Di.. Feb. 10th, 2026

Standard Chartered schlägt Alarm: Der rasante Aufstieg von Stablecoins könnte das traditionelle Bankensystem in seinen Grundfesten erschüttern. Laut einer aktuellen Analyse der Grossbank drohen bis Ende 2028 Kapitalabflüsse von rund 500 Milliarden US-Dollar aus Banken in entwickelten Märkten. Weitere eine Billion US-Dollar könnten aus Schwellenländern abwandern. Der Treiber dieser Entwicklung ist klar benannt: Stablecoins werden für Sparer zunehmend attraktiver als klassische Bankeinlagen.

Die Prognose basiert auf der Annahme, dass die globale Stablecoin-Marktkapitalisierung bis 2028 auf rund zwei Billionen US-Dollar wächst. Etwa ein Drittel dieses Volumens dürfte direkt aus Bankeinlagen stammen. Besonders stark betroffen wären US-Regionalbanken, deren Geschäftsmodell stark von Zinsmargen abhängt. Schrumpfende Einlagen treffen sie härter als diversifizierte Grossbanken.

Ein zentrales Problem ist die massive Zinsdifferenz. Während viele US-Banken auf Sparkonten kaum mehr als 0.1 Prozent zahlen, können Stablecoins – je nach Struktur – Renditen von rund vier Prozent bieten. Bank of America CEO Brian Moynihan warnte zuletzt vor einem potenziellen Einlagenabfluss von bis zu sechs Billionen US-Dollar. Für Banken würde das bedeuten, sich teurer über den Kapitalmarkt zu finanzieren, was Kredite für Unternehmen und Konsumenten verteuern dürfte.

Standard Chartered sieht insbesondere Institute wie Huntington Bancshares oder Truist Financial im Fadenkreuz. Historisch erinnert die Entwicklung an den Siegeszug der Geldmarktfonds in den 1970er-Jahren, als Banken ebenfalls Marktanteile an renditestärkere Alternativen verloren. Der regulatorische Rahmen für Stablecoins befindet sich zudem im Umbruch und könnte den Trend weiter beschleunigen, insbesondere in Schwellenländern mit hoher Inflation und instabilen Währungen.

Die Bankenbranche arbeitet zwar an Gegenstrategien wie tokenisierten Einlagen, doch der Zeitdruck steigt. Für viele Regionalbanken stellt sich längst nicht mehr die Frage, ob Stablecoins zur Bedrohung werden, sondern wie schnell sie ihre Geschäftsmodelle anpassen können, um einen echten Exodus zu verhindern.

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