Do.. Okt. 8th, 2026

Die Bitcoin-Landschaft in Großbritannien verändert sich. Lange Zeit galt das Land im Vergleich zu den USA oder anderen globalen Krypto-Hubs eher als zurückhaltend. Doch hinter den Kulissen tut sich etwas: Eine neue Generation von Unternehmern und Investoren schickt sich an, das Vereinigte Königreich zu einem führenden Zentrum für Bitcoin-Fintech zu machen.

In einer aktuellen Folge des Bitcoin Collective Podcasts sprach Ben, Mitbegründer von Antidote und Chief Strategy Officer bei ZBD, über seinen Weg vom Investmentbanking in die Bitcoin-Welt, die Herausforderungen beim Aufbau von Bitcoin-Unternehmen und seine Vision, die britische Gründerlandschaft zu revolutionieren.

Der Weg vom Investmentbanking zu Bitcoin und Gaming

Bens Karriereweg verlief alles andere als geradlinig. Nach Anfängen in der Videospielbranche und einem Ausflug in die Filmregie absolvierte er einen Master in Finanzen in Spanien und landete schließlich im Investmentbanking in London [01:42].

Im Jahr 2016 kam er das erste Mal mit Bitcoin in Berührung – und zwar nicht über einen Trading-Chart, sondern durch einen argentinischen Kollegen, der Bitcoin nutzte, um kostengünstig Geld in die Heimat zu senden [02:52]. Als früher Fan von Peer-to-Peer-Netzwerken wie BitTorrent machte es bei ihm sofort „Klick“: „Was BitTorrent für das Filesharing getan hat, das tut Bitcoin für das Geld.“ [03:13]

Nachdem er den ICO-Hype 2017 rechtzeitig vor dem Platzen der Blase verlassen hatte, begann er, sich tiefgehend mit der Ökonomie hinter Bitcoin zu beschäftigen [04:06]. Später wechselte er in den Venture-Capital-Bereich (VC) bei Lakesar in London, wo er primär in Gaming-Startups investierte, aber auch die Erlaubnis erhielt, eine fundierte Bitcoin-Investmentthese auszuarbeiten [05:16].

ZBD: Bitcoin im Gaming-Massenmarkt

Während seiner Zeit im VC-Bereich stieß Ben auf ZBD (Zebedee), ein Unternehmen, das das Bitcoin-Lightning-Netzwerk direkt in Videospiele integriert [05:52]. Die Vision faszinierte ihn so sehr, dass er schließlich als Chief Strategy Officer fest einstieg [06:15].

ZBD löst ein fundamentales Problem der Gaming-Industrie: Zahlungsinfrastruktur. Bisher müssen Spieleentwickler enorme Margen (oft bis zu 30 %) an Plattformen wie Apple, Google oder Sony abtreten. Mit der API-Technologie von ZBD können Entwickler ihre eigenen Zahlungsströme kontrollieren und Geld nahtlos in das Spielerlebnis einbetten [15:05].

Ein bekanntes Beispiel aus der Praxis war die Modifikation des Kult-Shooters Counter-Strike: Wenn Spieler Gegner eliminierten, ließen diese physische Münzen im Spiel fallen, die beim Einsammeln echte Satoshis auf das Smartphone des Spielers transferierten [12:53]. Für den Massenmarkt konzentriert sich ZBD mittlerweile stark auf Mobile Gaming – wie das erfolgreiche Spiel Bitcoin Miner, dessen Entwickler ihren Umsatz durch die Integration von ZBD vervielfachen konnten [14:18].

Glaubt Ben, dass große Spiele wie Fortnite bald Bitcoin statt eigener In-Game-Währungen (wie V-Bucks) nutzen werden? Kurzfristig eher nicht [16:46]. Spiele wollen oft ihre eigenen Fantasiewelten aufrechterhalten. Der wahre Durchbruch liegt laut Ben darin, dass Bitcoin und das Lightning-Netzwerk als unsichtbare Schienen (Rails) im Hintergrund fungieren, während die Spieler weiterhin mit Diamanten, Münzen oder Bananen interagieren [17:29].

Das Problem mit „Bitcoin-Unternehmen“: Projekt vs. Firma

Als Ben die globale Bitcoin-Szene analysierte, fiel ihm eine klaffende Lücke zwischen den USA und Großbritannien auf. Während in den USA hochentwickelte Bitcoin-Hubs (in Städten wie Nashville, San Francisco oder New York) Brücken zu Politik und Wirtschaft bauen, fehlte es der britischen Community oft an professioneller Struktur [25:45].

Zudem gibt es ein häufiges Missverständnis unter Bitcoin-Entwicklern: Der Unterschied zwischen einem Open-Source-Projekt und einem profitablen Unternehmen. [21:28]

„Viele herausragende Ingenieure bauen großartige, native Bitcoin-Tools, vergessen dabei aber das Geschäftsmodell. Venture Capital verlangt jedoch per Definition, dass man aus Geld mehr Geld macht. Die Welt zahlt ihre Mieten und Gehälter immer noch in Dollar oder Pfund.“ [20:43]

Weil viele klassische VCs das Skalierungspotenzial im reinen Bitcoin-Ökosystem nicht sehen, gründete Ben gemeinsam mit Partnern den Inkubator Antidote im Herzen von Londons traditionsreichem Viertel Hatton Garden [01:08], [19:24].

Antidote: Der „Y Combinator“ für Bitcoin in UK

Antidote versteht sich als Beschleuniger und Coach für die nächste Generation von Bitcoin-Gründern. Das Modell orientiert sich stark am bekannten US-Vorbild Y Combinator:

  • Kapital & Equity: Ausgewählte Startups erhalten $50.000 Startkapital im Tausch gegen eine Gründer-freundliche Beteiligung von 5 % [34:48].

  • Infrastruktur & Services: Kostenlose, hochmoderne Büroräume in London sowie umfassende operative Unterstützung [34:54].

  • Lehrplan: Ein 6-monatiges Programm, das Themen wie Customer Profiling, Go-to-Market-Strategien, MVP-Entwicklung, Pricing und Fundraising abdeckt [34:34].

Nach welchen Ideen sucht Antidote?

Das Spektrum ist bewusst breit gefächert, der Fokus liegt jedoch auf kommerziell tragfähigen Bitcoin-Fintech-Lösungen [35:58]:

  • Brückenlösungen, die regulierte Fiat-Schnittstellen (APIs) nahtlos mit Non-Custodial Bitcoin-Apps verbinden [36:05].

  • Bitcoin-basierte Kreditsysteme (z.B. Hypotheken) [36:39].

  • Agentic Commerce: KI-Agenten und Bots, die eigenständig im Internet einkaufen und dafür Bitcoin als natives digitales Geld nutzen [36:56].

  • Versicherungs- und Vererbungsprodukte für digitale Assets [37:15].

  • Intelligente, kommerzielle Anwendungen des Kommunikationsprotokolls Nostr (z.B. Nostr Wallet Connect) [37:34].

Nach einem erfolgreichen ersten Durchlauf im März (3 ausgewählte Teams aus 17 Bewerbungen) ist die Bewerbungsphase für die zweite Kohorte (Start im September) aktuell geöffnet [35:15]. Gesucht werden vor allem Gründer in einer sehr frühen Phase, die Biss, Durchhaltevermögen (Grit) und eine klare kommerzielle Vision mitbringen [38:52], [39:49].

Blick in die Zukunft: Der „Glühbirnen-Moment“ der Gesellschaft

Ben zeigt sich für die kommenden 5 bis 10 Jahre extrem optimistisch für den britischen Markt. Er prognostiziert einen gesellschaftlichen Wendepunkt, an dem auch traditionelle High-Street-Banken Bitcoin-Konten als Spar- und Anlagevehikel für das Mainstream-Portfolio anbieten werden [48:11].

Es ist vor allem eine Frage des Generationenwechsels: Wer heute unter 18 Jahre alt ist, kennt keine Welt mehr, in der Bitcoin nicht existiert hat [49:04]. Die anfängliche Skepsis weicht zunehmend einer pragmatischen Neugier.

Das Ziel für Antidote in den nächsten fünf Jahren steht fest: Der Katalysator zu sein, der die wichtigsten und erfolgreichsten Bitcoin-Unternehmen aus Großbritannien und Europa hervorbringt. [49:52]

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch