Die Debatte um Bitcoin als staatliche Reserveanlage erreicht Europa endgültig auf höchster Ebene. Mit Aleš Michl sprach erstmals ein amtierender Zentralbankchef auf der grossen Bitcoin-Konferenz in Las Vegas – und zwar nicht als Kritiker, sondern als Befürworter einer Bitcoin-Beimischung für nationale Reserven. Der Gouverneur der Tschechischen Nationalbank (CNB) argumentierte öffentlich, dass bereits eine Allokation von einem Prozent Bitcoin die Rendite von Währungsreserven verbessern könne, ohne das Gesamtrisiko massiv zu erhöhen.
Besonders bemerkenswert: Die CNB testet bereits seit Ende 2025 ein eigenes digitales Reserveportfolio mit Bitcoin, Stablecoins und tokenisierten Dollar-Einlagen. Zwar handelt es sich offiziell nicht um Teil der klassischen Devisenreserven, doch die Richtung ist klar. Bitcoin wird innerhalb einer europäischen Zentralbank inzwischen nicht mehr nur beobachtet, sondern aktiv getestet.
Michl begründet seinen Vorstoss nicht ideologisch, sondern mit klassischer Portfoliotheorie. Bitcoin habe langfristig eine geringe Korrelation zu traditionellen Reserveanlagen wie Staatsanleihen oder Aktien. Genau deshalb könne selbst eine kleine Beimischung die Robustheit eines Reserveportfolios verbessern. Gleichzeitig räumte er offen ein, dass Bitcoin hochvolatil sei und theoretisch auch auf null fallen könne. Trotzdem vergleicht er Bitcoin eher mit Venture Capital als mit einem klassischen Währungsasset.
Damit stellt sich die Tschechische Nationalbank zunehmend gegen die Linie der Europäischen Zentralbank. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte Bitcoin in Zentralbankreserven mehrfach kategorisch ausgeschlossen. Tschechien befindet sich jedoch in einer speziellen Position: Das Land ist EU-Mitglied, hat aber den Euro nie eingeführt und besitzt dadurch geldpolitisch deutlich mehr Spielraum als Staaten innerhalb der Eurozone.
Auch für die Schweiz wird diese Diskussion immer relevanter. Während die Schweizerische Nationalbank Bitcoin bislang wegen Volatilität und regulatorischer Unsicherheiten ablehnt, läuft hierzulande bereits die sogenannte Bitcoin-Initiative. Diese will Bitcoin langfristig als Teil der Schweizer Währungsreserven in der Bundesverfassung verankern. Der Vorstoss aus Prag dürfte den Befürwortern zusätzlichen Rückenwind geben – insbesondere weil die CNB ihre Argumentation explizit auf Risikodiversifikation und nicht auf politische Symbolik stützt.
International verändert sich das Umfeld ohnehin rasant. In den USA existiert inzwischen eine staatliche Strategic Bitcoin Reserve auf Basis beschlagnahmter BTC-Bestände. El Salvador hält bereits tausende Bitcoin in der Staatskasse. Gleichzeitig diskutieren immer mehr Politiker, Ökonomen und Fondsmanager offen über Bitcoin als geopolitisches Reserveasset der digitalen Ära.
Noch vor wenigen Jahren galt die Idee einer Bitcoin-Reserve innerhalb einer Zentralbank als undenkbar. Heute spricht ein amtierender Zentralbankchef auf einer Bühne vor 40’000 Menschen öffentlich darüber, warum Bitcoin langfristig Teil moderner Staatsreserven werden könnte. Allein das zeigt, wie stark sich die Wahrnehmung von Bitcoin weltweit verändert hat.







