Do.. Apr. 16th, 2026

Der FinTech-Sektor in der Schweiz und Liechtenstein wächst weiter – allerdings langsamer als in den Boomjahren. Gleichzeitig verschiebt sich der technologische Fokus der Branche deutlich: Künstliche Intelligenz und datengetriebene Anwendungen gewinnen zunehmend an Bedeutung und überholen erstmals Blockchain-Technologien.

Zu diesem Ergebnis kommt die neue IFZ FinTech Study 2026 der Hochschule Luzern.

FinTech-Sektor wächst auf über 500 Unternehmen

Ende 2025 zählten die Forschenden insgesamt 529 FinTech-Unternehmen in der Schweiz und Liechtenstein. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Wachstum von rund vier Prozent.

Langfristig zeigt sich weiterhin ein klarer Wachstumstrend: Seit 2015 hat sich die Zahl der FinTech-Unternehmen mehr als verdreifacht. Allerdings hat sich das Tempo des Wachstums in den letzten Jahren merklich verlangsamt.

Die Studienautoren sehen darin eine neue Entwicklungsphase des FinTech-Ökosystems. Während frühere Jahre von starkem Wachstum geprägt waren, rücken nun andere Dynamiken in den Vordergrund:

  • Konsolidierung des Marktes

  • stärkere Spezialisierung

  • technologische Neuausrichtung von Geschäftsmodellen

Gleichzeitig halten sich Markteintritte und Marktaustritte derzeit weitgehend die Waage – etwa durch Gründungen, Liquidationen oder Fusionen.

Zürich bleibt führender FinTech-Standort

Geografisch bleibt der Schweizer FinTech-Sektor stark konzentriert.

Der wichtigste Standort bleibt weiterhin Zürich, gefolgt vom Kanton Zug. Besonders Zug spielt weiterhin eine wichtige Rolle für Blockchain- und Crypto-Unternehmen.

Diese regionale Konzentration unterstreicht die Bedeutung etablierter Finanz- und Technologiecluster innerhalb der Schweiz.

KI wird zur wichtigsten Technologieklasse

Die deutlichste Veränderung zeigt sich im technologischen Schwerpunkt der Branche.

Laut Studie bilden Datenanalyse, Big Data und Künstliche Intelligenz erstmals die größte Technologiegruppe im FinTech-Sektor.

Damit überholen sie zwei bisher dominierende Technologiebereiche:

  • Prozessdigitalisierung und Automatisierung

  • Distributed-Ledger-Technologie (DLT)

Die Studienautoren betonen, dass dieser Trend nicht nur auf neue Startups zurückzuführen ist. Auch etablierte FinTech-Unternehmen verlagern ihre technologischen Schwerpunkte zunehmend in Richtung datenbasierter Anwendungen und KI-gestützter Entscheidungsprozesse.

Dazu zählen unter anderem:

  • automatisierte Risikoanalyse

  • algorithmische Investmentstrategien

  • generative KI in Finanzdienstleistungen

Blockchain bleibt wichtig für Finanzinfrastruktur

Trotz der wachsenden Bedeutung von KI bleibt Distributed-Ledger-Technologie ein zentraler Bestandteil des FinTech-Ökosystems – insbesondere im Bereich der Finanzinfrastruktur.

Parallel dazu hat sich auch die Struktur der angebotenen Produkte verändert:

Der Bereich Banking- und Finanzinfrastruktur ist erstmals das größte Produktsegment im FinTech-Sektor und liegt damit vor Investment-Management-Lösungen.

Der Trend zeigt, dass viele FinTech-Unternehmen Technologieplattformen für Banken und Finanzinstitute entwickeln, anstatt direkt Endkunden anzusprechen.

B2B und globale Märkte dominieren

Ein weiteres Merkmal des Schweizer FinTech-Marktes ist die starke Ausrichtung auf Business-to-Business-Geschäftsmodelle.

Die Mehrheit der Unternehmen richtet sich primär an institutionelle Kunden wie:

  • Banken

  • Vermögensverwalter

  • Finanzdienstleister

Viele dieser Unternehmen operieren zudem international und grenzüberschreitend, was den globalen Charakter des Schweizer FinTech-Ökosystems unterstreicht.

Auch bei den Erlösmodellen zeigt sich eine klare Entwicklung: Software-as-a-Service (SaaS) hat sich zum dominierenden Geschäftsmodell entwickelt.

Venture Capital schwächt sich ab

Trotz der grundsätzlich positiven Entwicklung sehen die Studienautoren auch Herausforderungen.

Die Venture-Capital-Aktivität im FinTech-Sektor ist rückläufig, sowohl in der Schweiz als auch international. Besonders im Vergleich zu früheren Spitzenjahren hat die Investitionsdynamik spürbar nachgelassen.

Die Ursachen dafür sind laut Studie bislang nicht eindeutig geklärt und könnten Gegenstand zukünftiger Forschung werden.

Evolution statt Disruption im Finanzsystem

Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie betrifft die Art der technologischen Transformation im Finanzsektor.

Statt radikaler Disruption zeigt sich eher ein evolutionärer Wandel: Neue Technologien werden häufig schrittweise in bestehende Strukturen integriert, statt diese komplett zu ersetzen.

Viele Banken setzen zunehmend auf Kooperationen mit Technologieunternehmen und FinTech-Anbietern. Gleichzeitig konnten Schweizer Banken in den letzten Jahren ihre Effizienz steigern – etwa weil Geschäftsvolumen schneller wuchs als Kosten.

In welchem Ausmaß FinTech-Innovationen direkt zu diesen Effizienzgewinnen beitragen, lässt sich laut Studie jedoch nicht eindeutig quantifizieren.

Fazit:
Der Schweizer FinTech-Sektor wächst weiter, tritt jedoch in eine reifere Phase ein. Während Blockchain weiterhin eine wichtige Rolle spielt, verschiebt sich der Innovationsschwerpunkt zunehmend in Richtung KI, Datenanalyse und infrastrukturelle Technologien für Finanzinstitutionen.

Quelle:

By Christian Mäder

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