Bitcoin-Mining, KI-Training und Cloud-Computing haben eines gemeinsam: Sie brauchen gewaltige Mengen Strom – und dieser Strom kommt aus Rechenzentren, die irgendwo physisch gebaut werden müssen. In den USA boomt dieser Bausektor derzeit wie nie zuvor. Doch wer steht eigentlich hinter diesen Projekten? Wer profitiert, wer bezahlt die Rechnung – und welche Politiker geben grünes Licht? Genau hier setzt das Projekt PoweredByWho an, mit seiner interaktiven Projektkarte unter poweredbywho.com/map.
Was die Karte zeigt
PoweredByWho ist ein unabhängiges, werbefreies Rechercheprojekt, das öffentlich zugängliche Akten zu Rechenzentrumsprojekten in den USA sammelt und visualisiert. Die Karte erfasst aktuell 2’116 Rechenzentren in 46 US-Bundesstaaten mit einer angemeldeten Gesamtkapazität von 56,9 Gigawatt. Zum Vergleich: Das entspricht ungefähr der gesamten installierten Stromerzeugungsleistung der Schweiz – mehrfach.
Jeder Standort wird als Punkt auf der Karte dargestellt, dessen Grösse die Megawatt-Kapazität widerspiegelt. Über Farbcodes lässt sich der Projektstatus ablesen: gebaut, im Bau, genehmigt, angekündigt, geplant oder umstritten. Nutzer können zusätzlich filtern nach:
- Status (z. B. nur umstrittene oder bereits gebaute Projekte)
- Grösse (Schwellenwert ab 200 MW)
- Wasserverbrauch – ein zentraler Faktor, da Kühlsysteme grosser Rechenzentren enorme Mengen Wasser benötigen
- Zusatzlayer wie Schulen oder Wasserinfrastruktur in der Nähe
Klickt man auf einen einzelnen Punkt, öffnet sich ein vollständiges Dossier: Entwickler, Kapazität, Quellendokumente und – besonders bemerkenswert – die involvierten Lokalpolitiker, die das Projekt genehmigt haben oder genehmigen sollen.
Warum das für die Bitcoin- und Krypto-Community relevant ist
Auf den ersten Blick wirkt das Thema wie reine US-Innenpolitik. Tatsächlich betrifft es aber direkt die Infrastruktur, auf der ein erheblicher Teil des globalen Bitcoin-Minings und der KI-Rechenleistung läuft:
- Standortwahl folgt dem Strompreis. Viele der grössten Mining- und KI-Rechenzentren entstehen genau in jenen US-Bundesstaaten, die auf der Karte als Hotspots auftauchen – dort, wo Strom günstig und Genehmigungsverfahren wohlwollend sind.
- Politischer Einfluss ist Teil des Geschäftsmodells. PoweredByWho dokumentiert über 312 Millionen US-Dollar an politischen Spenden im Umfeld dieser Projekte. Wer verstehen will, warum bestimmte Standorte trotz lokalem Widerstand genehmigt werden, findet hier die Geldspur.
- Ressourcenkonflikte werden öffentlich. Strompreise für Anwohner sind in betroffenen Regionen im Schnitt um rund 312 US-Dollar pro Jahr gestiegen – ein Effekt, der in der öffentlichen Debatte um Bitcoin-Mining und KI-Rechenzentren oft zu wenig sichtbar ist.
Ein konkretes Beispiel
Eines der grössten in der Karte verzeichneten Projekte ist das Stratos Hyperscale Data Center von O’Leary Digital in Box Elder County, Utah – mit einer geplanten Kapazität von 9’000 Megawatt und bereits erteiltem Baubewilligung. Zur Einordnung: Das entspricht der Leistung mehrerer grosser Kernkraftwerke, gebündelt an einem einzigen Standort, ausschliesslich für digitale Infrastruktur. Klickt man das Projekt auf der Karte an, lassen sich Genehmigungsdokumente und die zuständigen Behörden direkt einsehen – Transparenz, die in den meisten Ländern, auch in der Schweiz, für vergleichbare Anlagen schlicht nicht existiert.
Solche Fallbeispiele zeigen, weshalb dieses Tool auch für Schweizer Leser spannend ist: Es liefert ein Modell dafür, wie öffentliche Rechenschaft über Energieinfrastruktur aussehen könnte – ein Thema, das mit wachsendem Bitcoin-Mining und KI-Energiebedarf auch hierzulande relevanter wird.
Fazit
Die PoweredByWho-Karte macht etwas, das in der Diskussion um Energieverbrauch von Bitcoin und KI oft fehlt: sie verbindet Standortdaten, Geldflüsse und politische Verantwortlichkeit in einem einzigen, frei zugänglichen Werkzeug. Für alle, die sich mit der Energiefrage rund um Bitcoin-Mining und Rechenzentren beschäftigen, ist sie eine wertvolle Primärquelle – unabhängig recherchiert und ohne Industriegelder finanziert.
Quellen / Weitere und interessante Infos:
- PoweredByWho – Projektkarte
- PoweredByWho – Follow the Money (politische Ausgaben)
- PoweredByWho – Methodik & Über das Projekt







