Der afrikanische Stablecoin-Infrastrukturanbieter Yellow Card macht einen wichtigen Schritt nach Europa: Das Unternehmen hat in der Schweiz eine AML-Zulassung als beaufsichtigter Finanzintermediär erhalten. Damit kann Yellow Card über eine eigene Schweizer Tochtergesellschaft regulierte Dienstleistungen rund um virtuelle Vermögenswerte anbieten – ein Meilenstein für ein Unternehmen, das bislang vor allem als Stablecoin-Brücke zwischen Schwellenländern bekannt war.
Was genau wurde bewilligt?
Wichtig zum Verständnis: Es handelt sich nicht um eine klassische FINMA-Lizenz im Sinne einer Banken- oder Effektenhändlerbewilligung, sondern um eine AML-Affiliation – also die Anbindung an eine anerkannte Selbstregulierungsorganisation (SRO), wie sie in der Schweiz für Finanzintermediäre nach dem Geldwäschereigesetz (GwG) üblich ist. Damit unterliegt die neue Schweizer Tochtergesellschaft den hiesigen AML/KYC-Pflichten und kann als beaufsichtigte Gegenpartei für institutionelle und Firmenkunden auftreten.
Konkret bedeutet das: Banken, Finanzinstitute und Unternehmen können künftig über die Schweizer Einheit auf das globale Yellow-Card-Netzwerk zugreifen – inklusive Zahlungs- und Settlement-Infrastruktur in Afrika, Lateinamerika, den USA und weiteren Schwellenmärkten, abgewickelt über Stablecoins.
Lugano statt Zürich oder Zug
Bemerkenswert ist die Standortwahl: Yellow Card baut seine permanente Schweizer Präsenz nicht in den üblichen Krypto-Hochburgen Zug oder Zürich auf, sondern in Lugano, im Kanton Tessin. Lugano positioniert sich seit Jahren aktiv als Blockchain-Standort – unter anderem mit der Initiative „Plan ₿“, einer Zusammenarbeit mit dem Stablecoin-Emittenten Tether, und mit mittlerweile vier eigenen Blockchain-Bond-Emissionen (zuletzt CHF 100 Millionen). Die Stadt versucht damit gezielt, digitale Vermögenswerte-Unternehmen anzuziehen, und Yellow Card reiht sich nun in diese Strategie ein.
Geleitet wird die Schweizer Einheit von Olpha Bribech, einer französischen Juristin und Mitglied des Senior Managements von Yellow Card.
Warum das für Yellow Card Sinn ergibt
Die Schweizer Zulassung kommt nicht isoliert, sondern passt in eine längerfristige Strategie:
- Im November 2025 hat Yellow Card sein Retail-Geschäft (die App für Privatkunden) eingestellt, um sich vollständig auf das B2B-Infrastrukturgeschäft zu konzentrieren.
- Seither hat das Unternehmen Partnerschaften mit Schwergewichten wie Visa, Mastercard, Western Union, Thunes, MoneyGram und PayPal geschlossen.
- Yellow Card gilt als der grösste lizenzierte Stablecoin-Infrastrukturanbieter in Schwellenländern und hält unter anderem die erste je auf dem afrikanischen Kontinent vergebene VASP-Lizenz (Botsuana).
CEO Chris Maurice bringt die Logik so auf den Punkt: Stablecoins seien längst kritische Infrastruktur für globale Institutionen geworden, und genau dafür brauche es einen regulierten, beaufsichtigten Zugang. General Counsel Craig Stoehr ergänzt, dass die strengen Schweizer Regulierungsstandards kein Hindernis, sondern das Fundament für diese Expansion seien.
Einordnung: Was bedeutet das für die Schweizer Krypto-Szene?
Für die Schweiz ist das ein weiteres Signal, dass sich der Stablecoin-Sektor hier konsolidiert – nicht nur über klassische Krypto-Banken und FINMA-lizenzierte DLT-Handelsplätze wie BX Digital, sondern auch über internationale Infrastrukturanbieter, die hier einen regulierten Brückenkopf für den Zugang zu Schwellenmärkten suchen. Dass ausgerechnet Lugano statt Zug den Zuschlag erhält, unterstreicht zudem, dass sich im Tessin inzwischen ein eigenständiges, ernstzunehmendes Blockchain-Cluster etabliert hat.
Ob aus der AML-Affiliation mittelfristig eine umfassendere FINMA-Bewilligung wird, bleibt offen. Yellow Card selbst kündigt an, weiterhin gezielt Lizenzen und Bewilligungen in weiteren Märkten anzustrebe







