Die Deutsche Börse Group, eine der bedeutendsten Marktinfrastrukturen Europas mit über 16.000 Mitarbeitenden an 64 Standorten weltweit, hat ihre IT-Sicherheitsarchitektur grundlegend modernisiert. In einem neun Monate dauernden Transformationsprojekt wurde gemeinsam mit dem Cybersecurity-Spezialisten Zscaler eine vollständige Zero-Trust-Infrastruktur aufgebaut – und das Ergebnis lässt aufhorchen.
Warum Zero Trust? Das Ende der Perimeter-Sicherheit
Klassische Netzwerksicherheit basiert auf dem Prinzip, dass alles innerhalb eines Unternehmensnetzwerks als vertrauenswürdig gilt. Doch diese Annahme ist in einer Welt von Cloud-Diensten, Remote-Work und verteilten Rechenzentren längst überholt. Die Deutsche Börse betrieb jahrelang eine auf physischen Firewalls, MPLS-Netzwerken und VPN-Appliances basierende Infrastruktur – mit den typischen Schwächen: hohe Latenzen, komplexe Administration und ein breites Angriffspotenzial.
Lars Bolanca, Head of Corporate IT der Deutsche Börse Group, bringt die Herausforderung auf den Punkt:
„Wir navigieren die Spannung zwischen Innovation, Skalierbarkeit, Regulierung und Sicherheit. Der Zero-Trust-Ansatz ermöglicht es uns, die Balance zwischen technologischem Wandel und organisatorischer Resilienz zu finden.“
Die drei Phasen der Transformation
Phase 1: Direkter Internet-Zugang ohne Umwege
Der erste Schritt war der Ersatz des zentralisierten, auf Frankfurt ausgerichteten Internet-Traffics. Bisher musste sämtlicher Datenverkehr von allen Standorten durch das Frankfurter Rechenzentrum geschleust werden – mit entsprechenden Latenzen und Engpässen. Mit der Einführung von Zscaler Internet Access (ZIA) als Secure Web Gateway erhält jeder Nutzer weltweit direkten, lokal inspizierten Internetzugang über eines von mehr als 160 Edge-Standorten von Zscaler. Der Effekt: 97% schnellere Konnektivität global.
Phase 2: VPNs abschalten, Zero-Trust-Zugang aktivieren
Im zweiten Schritt wurden sämtliche VPN-Appliances abgelöst. An ihre Stelle trat Zscaler Private Access (ZPA): Interne Anwendungen – gehostet auf der Google Cloud Platform – sind nun komplett hinter der Zero-Trust-Exchange verborgen und über keine öffentliche IP-Adresse mehr erreichbar. Nutzer werden direkt mit genau jenen Applikationen verbunden, für die sie berechtigt sind – kein Netzwerkzugang im klassischen Sinn mehr, keine laterale Bewegung von Angreifern möglich.
Besonders interessant für SAP-Nutzer: Zscaler ist der weltweit erste und einzige SAP-zertifizierte Zero-Trust-Zugriffspartner, mit nativer Integration in SAP Private Cloud Edition (Teil von RISE with SAP). Die Deutsche Börse profitiert damit auch für ihre ERP-Systeme von identitätsbasierter Zugriffskontrolle ohne zusätzliche Hardware-Abhängigkeiten.
Phase 3: Sichtbarkeit schaffen mit KI-gestütztem Experience Monitoring
Eine Zero-Trust-Architektur darf kein „Black Box“ sein. Deshalb wurde ergänzend Zscaler Digital Experience (ZDX) eingeführt: Das Tool liefert End-to-End-Transparenz vom Nutzergerät über den lokalen Internetanbieter bis zur Applikation – in nahezu Echtzeit. KI-gestützte Root-Cause-Analyse identifiziert Verbindungsprobleme und schlägt Lösungen vor, bevor diese den Nutzer beeinträchtigen.
Die Zahlen sprechen für sich
- ✅ 100% der internen Applikationen durch Zero Trust geschützt
- ✅ 97% schnellere globale Konnektivität
- ✅ 33.000+ Bedrohungen pro Quartal geblockt
- ✅ 1,8 Milliarden Transaktionen pro Quartal über die Zscaler-Plattform
- ✅ 152 TB Traffic inspiziert, 8 Millionen Policy-Verstösse verhindert
- ✅ Verbindungszeit: von bis zu 30 Sekunden auf unter 1 Sekunde reduziert
Was das für die Finanzbranche bedeutet
Die Deutsche Börse operiert im Hochrisikoumfeld der globalen Kapitalmärkte – rund um die Uhr, rund um den Globus. Regulatorische Anforderungen wie DORA (Digital Operational Resilience Act) machen robuste Cybersecurity-Architekturen zur Pflicht, nicht zur Kür. Das Modell, das die Deutsche Börse mit Zscaler umgesetzt hat, gilt in der Branche bereits als Blueprint für andere komplexe Finanzinstitute.
Nataliia Iskra, Head of IT Security, fasst es so zusammen:
„Gemeinsam mit Zscaler haben wir eine Zero-Trust-Architektur auf Enterprise-Ebene aufgebaut, die als FSI-Blueprint auch für komplexe Einheiten mit regulierten und nicht-regulierten Geschäftsbereichen gilt.“
Ausblick: Datenschutz und KI
Der nächste Schritt ist bereits geplant: Die Deutsche Börse erweitert ihre Zscaler-Implementierung um die Zscaler Data Security Platform, die sensible Markt-, Post-Trade- und Teilnehmerdaten lückenlos schützt – unabhängig davon, ob sie sich in Bewegung (in-motion) oder in Ruhe (at-rest) befinden. Gleichzeitig soll die Plattform helfen, KI-Technologien verantwortungsvoll einzusetzen, ohne die Datenkontrolle zu verlieren.
„Zscaler hilft uns, disruptive Technologie zu nutzen“
so Lars Bolanca.
Fazit: Die Deutsche Börse Group zeigt, wie selbst hochregulierte, systemkritische Finanzinfrastrukturen den Sprung in eine Cloud-first, Zero-Trust-Welt schaffen können. Für den Schweizer Finanzplatz – mit seiner eigenen Dichte an regulierten Instituten – dürfte dieses Beispiel wegweisend sein.







