In der Schweizer Tech-Szene hat sich still, aber mit enormer Wucht ein neues Einhorn formiert: Phoeniqs. Das 12 Jahre alte Unternehmen aus der Schweiz hat sich von einem spezialisierten Infrastrukturbetreiber zu einem strategisch wichtigen Player für digitale Souveränität entwickelt und erreicht nach der jüngsten Finanzierungsrunde eine Bewertung von rund 1,2 Milliarden Franken. Damit gehört Phoeniqs offiziell zu den wenigen Schweizer Unicorns und positioniert sich als europäische Alternative zu den dominierenden US-Cloud-Anbietern.
Das Kernversprechen des Unternehmens ist radikal einfach und gleichzeitig politisch hochrelevant: volle Kontrolle über Daten, Infrastruktur und Rechenprozesse – ohne Abhängigkeit von US-Softwarekonzernen wie VMware. Während klassische Cloud-Infrastrukturen häufig unter dem US Cloud Act stehen und damit potenziell Datenzugriffe durch US-Behörden ermöglichen, setzt Phoeniqs auf eine eigene Software- und Betriebsarchitektur, die genau diese Abhängigkeit vermeiden soll. Damit bedient das Unternehmen einen wachsenden Trend rund um digitale Souveränität, Confidential Computing und europäische Datensicherheit.
Technologisch betreibt Phoeniqs sechs Rechenzentren in der Schweiz, darunter auch einen der wenigen kommerziell nutzbaren Supercomputer Europas in Basel. Besonders stark ist das Unternehmen im Bereich KI-Infrastruktur positioniert: Mit seiner AI-Plattform und dem Model Service ermöglicht es Unternehmen, KI-Anwendungen und Workloads vollständig innerhalb der Schweizer Jurisdiktion zu betreiben – ohne Datenabfluss und mit kontrollierter Skalierung.
Der wirtschaftliche Durchbruch kommt nun auch auf Kundenseite: Mit Sunrise konnte Phoeniqs einen grossen strategischen Partner gewinnen. Sunrise will künftig souveräne KI-Lösungen für Unternehmenskunden anbieten und betont dabei insbesondere die Kontrolle über Betriebssysteme sowie die lokale Engineering-Kompetenz in der Schweiz. Für Phoeniqs ist dieser Deal ein wichtiger Hebel, um sich im Enterprise-Markt breiter zu etablieren.
Auch bereits heute zählt das Unternehmen namhafte Kunden aus dem Schweizer Ökosystem, darunter Banken, Spitäler sowie staatliche Institutionen wie der Kanton Basel-Landschaft und die Staatskanzlei Basel-Stadt. Diese frühe Adoption im hochsensiblen öffentlichen und finanziellen Sektor unterstreicht die starke Positionierung im Bereich Compliance, Sicherheit und Vertrauen.
Gegründet wurde Phoeniqs von Thomas Taroni, Angel Nuñez und Carla Bünger, die zusammen mit dem Basler Anwalt Thomas Staehelin den Kern der Eigentümerstruktur bilden. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Gründer weiterhin die Mehrheit halten und damit strategische Unabhängigkeit sichern wollen. Die aktuelle Bewertung spiegelt nicht nur Wachstum wider, sondern auch den steigenden Druck auf Unternehmen, sich von US-zentrierten Cloud-Strukturen zu lösen.
Mit der nächsten Finanzierungsrunde im Blick verfolgt Phoeniqs ein klares Ziel: der führende souveräne Cloud- und AI-Anbieter Europas zu werden. In einem Markt, der zunehmend von geopolitischen Spannungen, Datenregulierung und KI-Disruption geprägt ist, könnte genau diese Positionierung entscheidend sein – und das Schweizer Einhorn zu einem der wichtigsten Infrastrukturakteure der nächsten Dekade machen.







