Di.. Okt. 13th, 2026

Die Vision war ambitioniert: Die Schweizerische Nationalbank sollte künftig neben Gold und Fremdwährungen auch Bitcoin halten. Doch nun scheint die sogenannte Bitcoin-Initiative in der Schweiz vorerst gescheitert zu sein. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, werden die Initianten ihre Kampagne wohl auslaufen lassen, nachdem deutlich zu wenige Unterschriften gesammelt wurden.

Für eine Volksabstimmung wären in der Schweiz 100’000 gültige Unterschriften notwendig gewesen. Laut Initiant Yves Bennaïm konnte bislang nur rund die Hälfte erreicht werden. Dennoch betont Bennaïm, dass die Kampagne aus seiner Sicht keineswegs ein Misserfolg sei.

In einer Mitteilung in der Telegram-Gruppe der Initiative erklärte er offen:

„Es gibt immer noch Umschläge, die in den Briefkasten kommen, aber es ist ehrlich zu sagen, dass wir bis Ende Juni die 100’000 nicht erreichen werden.“

Gleichzeitig kündigte er ein ausführliches „Post-Mortem“ der Kampagne an, das im Juni oder Juli veröffentlicht werden soll.

Besonders interessant ist jedoch die eigentliche Botschaft hinter seinem Statement. Laut Bennaïm sei das Sammeln der Unterschriften nie das einzige Ziel gewesen. Vielmehr habe die Initiative ermöglicht, direkt mit der Schweizerische Nationalbank, politischen Parteien, internationalen Medien sowie zahlreichen Einzelpersonen über Bitcoin, die Rolle der SNB und die Zukunft des Schweizer Frankens zu sprechen.

„Dies war eine erfolgreiche Kampagne, auch wenn die 100.000 Unterschriften sie nicht erfolgreich erscheinen lassen“

so Bennaïm sinngemäss. Die Frist bedeute zudem keineswegs das Ende der Idee. Man werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass die SNB Bitcoin halte — einfach nicht mehr im Rahmen einer Volksinitiative.

Die Schweizerische Nationalbank selbst blieb gegenüber der Idee skeptisch. Die SNB argumentiert seit Jahren, Kryptowährungen seien zu volatil und erfüllten die Anforderungen an Währungsreserven nicht. Zentralbankreserven müssten liquide, sicher und flexibel einsetzbar sein. Gerade die starken Kursschwankungen von Bitcoin gelten innerhalb klassischer Zentralbankkreise weiterhin als Hauptproblem.

Dennoch zeigt die Debatte, wie stark sich die Wahrnehmung von Bitcoin verändert hat. Noch vor wenigen Jahren wäre die Vorstellung, dass eine nationale Zentralbank öffentlich über Bitcoin-Reserven diskutiert, kaum denkbar gewesen. Heute beschäftigen sich weltweit immer mehr Institutionen mit digitalen Assets. Selbst die Tschechische Nationalbank experimentierte zuletzt mit kleineren Investments in Blockchain- und Kryptoanlagen.

Unterstützer der Initiative argumentieren zudem, Bitcoin könne langfristig eine geopolitisch neutrale Alternative zu Dollar- oder Euro-Reserven darstellen. Gerade für die Schweiz mit ihrer traditionellen Neutralität sei dieser Gedanke interessant. Bennaïm bezeichnete Bitcoin in diesem Zusammenhang als „international neutral — wie die Schweiz“.

Auch innerhalb der Schweiz dürfte das Thema nicht verschwinden. Die Schweiz gilt weiterhin als eines der global wichtigsten Zentren der Bitcoin- und Blockchain-Industrie. Städte wie Zug oder Lugano haben bereits früh auf Bitcoin gesetzt und akzeptieren teilweise staatliche Gebühren oder Rechnungen in Bitcoin.

Ob die Initiative tatsächlich gescheitert ist oder ihrer Zeit einfach voraus war, dürfte sich erst in einigen Jahren zeigen. Klar ist jedoch: Die Diskussion über Bitcoin als Bestandteil staatlicher Reserven hat längst begonnen — und sie wird international weiter an Bedeutung gewinnen.

By Christian Mäder

Publisher and Founder » Christian Mäder on LinkedIn Covering Bitcoin from Switzerland — in English and German. News, press releases, embargoes and story tips: christian@bitcoinnews.ch