Eine neue experimentelle Analyse der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigt: Eine digitale Zentralbankwährung (CBDC) läuft Gefahr, gehortet statt ausgegeben zu werden. Wenn das „gute“ Zentralbankgeld auf das „riskantere“ Giralgeld der Geschäftsbanken trifft, greift ein jahrhundertealtes ökonomisches Prinzip.
Die SNB forscht: CBDC im Härtetest
In dem im Januar 2026 veröffentlichten SNB Working Paper 3/2026 untersuchen die Autoren Romain Baeriswyl, Kene Boun My und Camille Cornand die psychologische Komponente unseres Geldsystems. Das Papier mit dem Titel „Central Bank Digital Currency and Gresham’s law: An experimental analysis“ nutzt Laborexperimente, um vorherzusagen, wie sich Schweizer Bürger verhalten würden, wenn sie zwischen privatem Bankengeld und staatlichem Digitalgeld wählen könnten.
Greshams Gesetz: Das „gute Geld“ wandert unter die Matratze
Das Greshamsche Gesetz ist ein Klassiker der Nationalökonomie: „Bad money drives out good.“ Wenn zwei Geldarten gesetzlich gleichwertig sind, aber eine davon qualitativ „besser“ (sicherer oder wertvoller) ist, behalten die Menschen das gute Geld für sich und bezahlen mit dem schlechten.
Die SNB-Forscher simulierten genau dieses Szenario:
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Zentralbankgeld (Konto A): Risikofrei.
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Geschäftsbankengeld (Konto B): Behaftet mit einem Ausfallrisiko.
Die Krux mit der Halteobergrenze
Um einen Ansturm auf die Zentralbank zu verhindern und das Geschäftsmodell der Geschäftsbanken zu schützen, plant die Politik oft Einschränkungen für CBDCs (z. B. Limits von 3’000 CHF). Das Experiment der SNB zeigt jedoch, dass genau diese Einschränkungen die CBDC als Zahlungsmittel unbrauchbar machen:
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Horten statt Zirkulieren: Sobald ein Limit oder ein Negativzins auf das „sichere“ Konto A eingeführt wird, nutzen die Teilnehmer dieses Konto fast ausschliesslich als Wertspeicher.
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Zahlungsverkehr bleibt „riskant“: Bezahlt wird weiterhin mit dem riskanten Konto B. Das Ziel der Zentralbanken, ein effizientes, risikofreies Zahlungssystem für den Alltag zu schaffen, würde damit verfehlt.
Fazit für die Krypto-Welt
Die Studie der Nationalbank unterstreicht eine Ironie der modernen Geldtheorie: Je sicherer die SNB den digitalen Franken macht, desto eher wird er zum reinen Hortungsobjekt – ähnlich wie Gold oder Bitcoin (HODL). Ein risikofreier digitaler Franken könnte zwar das Vertrauen stärken, aber im alltäglichen Zahlungsverkehr gegenüber dem „schlechten“ Giralgeld den Kürzeren ziehen.
Für Bitcoin-Nutzer bestätigt dies die These, dass hartes Geld primär als Wertspeicher dient, während schwächeres Geld (Fiat) für den Konsum „verbraucht“ wird.







