Der Kostendruck auf die IT-Abteilungen der Schweizer Retailbanken nimmt weiter zu. Steigende regulatorische Anforderungen, die fortschreitende Digitalisierung sowie der Bedarf an modernen IT-Infrastrukturen führen dazu, dass die Ausgaben für Technologie laufend wachsen. Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern zeigt nun, wie Banken auf diese Herausforderung reagieren und welche Strategien sie zur Senkung ihrer IT-Betriebskosten verfolgen.
Für die Untersuchung befragten Forschende des Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ insgesamt 42 Schweizer Retailbanken zu den grössten Herausforderungen im Bereich IT-Sourcing. Dabei wurde deutlich, dass die Kostenfrage für die Institute das wichtigste Thema darstellt. Zwei Drittel der Banken bewerten die Kostenbelastung als sehr grosse Herausforderung, während das verbleibende Drittel sie immerhin als gross einschätzt.
Anstatt jedoch primär auf Stellenabbau zu setzen, verfolgen die Banken vor allem Massnahmen zur Steigerung der Effizienz. Rund 90 Prozent der befragten Institute wollen ihre Prozesse stärker automatisieren und optimieren. Automatisierung gilt dabei als der wichtigste Hebel, um langfristig Kosten einzusparen und gleichzeitig die Qualität der Dienstleistungen zu verbessern.
Fast ebenso bedeutend sind Kooperationen mit anderen Banken und Technologiepartnern. 86 Prozent der Institute setzen auf gemeinsame Plattformen und Infrastrukturen, um von Skaleneffekten zu profitieren. Die Studie zeigt damit, dass viele Banken nicht mehr jede technische Lösung selbst betreiben wollen, sondern verstärkt auf gemeinsame Systeme und standardisierte Dienstleistungen setzen.
Auch die Vereinfachung der IT-Landschaft spielt eine wichtige Rolle. Fast zwei Drittel der Banken wollen ihre Systeme standardisieren und komplexe Strukturen abbauen. Dadurch sollen Wartungskosten reduziert und die Integration neuer Technologien erleichtert werden.
Überraschend zurückhaltend zeigen sich die Banken beim Personalabbau. Nur 40 Prozent der befragten Institute sehen darin eine Möglichkeit zur Kostensenkung. Ebenso viele nennen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz als Instrument zur Effizienzsteigerung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Banken vor allem bestehende Prozesse verbessern wollen, statt durch einschneidende Personalmassnahmen kurzfristig Kosten zu reduzieren.
Cloud-Dienste und zusätzliche Sourcing-Partnerschaften spielen dagegen eine eher ergänzende Rolle. Lediglich rund ein Drittel der befragten Institute plant einen stärkeren Ausbau dieser Bereiche. Viele Banken scheinen hier einen vorsichtigen Ansatz zu verfolgen, insbesondere aufgrund regulatorischer Anforderungen und Sicherheitsüberlegungen.
Die Studie macht deutlich, dass Schweizer Retailbanken den steigenden Kostendruck ernst nehmen, gleichzeitig jedoch auf nachhaltige und langfristige Lösungen setzen. Automatisierung, Standardisierung und Kooperationen stehen dabei klar im Vordergrund. Statt radikaler Sparprogramme bevorzugen die Institute einen schrittweisen Strukturwandel, der die Wettbewerbsfähigkeit stärken und die IT-Betriebskosten langfristig unter Kontrolle halten soll.






