: 21 Prozent
Vor allem Menschen ohne bisherige Krypto-Erfahrung nennen fehlendes Wissen als grösstes Hindernis für einen Einstieg. Für Banken bedeutet dies eine Chance, sich als vertrauenswürdige Informations- und Beratungsstelle zu positionieren.
Viele Anleger kaufen erst während einer Hausse
Ein weiteres Ergebnis dürfte erfahrene Bitcoin-Investoren kaum überraschen.
Die Studie zeigt, dass viele Schweizer genau dann investieren, wenn die Medienberichterstattung besonders intensiv ist und der Bitcoin-Kurs bereits stark gestiegen ist – beispielsweise während der Rallye 2020/2021 oder der ETF-getriebenen Aufwärtsbewegung 2024 und 2025.
Dieses sogenannte prozyklische Anlageverhalten erhöht das Risiko, nahe am Markt-Hoch einzusteigen und spätere Kursverluste zu erleiden.
Gleichzeitig weist die Studie auf einen sogenannten Survivorship Bias hin: Erfolgreiche Anleger bleiben häufiger investiert, während Personen mit Verlusten den Markt eher wieder verlassen.
Ein Reifeprozess für den Schweizer Kryptomarkt
Die HSLU-Studie macht deutlich, dass Bitcoin und Kryptowährungen in der Schweiz eine neue Entwicklungsstufe erreicht haben.
_Während früher vor allem technologische Innovation und hohe Renditechancen im Vordergrund standen, gewinnen heute Themen wie Regulierung, Sicherheit, Verwahrung und professionelle Beratung zunehmend an Bedeutung.
Mit einer Adoptionsrate von 18 Prozent gehört die Schweiz weiterhin zu den fortschrittlichsten Kryptomärkten Europas. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch, dass noch erhebliches Wachstumspotenzial besteht – insbesondere durch Aufklärung, vertrauenswürdige Anbieter und die zunehmende Integration von Kryptowährungen in den klassischen Finanzsektor.
Fazit
Die aktuelle HSLU-Studie liefert ein klares Signal: Kryptowährungen haben sich in der Schweiz etabliert. Zwar bleibt ein Grossteil der Bevölkerung noch skeptisch, doch die Zahl der Investoren wächst kontinuierlich.
Für Banken, Vermögensverwalter und die Schweizer Kryptoindustrie bedeutet dies eine grosse Chance. Wer Vertrauen schafft, verständliche Beratung anbietet und sichere Lösungen entwickelt, dürfte von der nächsten Wachstumsphase des Schweizer Kryptomarktes besonders profitieren.







