Glamsterdam steht vor der Tür – und es ist der grösste Umbau am Ethereum-Protokoll seit dem Merge 2022. Was bisher eher etwas für Entwickler war, wird jetzt auch für ETH-Halter und Nutzer relevant. Hier die wichtigsten Punkte, einfach erklärt.
Was ist Glamsterdam überhaupt?
Der Name ist eine Kombination aus zwei Teilen: „Gloas“ für die Consensus-Schicht (die Ebene, die festlegt, wer Blöcke vorschlagen darf) und „Amsterdam“ für die Execution-Schicht (die Ebene, die Transaktionen tatsächlich verarbeitet). Beide werden gleichzeitig aktualisiert – daher der grosse Umfang.
Das Wichtigste zuerst: Für ETH-Halter ändert sich nichts
Wer ETH einfach nur hält, muss nichts tun. Kontostände und Wallets bleiben unverändert, keine Software-Updates nötig. Vorsicht vor Betrügern, die behaupten, man müsse sein ETH „upgraden“ – das ist immer ein Scam.
Die zwei Kernstücke des Upgrades
1. ePBS – weniger Abhängigkeit von externen Anbietern
Heute entstehen die meisten Ethereum-Blöcke über MEV-Boost, eine externe Software ausserhalb des Protokolls. Das gilt als Zentralisierungsrisiko. Mit ePBS (EIP-7732) wird die Trennung von Blockvorschlag und Blockbau direkt ins Protokoll eingebaut – ohne externe Mittelsmänner. Gleichzeitig wird das Zeitfenster für Validatoren, Daten abzurufen, von etwa zwei auf rund neun Sekunden verlängert.
2. Parallele Verarbeitung statt Warteschlange
Bisher verarbeitet Ethereum Transaktionen nacheinander, wie eine Schlange an der Kasse. Mit Block-Level Access Lists (EIP-7928) gibt jeder Block schon vorab bekannt, auf welche Daten er zugreifen will. Dadurch können Nodes mehrere Transaktionen gleichzeitig statt nacheinander abarbeiten.
Was bringt das konkret?
- Das Gas-Limit pro Block soll von aktuell 60 Millionen auf bis zu 200 Millionen steigen
- Modellrechnungen sprechen von bis zu 10’000 Transaktionen pro Sekunde
- Einfache ETH-Überweisungen könnten bis zu 71 % günstiger werden
Wichtig: Das sind Modellwerte unter optimalen Bedingungen, keine Garantie. Wie stark sich das in der Praxis bemerkbar macht, hängt von der tatsächlichen Netzauslastung ab.
Ein Wermutstropfen: Datenspeicherung wird teurer
Während Rechenoperationen günstiger werden, steigen die Kosten für das Speichern von Daten direkt auf der Blockchain. Das verschiebt Anreize für Smart-Contract-Entwickler – Daten auf der Chain zu halten wird bewusst unattraktiver gemacht, um Nodes zu entlasten.
Wer muss aktiv werden?
Nur Validatoren und Node-Betreiber. Sie müssen vor der Aktivierung ihre Software (Consensus- und Execution-Layer-Clients) aktualisieren und sollten ihre Festplatten-Performance (IOPS) prüfen, da die parallele Verarbeitung mehr gleichzeitige Zugriffe erzeugt. Wer das verpasst, riskiert, den Anschluss ans Netzwerk zu verlieren.
Zeitplan: Wann kommt’s?
Das Devnet „Soldøgn“ wurde im Mai 2026 erfolgreich abgeschlossen. Aktuell laufen die letzten internen Testnetz-Phasen mit allen geplanten EIPs gemeinsam. Als nächstes folgen die öffentlichen Testnetze (u.a. Hoodi). Ein fixes Datum gibt es von der Ethereum Foundation nicht, aber Entwickler rechnen aktuell mit der zweiten Jahreshälfte 2026, realistisch wohl im dritten Quartal – Schätzungen reichen von September bis Dezember 2026. Ethereum-Core-Entwickler Parithosh Jayanthi bezeichnete Glamsterdam als wahrscheinlich grössten Fork seit dem Merge.
Danach steht mit „Hegotá“ bereits das nächste Upgrade in der zweiten Jahreshälfte 2026 an, das unter anderem die Node-Speicheranforderungen drastisch senken soll.
Fazit
Glamsterdam ist kein Update mit schickem neuem Knopf in der Wallet. Es ist ein Umbau unter der Haube: weniger Abhängigkeit von externen Akteuren, mehr Tempo durch Parallelverarbeitung, neue Kostenstruktur. Für die meisten ETH-Nutzer bleibt es vorerst unsichtbar – langfristig soll es Ethereum aber wieder zu einer leistungsfähigeren Basisschicht machen, nachdem der Fokus jahrelang auf Layer-2-Lösungen lag.







