Ein chinesischer Betreiber erreicht Malaysias höchste Nachhaltigkeitsauszeichnung – und bringt damit ein größeres Bild ins Scheinwerferlicht.
Die Meldung klingt zunächst nüchtern: ZDATA Technologies, ein Pekinger Rechenzentrumsbetreiber, hat für sein GP3-Projekt in Gelang Patah, Johor, als erstes Rechenzentrum in Malaysia das Green RE Platinum-Zertifikat erhalten. 300 MW Kapazität, fünf Bauphasen, erste Inbetriebnahme Ende März 2026, Investitionsvolumen bislang rund 820 Millionen US-Dollar für Phase 1 und 2. Klingt nach einer simplen Pressemitteilung. Ist aber eigentlich das Symptom einer tektonischen Verschiebung in der digitalen Infrastruktur ganz Asiens.
Warum ausgerechnet Johor?
Wer Johor heute besucht, sieht Baukräne, Staubwolken und Bulldozer – wo vor fünf Jahren noch Palmölplantagen standen. Noch vor fünf Jahren existierte in Johor kein einziges Rechenzentrum. Heute hat sich alles verändert. Der Grund ist simpel und strategisch zugleich: Johor liegt nur 40 Autominuten von Singapores Stadtzentrum entfernt, und man kann per Landverbindung direkt an die dortigen Netzwerke anschließen.
Singapore war jahrelang die unangefochtene Drehscheibe für digitale Infrastruktur in Südostasien. Doch das dortige Moratorium für neue Rechenzentren sowie massive Kostenunterschiede haben das verändert. Malaysias Stromtarife in Johor liegen bei 13,5 Cent pro Kilowattstunde – fast halb so viel wie Singapores 23,9 Cent. Dazu kommen günstige Industrieflächen und ein staatliches Anreizsystem, das bis zu 100 Prozent Steuerbefreiung für qualifizierte Rechenzentrumsprojekte bietet.
Das Ergebnis: Johors Pipeline liegt bei rund 4 GW an geplanter Leistungskapazität (Stand November 2025), davon 700 MW im Bau und 3,3 GW in Planung oder angekündigt. Bis 2035 könnte die Kapazität des Bundesstaates sogar fünf Gigawatt überschreiten – mehr als ganz Deutschland heute an Rechenzentrumsleistung hat.
Das SIJORI-Dreieck: Singapore, Johor, Riau Islands
Was sich hier herausbildet, ist kein einzelner Hub, sondern ein vernetztes Ökosystem. DayOne Data Centers – hervorgegangen aus dem internationalen Arm des chinesischen Betreibers GDS Holdings – hat dieses Modell explizit unter dem Begriff SIJORI formalisiert: eine Hub-and-Spoke-Plattform, die Singapore, Johor und die indonesischen Riau-Inseln zu einem regionalen Infrastrukturnetz verknüpft – Singapores weltklasse Konnektivität, Johors kosteneffiziente Ressourcen und Batams unternehmensfreundliches Sonderwirtschaftszonenumfeld.
In Fachkreisen gilt das „goldene Dreieck“ von Johor, Singapore und Batam als die interessanteste AI-Rechenzentrums-Region in ganz Asien. Und seit Januar 2025 gibt es mit der Johor-Singapore Special Economic Zone (JS-SEZ) auch den politischen Rahmen dazu: erleichterte Grenzkontrollen, vereinfachte Zollregeln, abgestimmte Investitionsförderung.
Malaysia: Das aufsteigende Tech-Netzwerk

Wer baut hier?
Das Who’s who der globalen Tech-Infrastruktur ist vertreten. Nvidia und die malaysische YTL Group bauen gemeinsam ein KI-Rechenzentrum im Wert von 4,3 Milliarden Dollar in Johor, Microsoft hat 2025 sein zweites Grundstück für rund 143 Millionen Dollar erworben, ByteDance plant 2,1 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Anlagen. DayOne hat seit 2022 über 14 Milliarden Ringgit investiert und kündigt weitere 67 Milliarden über die nächsten zwei Jahre an. Und eben ZDATA – als erster chinesischer Hyperscale-Betreiber mit internationalem Greenfield-Projekt außerhalb Chinas.
Der Sedenak Tech Park im Kulai-Distrikt ist mit 745 Acres der größte in Johor. Früher standen dort Textilfabriken, heute hört man das Summen von Baggern und Bulldozern.
Das grüne Versprechen – und seine Grenzen
ZDATA setzt dabei bewusst auf Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal. Das GP3-Projekt nutzt zu 100 Prozent Brauchwasser aus Aufbereitungsanlagen, erreicht ein Power Usage Effectiveness (PUE)-Verhältnis von etwa 1,2 – deutlich unter dem Industriedurchschnitt – und hat gerade einen MOU über 630.000 MWh Solarenergie jährlich unterzeichnet. Das Green RE Platinum-Zertifikat mit 100 von 91 benötigten Punkten ist das formale Siegel dazu.
Doch das schnelle Wachstum hat seinen Preis. Die malaysische Regierung hat unlängst eine Pause bei nicht KI-getriebenen Rechenzentren angekündigt – begründet mit Wasserknappheit und Engpässen bei der Stromversorgung. Johor hat 2025 bis zu 30 Prozent der neuen Rechenzentrums-Anträge aus Nachhaltigkeitsgründen abgelehnt. Der Staat genehmigt heute nur noch Tier-3- und Tier-4-Anlagen. Wachstum ja – aber mit Bedingungen.
Penang im Norden: Der Chip-Lieferant
Zum Verständnis des größeren Bildes muss man auch nach Norden schauen: nach Penang, Malaysias „Silicon Valley of the East“. Penang hält eine Schlüsselposition in der globalen Halbleiterindustrie und trägt fünf Prozent des weltweiten Halbleiterumsatzes bei, vor allem in Packaging und Testing. Lam Research, Infineon, Texas Instruments, Micron, Bosch, Intel und andere haben in den letzten Jahren massiv in Penang investiert – nicht zuletzt weil die geopolitischen Spannungen zwischen USA und China die globalen Lieferketten neu ordnen.
Auf der entstehenden Silicon Island werden 2.300 Acres Land reklamiert für einen High-Tech-Park mit Fokus auf Electronic Design Automation, Advanced Packaging und Semiconductor Capital Equipment. Lokale Unternehmen entwickeln bereits HBM3E-Chips für High-Performance-AI-Anwendungen und Network-on-Chip-Lösungen – stolz „Made by Malaysia“ in Penang.
Die Verbindung zu Johor ist direkt: Die Chips, die in Penang designed und verpackt werden, füttern die Rechenzentren im Süden. Malaysias Ambition ist es, die gesamte Stack zu beherrschen – von der Siliziumscheibe bis zum Hyperscale-Cluster.
Selangor dazwischen: Forschung und Kapital
Dazwischen liegt der Klang Valley Corridor rund um Kuala Lumpur, der die Forschungsseite abdeckt: IC Design Parks in Selangor und Penang bieten subventionierte EDA-Werkzeuge, und eine 250-Millionen-Dollar-Partnerschaft mit ARM Holdings ermöglicht lokalen Unternehmen den Zugang zu modernen Prozessor-Architekturen. Cloud Regions von AWS, Azure und Google sind ebenfalls bereits etabliert oder im Aufbau.
Was ZDATA exemplarisch zeigt
Das GP3-Projekt ist deshalb mehr als eine einzelne Baumeldung. Es steht für drei Trends gleichzeitig:
- Erstens für die geopolitische Neuordnung: Chinesische Betreiber, die international expandieren wollen, wählen Malaysia – wegen seiner politischen Neutralität, der kostengünstigen Infrastruktur und der Nähe zu den Wachstumsmärkten Südostasiens.
- Zweitens für den Reifegrad des Johor-Markts: Wer jetzt noch den Green RE Platinum-Standard als erstes Rechenzentrum in Malaysia erreicht, signalisiert, dass Nachhaltigkeit kein Marketing-Beiwerk ist, sondern Wettbewerbsfaktor.
- Und drittens für Malaysias größere Ambition: Von der 3D-Chip-Packaging in Penang bis zu Nvidias KI-Rechenzentren in Johor ist Malaysia kein entbehrliches „Reserverad“ in der globalen Lieferkette mehr – es wird zum unverzichtbaren Hub.
Der Süden von Malaysia lärmt. Aber es ist produktiver Lärm.
Quellen:
- China Steps In as Malaysia’s Data Center Surge Puts the Power Grid to the Test
- baxtel.com
- Datacenter Map: ZDATA Technologies Co., Ltd.
- ZData becomes first data centre to earn GreenRE Platinum rating
- Silicon Valley of the East: Penang, Malaysia
- DayOne Data Centers Expands Malaysia Hub to Train 1,000 Engineers
Johor & Malaysia: How the South Is Becoming Asia’s Digital Powerhousehttps://t.co/xRDndIL35n #malaysia #datacenter #JB @mymdec @mydigital_corp @mightmalaysia @mtdcmalaysia @thetechcapital_ pic.twitter.com/S46WvrC0up
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