Der Wettlauf um regulierten Krypto-Zugang in den USA hat ein neues Kapitel: Grayscale hat mit dem Hyperliquid Staking ETF (Ticker: HYPG) am 3. Juni 2026 an der Nasdaq einen Fonds lanciert, der Anlegerinnen und Anlegern direkten Zugang zum HYPE-Token verschafft – inklusive der Staking-Erträge, die das Hyperliquid-Netzwerk generiert. Der neue Fonds bietet Investoren Zugang zu HYPE, dem nativen Token des Hyperliquid-Protokolls, während er gleichzeitig versucht, Staking-Erträge einzufangen, die durch aktive Teilnahme am Staking-Prozess des Netzwerks entstehen.
Was ist überhaupt Hyperliquid?
Hyperliquid ist eine dezentrale Derivate-Börse, auf der Nutzer Perpetual Futures onchain handeln können. Anders als ein klassischer Krypto-ETF, der einfach einen Token hält, partizipiert HYPG am Staking-Mechanismus von Hyperliquid: Gestaktes HYPE hilft dabei, das Netzwerk zu sichern, und die daraus erzielten Erträge fliessen nach Abzug von Gebühren in den Nettoinventarwert des ETF. Das Protokoll selbst ist alles andere als ein Nischenprodukt: Hyperliquid ist ein DeFi-Protokoll mit hohen Umsätzen, dessen gebührenbasiertes Token-Buyback-Modell von einigen Analysten als zentraler Baustein für die On-Chain-Marktinfrastruktur angesehen wird.
Warum Staking im ETF-Mantel ein Unterschied macht
Das ist der eigentliche Clou des Produkts – und gleichzeitig der Punkt, der für Schweizer Leserinnen und Leser am erklärungsbedürftigsten ist. Bei einem „normalen“ Spot-ETF kauft der Fonds einfach den Basiswert und hält ihn. Bei einem Staking-ETF wird der Basiswert zusätzlich aktiv im Netzwerk eingesetzt, um Erträge zu generieren – vergleichbar mit einem Sparkonto, das neben dem reinen Vermögenswert auch noch Zinsen abwirft.
Konkretes Beispiel: Würde HYPG lediglich HYPE halten, ohne zu staken, würde die Wertentwicklung ausschliesslich vom Kursverlauf des Tokens abhängen. Da der Fonds aber staket, kommt eine zweite Ertragsquelle hinzu. HYPE-Staking-Erträge lagen historisch im Schnitt bei rund 2,2 bis 2,3 Prozent pro Jahr. Auf einen Anlagebetrag von 10’000 Franken hochgerechnet, entspräche das – rein illustrativ und ohne Berücksichtigung von Kursschwankungen oder Gebühren – einem zusätzlichen Ertrag von etwa 220 bis 230 Franken pro Jahr, der direkt in den Nettoinventarwert des Fonds einfliesst, statt an die Anleger separat ausgezahlt zu werden. Genau dieser Mechanismus ist wichtig zu verstehen: Die Erträge gehen an den Fonds, nicht direkt an die Investoren als Cashflow.
Dem stehen aber reale Risiken gegenüber, die bei klassischen ETFs keine Rolle spielen: Wenn ein Fonds seinen Basiswert staket, unterliegt der Token den allgemeinen Risiken des Stakings. Staking erfordert, dass der Fonds den Token für die vom Staking-Protokoll vorgegebene Zeitdauer sperrt, wodurch er während dieser Zeit nicht verkauft oder übertragen werden kann und somit illiquide wird. Während dieser Sperrfrist kann der Fonds nicht auf Kursbewegungen reagieren – ein Nachteil, den klassische, nicht-gestakte ETFs nicht haben.
Der Preiskampf unter den US-Hyperliquid-ETFs
HYPG ist nicht der erste, sondern bereits der dritte US-Hyperliquid-Fonds innerhalb weniger Wochen. 21Shares‘ THYP startete am 12. Mai an der Nasdaq mit einer Gebühr von 0,30 Prozent, Bitwise‘ BHYP folgte drei Tage später an der NYSE mit einer Werbegebühr von 0 Prozent im ersten Monat, die danach auf 0,34 Prozent steigt. Grayscale positioniert sich mit seiner Gebühr klar als Preisführer: Grayscale launchte HYPG mit einer Sponsorengebühr von 0,29 Prozent und unterbietet damit die konkurrierenden Hyperliquid-Fonds von 21Shares und Bitwise.
Die Nachfrage nach diesen Produkten ist beachtlich: Hyperliquid-gebundene ETFs zogen im Mai über 132 Millionen US-Dollar an Nettomittelzuflüssen an – in einer Phase, in der sowohl Bitcoin- als auch Ether-ETFs Rekordabflüsse verzeichneten. Auch das Interesse von Privatanlegern ist sprunghaft gestiegen: Die Zahl der Trader, die HYPE folgen, ist in den vergangenen sieben Tagen um mehr als 1’600 Prozent gewachsen.
Warum Hyperliquid für institutionelle Anleger interessant ist
Hinter dem Hype steckt ein Protokoll mit realen Einnahmen. Grayscale-CEO Peter Mintzberg verwies auf rund 857 Millionen US-Dollar an Protokollgebühren, die Hyperliquid 2025 generierte, sowie auf ein rasant wachsendes Ökosystem permissionless 24/7-Märkte. Bemerkenswert dabei: Fast 99 Prozent dieser Einnahmen fliessen in HYPE-Rückkäufe – ein Modell, das die Netzwerknutzung direkt mit dem Wert des HYPE-Tokens verknüpft.
Wichtiger Hinweis zu den Risiken
HYPG ist kein klassisches, nach dem Investment Company Act von 1940 reguliertes Produkt und unterliegt damit nicht denselben Schutzmechanismen wie klassische ETFs oder Anlagefonds. Eine Investition gilt als spekulativ und hochvolatil, ein Totalverlust ist möglich. Wer in HYPG investiert, investiert nicht direkt in HYPE, sondern in ein Fondsprodukt, dessen Wert vom Basiswert abhängt, aber strukturell davon getrennt ist. Dies ist keine Anlageempfehlung – wer sich für ein solches Produkt interessiert, sollte den aktuellen Prospekt lesen und sich an eine Fachperson wenden.
Quellen:
- Grayscale Investments – Pressemitteilung zum HYPG-Launch (GlobeNewswire, 3. Juni 2026)
- Grayscale offizielle HYPG-Produktseite
- The Block – „Grayscale gets behind the hype, launching its HYPG Hyperliquid ETF on Nasdaq“
HYPE-ETP von 21Shares: Der Hyperliquid-Hype trifft auf regulierte Märkte







