Im November 2025 erreichte Chinas Import von russischem Gold einen historischen Höchstwert: Mit Käufen im Umfang von 961 Millionen US-Dollar stellte die Volksrepublik die größte jemals getätigte Transaktion zwischen beiden Ländern im Edelmetallhandel auf. Bereits im Oktober hatten die Importe 930 Millionen US-Dollar erreicht, sodass Chinas Gesamteinkäufe von russischem Gold in den ersten elf Monaten des Jahres 1,9 Milliarden US-Dollar betrugen – fast neunmal so viel wie im Vorjahreszeitraum, als die Lieferungen kaum über 223 Millionen US-Dollar lagen.
Die massive Nachfrage ist Teil von Pekings Strategie, die Goldreserven auszubauen und die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Laut einer Analyse der Financial Times könnte China 2025 sogar noch deutlich mehr Gold erworben haben, als die offiziellen Zahlen zeigen. Schätzungen der Societe Generale gehen von rund 250 Tonnen aus – etwa ein Drittel aller weltweiten Käufe durch Zentralbanken in diesem Jahr. Dies dürfte zu einem deutlichen Preisanstieg beigetragen haben: Gold verteuerte sich seit Jahresbeginn um rund 55 Prozent.
Parallel dazu hat die russische Regierung begonnen, physisches Gold aus ihren Reserven zu verkaufen, um den Staatsbudgetdefizit zu decken. Erstmals wurden diese Verkäufe real umgesetzt, nachdem zuvor die Operationen nur virtuell über die Zentralbank liefen. Seit Kriegsbeginn hat das Finanzministerium 57 Prozent des Goldbestands des Nationalen Wohlstandsfonds verkauft, von ursprünglich 405,7 Tonnen auf 173,1 Tonnen. Die liquiden Mittel des Fonds – Gold und Yuan zusammen – sanken damit von 113,5 auf 51,6 Milliarden US-Dollar.
Ökonomen sehen in diesen Goldverkäufen eine Möglichkeit, den Rubel zu stützen und die Abhängigkeit von Yuan-Reserven zu reduzieren. Experten warnen jedoch: Meldungen über große nationale Goldverkäufe könnten in einem ohnehin volatilen Markt Unsicherheit erzeugen. Ein unmittelbarer Einfluss auf den Goldpreis sei jedoch nicht zwingend, da jeder Verkäufer auch einen Käufer findet.
Die Kombination aus Chinas Rekordkäufen und Russlands Goldverkäufen zeigt, wie dynamisch sich die globalen Edelmetallströme inmitten geopolitischer Spannungen entwickeln. Für Anleger bleibt Gold weiterhin ein strategisches Asset – nicht nur als Absicherung, sondern auch als geopolitisch relevantes Instrument.
Quellen:
- The Moscow Times: China sets record for gold imports from Russia
- The Moscow Times: China’s actual gold purchases may have been 10 times higher than official figures.
- Financial Times: China’s secretive gold purchases help fuel record rally







