Di.. Okt. 13th, 2026

Die Universität Cambridge mischt sich tief in die Debatte um Kryptowährungen, Stablecoins und digitales Zentralbankgeld ein. Über das Cambridge Centre for Alternative Finance (CCAF) läuft seit März 2022 ein mehrjähriges Forschungsprogramm, das sich der rasanten Digitalisierung von Vermögenswerten und Zahlungssystemen widmet: das Cambridge Digital Assets Programme (CDAP).

Für Schweizer Krypto-Beobachter ist das Programm aus zwei Gründen relevant: Erstens, weil seine Ergebnisse direkten Einfluss auf die globale Regulierungsdebatte nehmen dürften. Zweitens, weil die Liste der unterstützenden Institutionen praktisch ein Who’s-who der traditionellen Finanzwelt ist – inklusive der grossen Zahlungsnetzwerke Visa und Mastercard.

Worum geht es beim CDAP?

Das CDAP baut auf der bisherigen Arbeit des CCAF auf, das bereits seit Jahren Bitcoin-Mining-Daten und Krypto-Marktanalysen veröffentlicht. Ziel des neuen Programms ist es, Datensätze, digitale Werkzeuge und Erkenntnisse bereitzustellen, die eine ausgewogene öffentliche Diskussion über Chancen und Risiken des wachsenden Ökosystems digitaler Vermögenswerte ermöglichen sollen. Die Forschungsresultate sollen dabei evidenzbasierte Politikgestaltung und Regulierung unterstützen – und werden konsequent unter einer permissiven Lizenz veröffentlicht, damit Dritte sie frei nutzen können.

Das Programm gliedert sich in drei thematische Forschungsschwerpunkte:

1. Klimaaspekte digitaler Assets

Hier geht es um die ökologischen Auswirkungen und ESG-Fragen rund um digitale Vermögenswerte – ein Thema, das angesichts der anhaltenden Debatte um den Energieverbrauch von Bitcoin-Mining besonders brisant ist. Das CCAF hat dazu bereits eigene Analysen veröffentlicht, die zeigen, dass die Umweltbilanz von Bitcoin komplexer ist als die reine Diskussion um den Stromverbrauch vermuten lässt.

2. Distributed Financial Market Infrastructure (dFMI)

Dieser Strang befasst sich mit der sich wandelnden Infrastruktur der Finanzmärkte – also Netzwerken, Plattformen, Anwendungen und Dienstleistungen, die im Zuge der Tokenisierung und Distributed-Ledger-Technologie entstehen.

3. Emergent Money Systems

Der dritte Schwerpunkt nimmt die „Asset-Seite“ des Ökosystems unter die Lupe: Kryptoassets, Stablecoins, Central Bank Digital Currencies (CBDCs) sowie unternehmens- und konsumentenbezogene Token.

Warum das Programm wichtig ist

Drei Punkte machen das CDAP besonders relevant für die Krypto-Branche:

  • Politik-Einfluss: Das erklärte Ziel ist, Regulierungsbehörden und Gesetzgeber weltweit mit unabhängigen, akademisch fundierten Daten zu versorgen. Wer die regulatorische Zukunft von Bitcoin, Stablecoins und CBDCs verstehen will, sollte die Forschungsergebnisse dieses Programms im Auge behalten.
  • Freier Datenzugang: Da alle Ergebnisse offen lizenziert veröffentlicht werden, profitieren auch unabhängige Marktteilnehmer, Journalisten und kleinere Research-Teams von den Daten – nicht nur grosse Institutionen.
  • Brückenfunktion zwischen Industrie und Wissenschaft: Das CCAF betont ausdrücklich, dass die Förderer zwar inhaltliches Feedback geben dürfen, die akademische Unabhängigkeit und die finale Entscheidungsgewalt über die Forschung aber beim CCAF-Team verbleibt. Das soll die Glaubwürdigkeit der Resultate sichern, während die Praxisrelevanz durch den engen Austausch mit der Industrie gewährleistet bleibt.

Wer steht hinter dem CDAP?

Bemerkenswert ist die breite Abstützung des Programms: 14 öffentliche und private Institutionen aus dem Finanzsektor unterstützen das CDAP und liefern über vierteljährliche Steuerungssitzungen sowie gemeinsame Arbeitsgruppen inhaltliche Impulse. Zu den Gründungsförderern zählen:

  • Zahlungsnetzwerke: Visa, Mastercard
  • Banken und Finanzdienstleister: Goldman Sachs, NatWest, Fidelity, Invesco
  • Marktinfrastruktur: DTCC, Euroclear, MSCI
  • Beratung & Wirtschaftsprüfung: EY
  • Internationale Organisationen: Bank for International Settlements (BIS) Innovation Hub, Internationaler Währungsfonds (IMF), Weltbank, Inter-American Development Bank (IDB)
  • Staatliche Stellen und Entwicklungsinstitutionen: British International Investment (BII), Dubai International Financial Centre (DIFC), UK Foreign, Commonwealth & Development Office (FCDO), SECO (Schweiz)

Dass mit Visa und Mastercard gleich beide dominanten globalen Zahlungsnetzwerke beteiligt sind, unterstreicht, wie ernst die etablierte Finanzindustrie das Thema digitale Assets inzwischen nimmt. Auch die Beteiligung der Schweiz über das SECO (Staatssekretariat für Wirtschaft) zeigt, dass die Schweizer Verwaltung an vorderster Front bei der internationalen Krypto-Regulierungsdebatte mitwirken will.

Fazit

Das Cambridge Digital Assets Programme positioniert sich als neutrale Wissensquelle in einem Feld, das sonst stark von Partikularinteressen geprägt ist. Mit einer derart breiten Unterstützerbasis – von Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard bis zu internationalen Institutionen wie IWF und Weltbank – dürfte das Programm in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der globalen Debatte um die Regulierung von Krypto-Assets, Stablecoins und CBDCs spielen. Für die Schweizer Krypto-Szene lohnt sich ein Blick auf die kommenden Publikationen des CCAF, zumal auch das SECO als Förderer beteiligt ist.

Quelle:

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch