Vier Jahre nach dem spektakulären Scheitern von Libra, das später unter dem Namen Diem firmierte, plant Meta offenbar sein Comeback im Stablecoin-Markt. Berichten zufolge soll in der zweiten Hälfte 2026 die Integration dollarbasierter Stablecoins direkt in die eigenen Plattformen erfolgen – jedoch ohne eigenen Token. Stattdessen setzt der Konzern auf Drittanbieter und eine neue digitale Wallet-Lösung.
Der Strategiewechsel ist bemerkenswert. Während Meta 2019 noch versuchte, mit einer eigenen globalen Digitalwährung geldpolitisches Neuland zu betreten, will man nun bestehende Stablecoin-Infrastrukturen nutzen. Das reduziert regulatorische Risiken erheblich. Die damalige Libra-Initiative war massiv unter Druck geraten – Aufsichtsbehörden in den USA und Europa sahen die Gefahr, dass ein Privatunternehmen mit Milliarden Nutzern faktisch währungsähnliche Strukturen kontrollieren könnte.
Heute ist die Ausgangslage eine andere. Der Stablecoin-Markt ist von rund einer Milliarde US-Dollar im Jahr 2019 auf über 300 Milliarden US-Dollar angewachsen. Parallel dazu entstehen in den USA neue regulatorische Rahmenbedingungen wie der sogenannte GENIUS Act, der dem Markt mehr Klarheit verschaffen soll. Meta könnte somit von einem deutlich reiferen Umfeld profitieren als noch vor sieben Jahren.
Zentraler Partner soll Stripe sein, das nach der Übernahme des Stablecoin-Unternehmens Bridge seine Krypto-Aktivitäten ausgebaut hat. Dass Stripe-CEO Patrick Collison seit April 2025 im Vorstand von Meta sitzt, unterstreicht die strategische Nähe beider Unternehmen. Statt selbst Emittent zu sein, würde Meta damit primär als Integrator und Distributionskanal auftreten.
Die Dimension ist enorm: Mit rund 3,2 Milliarden Nutzern könnte Meta Stablecoin-Zahlungen quasi über Nacht global skalieren. Denkbar sind Anwendungen im E-Commerce, bei Creator-Auszahlungen, in Gaming-Ökosystemen oder bei grenzüberschreitenden Überweisungen. Gerade in Schwellenländern, in denen traditionelle Bankinfrastruktur lückenhaft ist, könnten blockchainbasierte Dollar-Zahlungen attraktiv sein.
Meta wäre mit diesem Schritt nicht allein. Auch PayPal, Visa und Stripe haben ihre Stablecoin-Aktivitäten seit 2025 deutlich intensiviert. Der Trend zeigt klar: Große Tech- und Zahlungsunternehmen positionieren sich zunehmend an der Schnittstelle zwischen klassischem Finanzsystem und Blockchain-Infrastruktur.
Ob der zweite Anlauf erfolgreicher wird als Libra, hängt jedoch nicht nur von Technik und Regulierung ab, sondern auch vom Vertrauen der Nutzer. Meta trägt weiterhin das Image eines datenhungrigen Tech-Giganten. Eine eigene Wallet für digitale Dollar könnte neue Debatten über Datenschutz, Kontrolle und finanzielle Souveränität auslösen.
Fest steht: Sollte Meta Stablecoins tatsächlich tief in Facebook, Instagram und WhatsApp integrieren, würde das Krypto-Zahlungen vom Nischenphänomen endgültig in den Mainstream katapultieren. Der zweite Versuch ist leiser, pragmatischer – und womöglich strategisch klüger als der erste.







